Sie trainiert in Sottrum für die WM

Interview mit der 15-jährigen Schachspielerin Lara

Auch mit Schachweltmeister Magnus Carlsen (r.) aus Norwegen hatte Lara Schulze schon eine Begegnung – hier bei einem Turnier im vergangenen Jahr in Hamburg.

Sottrum/Lehrte - Von Manfred Klein. Zum ersten Mal in der jüngeren Geschichte hatte der Schachclub Sottrum bei einem Turnier eine Deutsche Meisterin im Teilnehmerfeld.

Die 15-jährige Lara Schulze aus Hannover-Lehrte, frischgebackene Deutsche Meisterin der U16w, nutzte das Grand-Prix-Turnier des Niedersächsischen Schachverbandes in Sottrum als Trainingsvorbereitung für ihre Teilnahme an den Junioren-Schachweltmeisterschaften vom 15. bis 29. September in Uruguay. Ihren Aufenthalt in Sottrum nahm die Redaktion der Kreiszeitung zum Anlass, mit der jungen Königin am schwarz-weiß karierten Brett ein Interview zu führen.

Lara Schulze (15), Deutsche Meisterin der Schachjugend, nutzte ein Turnier beim SC Sottrum als Trainingsvorbereitung für die Weltmeisterschaft aktuell in Uruguay.

Kannst du dich erinnern, wann du zum ersten Mal mit Schach konfrontiert worden bist?

Lara Schulze: Ich meine, da war ich in der dritten Klasse Grundschule. Da habe ich mir einen Tag vor den Herbstferien den Fuß gebrochen. Da hatte ich erst mal nichts zu tun in den Ferien, natürlich auch keinen Sport zum Beispiel. Mir wurde schnell langweilig. So bin ich zum Schach gekommen.

Wie das? Wie kommt man mit gebrochenem Fuß aus Langeweile zum Schach?

Lara: Okay, das war so: Meine Mutter Stefanie hat im Internet gegoogelt, um zu sehen, was kann man mit gebrochenem Fuß machen. Da wurde Schach empfohlen. Bei uns in der Familie spielt niemand Schach, außer neuerdings mein jüngerer Bruder Lukas. Im Internet wurde zudem angezeigt, dass mein Heimatort Lehrte einen Schachklub hat. Und so kam dann eins zum anderen. Ich bin in den Klub gegangen. Mein erster Trainer war Marc Tenninger, der hat mir auch zunächst die Regeln beigebracht, und dann stiegen wir richtig ins Schachtraining ein. Nicht nur im Verein, sondern auch zu Hause – privat eben.

Ab wann hast du Blut geleckt, ab wann hast du gemerkt, Schach ist dein Ding?

Lara: Mir hat Schach sofort Spaß gemacht. Von Anfang an.

Und dann kamen Pokale und Meisterschaften dazu?

Lara: Meinen ersten Pokal bekam ich, als ich im Verein den Wettbewerb der Anfängergruppe gewonnen hatte.

Wie oft trainierst du heute Schach?

Lara: Täglich, den ganzen Nachmittag über. Weitestgehend allein, ich studiere Schachbücher und spiele Schach am Computer. Ein bis zweimal die Woche trainiere ich mit Trainer, heute mit Dennes Abel, einem Internationalen Meister und Spieler in der Bundesliga. Mal per Skype, mal bei uns zu Hause.

Heute bist du WFM, also Meisterin im Weltschach der Frauen, wie wird man das?

Lara: Das wird man bei einer Elozahl (eine Schachleistungszahl; Anm. d. Red.) von 2 100. Dann kann man den Titel WFM beantragen.

Kannst du generell jungen Menschen empfehlen, sich mit Schach zu beschäftigen?

Lara: Ja, wenn es Spaß macht, dann sollte man das machen.

Vernachlässigst du bei all dem Schachzirkus nicht die Schule?

Lara: Nein, natürlich nicht. Mein Notendurchschnitt ist 1,5. Okay, ich mache mehr Schach als Schule. Aber die Schule läuft.

Dr. Helmut Pfleger, Großmeister im Schach und Ehrenmitglied im Schachclub Sottrum, sagt, die Beschäftigung mit Schach hält den Kopf fit und erhöht das Denkvermögen.

Lara: Das stimmt sicherlich. Wenn ich im Schach vorne mitspielen will, dann muss ich Eröffnungen und Varianten auswendig lernen, dieses Vermögen ist dann auch auf andere Bereiche übertragbar, denke ich.

Du besuchst heute die zehnte Klasse am Gymnasium Lehrte. Wirst du dort auch im Schach unterstützt?

Lara: Ja, in jedem Fall. Das ist vielleicht ein Glücksfall. Mein Klassenlehrer ermöglicht mir immer, zu großen Schachwettkämpfen, Europa- oder Weltmeisterschaften frei zu bekommen.

Im Schach sehr gut, in der Schule sehr gut. Bleibt da noch Zeit für etwas anderes?

Lara: Na ja, ich spiele noch zwei Musikinstrumente – Saxofon und Klavier – und bin Mitglied in zwei Schulbands.

Für den SK Lehrte spielst du auch in der Frauenbundesliga, heute zweites Brett. Wie lange bist du schon dabei in der Bundesliga?

Lara: Seit drei Jahren, am Anfang waren es sporadische Einsätze, heute bin ich Stammspielerin. 2014 war ich die jüngste Spielerin in der Frauenbundesliga.

In der Bundesliga besteht ein Team aus sechs Personen. Muss Lehrte da Meisterspielerinnen aus dem Ausland zukaufen, um in der höchsten Klasse mitzuhalten?

Lara: Nein, überhaupt nicht. In Lehrte kommen nur Eigengewächse zum Einsatz. In anderen Ligavereinen sind da gerne mal vier oder fünf ausländische Spielerinnen unterwegs. Bei uns in Lehrte überhaupt nicht. Die meisten von uns sind amtierende oder frühere Jugendmeister aus der Region.

Hast du schon mal in der Frauennationalmannschaft gespielt?

Lara: In der Frauennationalmannschaft noch nicht, aber in der Jugendnationalmannschaft, bei der U16-Olympiade 2016 in der Slowakei zum Beispiel. Da ist dann Bundesnachwuchstrainer Bernd Vökler für uns zuständig.

Wirf mal bitte einen Blick auf deine Erfolge als Einzelspielerin.

Lara: Dreimal bin ich in den jeweiligen Altersklassen Deutsche Meisterin geworden, einmal Vizemeisterin, dann Europameisterin im letzten Jahr und davor zweimal EU-Vizemeisterin.

Und aktuell steht die Junioren-Weltmeisterschaft in Uruguay auf dem Programm vom 15. bis 29. September.

Lara: Ja, das wird meine vierte WM. Meine erste WM war in Südafrika, dann in Griechenland und im letzten Jahr in Russland.

Wer nominiert die Teilnehmer an der Jugend-WM? Und wer bezahlt das alles?

Lara: Die ersten Drei der Deutschen Meisterschaft sind qualifiziert. Ich als Deutsche Meisterin bin nominiert und der Veranstalter übernimmt Verpflegung und Hotel. Aber weil ich ja minderjährig bin, muss ich mit erwachsener Begleitperson reisen, mit Mama oder Papa, und die müssen natürlich voll bezahlen. Hinzu kommen natürlich die Flüge. Der Deutsche Schachbund stellt unseren Trainer während des Turniers, das war’s.

Lara, dein Talent und deine nationalen und internationalen Erfolge im Schach kosten deinen Eltern eine Stange Geld.

Lara: Papa und Mama unterstützen mich finanziell, wo sie können. Dafür bin ich ihnen sehr dankbar. Natürlich überlegen wir uns, wie ein Sponsoring oder eine Sportförderung für mich auf Dauer aussehen könnte. Da haben wir noch keinen Weg gefunden.

Weißt du schon, was du später beruflich machen möchtest?

Lara: Nein, das weiß ich noch nicht. Aber ich werde bestimmt nicht Profischachspielerin werden, sondern irgendwas anderes.

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