Landwirte müssen genau hinschauen 

Kreisnaturschutzbeauftragte erläutert geplantes Schutzgebiet an der Wümme

+
Die Wümmeniederung bei Hassendorf. Sie soll unter Naturschutz gestellt werden.

Sottrum - Die Wümmeniederung soll im Kreisgebiet teilweise als Naturschutzgebiet ausgewiesen werden. Das sorgt wie im Zusammenhang des Lauenbrücker Schulwaldes vereinzelt für Aufregung bei den Anrainer-Gemeinden des Flusses. Auch einige Sottrumer Kommunen sind darunter. Da die Wümme Ahausen, Hassendorf, Hellwege und Sottrum streift oder durchquert, sind dort ebenfalls Einschränkungen zu erwarten. Insbesondere Landwirte müssen sich umstellen, bewertet die Kreisnaturschutzbeauftragte Christine Looks das Vorhaben. Das könnte Streit geben, und aus Sicht des Landkreises wäre das nicht das erste Mal.

Es ist schon einige Jahre her, dass der Landkreis eine Satzung zum Naturschutzgebiet Beverniederung beschlossen hat. Vorangegangen waren monatelange Diskussionen im Nordkreis und im Kreistag. Die Landwirtschaft in der Region befürchtete teils große Einschränkungen, am Ende kam es zu einem Kompromiss. Schon damals galt das Verfahren als Muster dafür, wie im Landkreis weitere Naturschutzgebiete ausgewiesen werden sollen. Auch in den Sottrumer Bereichen, und damit unterscheiden sie sich vom Schulwald-Streit in Lauenbrück, wird die Wümmeniederung eher landwirtschaftlich genutzt.

Bei der Ausweisung des Naturschutzgebietes „Wümmeniederung mit Rodau, Wiedau und Trochelbach“ gehe es darum, bedrohten Lebensraum zu schützen, erklärt Looks die Situation gegenüber der Kreiszeitung. Doch das gehe nur über Einschränkungen und Verbote. Da bereits viele betroffene Grundstücke in öffentlicher Hand seien und das Gebiet ohnehin schon als Flora- und Fauna-Habitat (FFH-Gebiet) ausgewiesen ist, ändere sich eigentlich nicht viel. „Da gibt es jetzt schon Einschränkungen.“ Allerdings: Auch die Flächen im öffentlichen Besitz sind teilweise an Landwirte verpachtet, zudem gibt es trotzdem Grundstücke im Privatbesitz. Die Landwirte müssten sich nun frühzeitig mit den Konsequenzen, die die Ausweisung zum Naturschutzgebiet haben könnte, auseinandersetzen. Und nicht nur für sie gelte: „Es müssen Lösungen gefunden werden“, sagt Looks.

Zum Beispiel beim Thema Gülle: Wer einen Stall baut, muss angeben, wo er anfallende Tier-Fäkalien ausbringen will. Im Naturschutzgebiet wäre das laut Looks nicht mehr in gewohnter Form möglich. „Schließlich sind das sensible Flächen.“ Bauern müssten demnach andere Flächen finden, oder man einige sich auf andere Weise auf Lösungen über einen Ausgleich. Ein Stall werde aber nicht gleich dicht gemacht, nur weil die angegebenen Ausbringungsflächen auf einmal wegfallen. Auch die Weidehaltung in den veranschlagten Gebieten würde wohl nicht mehr in dieser Form stattfinden. Die Anzahl der weidenden Tiere müsse begrenzt werden, um etwa Grasnaben vor dem Zertrampeln zu schützen.

Wer die Wümmeniederung in der Samtgemeinde als Naherholungsgebiet nutzt, müsse sich ebenfalls wenig Neuerungen unterwerfen. „Man muss sich streng an die Wege halten“, sagt Looks. Aber das sei ebenfalls bereits gültiges Regelwerk. So seien bereits die Nordpfade nach ähnlichem Regelwerk angelegt worden, und selbstverständlich dürfen diese weiter genutzt werden. Ein Betretungsverbot soll insbesondere für das Wümmeufer gelten. Dort lebe zum Beispiel der Fischotter, der laut der Naturschutzbeauftragten sehr störanfällig ist.

Im Grunde liege die Lesart der noch Bestand habenden Regelungen darin, dass es keine Verschlechterung des Naturschutzes in der Wümmeniederung geben soll. Die Ausweisung als Naturschutzgebiet würde dieses Prinzip umkehren. Der Naturschutz soll verbessert werden. Das bedeutet aber auch im Nachgang viel Arbeit. Es müssen Pflegepläne erstellt und umgesetzt werden. Das kostet Geld. Zudem erfolge in einigen Jahren eine Überprüfung durch die Europäische Union, ob die gesteckten Ziele erreicht wurden. Fällt man durch, muss nachgebessert werden.

Termin

Noch bis zum 13. Februar kann sich die Öffentlichkeit zur Ausweisung des Naturschutzgebietes äußern. Die Unterlagen sind unter anderem im Rotenburger Kreishaus und im Rathaus Sottrum einsehbar. Der Samtgemeinde-Umweltausschuss befasst sich auf seiner nächsten Sitzung am Donnerstag, 23. Januar (18 Uhr, Rathaus), mit dem Thema. Vertreter des Landkreises werden das Vorhaben erläutern. Im Anschluss soll eine Stellungnahme als Beschlussvorschlag für den Rat entworfen werden.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Erneut China-Rückkehrer in Deutschland gelandet

Erneut China-Rückkehrer in Deutschland gelandet

Neues Nienburger Kino offiziell eingeweiht

Neues Nienburger Kino offiziell eingeweiht

Wenn Kids Eltern die rote Umweltkarte zeigen

Wenn Kids Eltern die rote Umweltkarte zeigen

Das Autointerieur wird nachhaltiger

Das Autointerieur wird nachhaltiger

Meistgelesene Artikel

Übrig bleiben Automaten: Sparkasse Rotenburg Osterholz schließt Filialen

Übrig bleiben Automaten: Sparkasse Rotenburg Osterholz schließt Filialen

Dritte Nacht der Ausbildung lockt rund 200 Besucher an

Dritte Nacht der Ausbildung lockt rund 200 Besucher an

Der Weg zur zukunftssicheren Vorsorge

Der Weg zur zukunftssicheren Vorsorge

Büttenrede mit Huhn

Büttenrede mit Huhn

Kommentare