Ein Leben im Parlament

Jan-Christoph Oetjen will für die FDP im Wahlkreis Rotenburg gewinnen

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Seit 1995 ist Jan-Christoph Oetjen in der FDP, 2003 war der Sottrumer der jüngste Landtagsabgeordnete im Parlament.

Sottrum - Von Matthias Röhrs. Jan-Christoph Oetjen hat es sich auf dem Sofa in seinem Wahlkreisbüro gemütlich gemacht, auf dem Boden liegt Spielzeug.

Das Büro grenzt direkt an die Küche des kleinen, eher abseits der Everinghausener Straße gelegenen Hauses, das er mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern bewohnt. Erst am letzten Sonntag ist seine Partei, die FDP, nach vier Jahren Abwesenheit wieder in den Bundestag eingezogen. 77 Abgeordnete der Freien Demokraten sitzen jetzt im Berliner Parlament. Oetjen wollte keiner davon sein. Er bevorzugt das Leineschloss in Hannover.

Der Grund ist einfach: Die niedersächsische Landeshauptstadt ist viel näher als Berlin. Sein Zuhause sei ihm wichtig, als Landtagsabgeordneter könne er viel öfter in Sottrum sein, als wenn er Abgeordneter im Bundestag wäre, sagt Oetjen. Das Leineschloss hat er im Februar 2003 das erste Mal als Landtagsabgeordneter betreten – kurz vor seinem 25. Geburtstag. „Ich war damals der Jüngste im Parlament“, erinnert er sich. 14 Jahre ist der passionierte Koch jetzt Mitglied des niedersächsischen Landtags.

Die FDP war nicht ,in‘“

Sein ganzes Berufsleben ist Oetjen Politiker gewesen. Davor studierte er Wirtschaftswissenschaften, machte sein Abitur 1997 am Ratsgymnasium in Rotenburg. Mitte der 90er-Jahre war auch die Zeit, in der der junge Jan-Christoph begann, sich für Politik zu interessieren. „Ich habe damals viel ausprobiert“, sagt er heute. Er habe damals viele Gruppen sozusagen getestet, doch sich nur bei den „Julis“, den Jungen Liberalen, der Jugendorganisation der FDP, wirklich wohlgefühlt. 1995 trat er in die Partei ein. Nicht ohne Risiko für einen Schüler. „Die FDP war nicht ,in‘“, sagt der Sottrumer.

„Es macht Spaß, Dinge zu verändern“, antwortet Oetjen auf die Frage, warum er Politiker geworden sei. Man merke, wie das, was in Hannover beschlossen wird, vor Ort in den Kommunen ankomme. Auch dort ist er aktiv, sitzt in Sottrum sowohl im Gemeinde- als auch im Samtgemeinderat. Außerdem ist er Mitglied des Rotenburger Kreistags. In den kommunalen Gremien wird er geschätzt, auch über Parteigrenzen hinaus. Hört man sich bei einigen seiner Ratskollegen um, verweisen sie stets auf eine gute Zusammenarbeit.

Schule sei der Ort, wo man Politik als erstes spüre, so Oetjen. Konkret meint er Bildungspolitik: „Die Schüler merken ja, wenn zu viel Unterricht ausfällt.“ Die Unterrichtsversorgung ist daher eins der Themen, mit dem er um die Gunst der Wähler wirbt. Was Bürokratie und Rechtsstaat betreffen, will er die Dauer von Verfahren senken, ebenso die Einbruchszahlen. Wichtig ist Oetjen die digitale Infrastruktur. Kein Wunder: Es gibt wohl kaum einen anderen Landtagsabgeordneten in Niedersachsen, der beim Kurznachrichtendienst Twitter so aktiv ist wie Oetjen. Auch wenn er die Wähler darüber wohl kaum erreicht – zumal das Netzwerk kaum Mitglieder in seinem Wahlkreis hat. „Das ist eher für die Journalisten“, sagt er.

Bei „Julis“ engagiert

Wähler erreiche man besser bei Facebook. Ohnehin würden digitale Kommunikationswege bei der FDP eine wichtige Rolle einnehmen. Nach dem Ausscheiden der Partei aus dem Bundestag 2013 sei ihnen mit der Berliner Fraktion das wichtigste Sprachrohr abhandengekommen. Auch intern: Themen aus Vorstandssitzungen würden mehr und mehr per „WhatsApp“ besprochen werden. In wie vielen FDP-Gruppen er dort ist? Oetjen zückt sein Smartphone, zählt nach. „Neun“, sagt er schließlich.

Zwischen 1997 und 2002 war er im Landesvorstand der „Julis“ engagiert, die letzten Jahre sogar als Vorsitzender. Seit 2002 ist er Vorsitzender des FDP-Bezirksverbandes Elbe-Weser, im Landesvorstand seit 1998. In der FDP-Fraktion im Landtag hat Oetjen sich zunächst auf landwirtschaftliche Themen spezialisiert, ist seit 2009 der innenpolitische Sprecher seiner Fraktion, zudem seit zwei Jahren der Koordinator „Innenpolitik“ seiner Partei auf Bundesebene.

Von allen Kandidaten im Wahlkreis 53 Rotenburg ist Oetjen der einzige, der überhaupt politische Erfahrung auf Landesebene vorweisen kann. Ein Vorteil? Mitnichten, glaubt Oetjen. Und wenn, könne er den in der Kürze des vorgezogenen Wahlkampfes ohnehin nicht ausspielen. Persönlich hätte er es besser gefunden, wenn die Bundestags- und die Landtagswahl gleichzeitig stattgefunden hätten. Er schiebt Eike Holsten (CDU) und Tobias Koch (SPD) die Favoritenrolle für das Direktmandat zu.

Dafür stehen seine Chancen, über die Landesliste weitere fünf Jahre im Landtag zu sitzen, umso besser: Er selbst hat kurz, nachdem er im August auf Platz acht der FDP-Landesliste gewählt worden war, von einem „sicheren Platz“ gesprochen. Vor vier Jahren kamen die ersten 14 Bewerber auf der Liste auch in den Landtag.

Der Überblick

Alle Kandidaten aus dem Wahlkreis Rotenburg und die Ergebnisse am Wahlabend finden Sie im Überblick bei uns.

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