Gemeinderat nicht einverstanden

Reeßumer Mehrzweckgebäude: Lärmschutz bereitet Ärger

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Eine Ergänzung der Baugenehmigung des Reeßumer Mehrzweckgebäudes sorgte im Gemeinderat für Ärger.

Reeßum - Von Henning Leeske und Matthias Röhrs. Die Bauarbeiten an der Straße Zum Fuhrenkamp sind im vollen Gange. Die ersten Teile des Rohbaus des neuen Mehrzweckgebäudes der Gemeinde Reeßum stehen bereits, in wenigen Wochen will man dort das Richtfest feiern. Der Wunsch einer generationenübergreifenden Begegnungsstätte steht kurz vor der Erfüllung. Mitte Dezember soll alles fertiggestellt sein – vielleicht aber mit Einschränkungen, wie aus einer Mitteilung aus dem Bauamt des Landkreises hervorgeht.

Die Stimmung im Reeßumer Gemeinderat, der sich am Montagabend in Clüversbostel mit dem Schreiben aus Rotenburg befasst hat, konnte man ohne Weiteres als aufgeheizt bezeichnen. Der Kern der Mitteilung ist eine wesentliche Nutzungseinschränkung des Gebäudes. Das Bauamt kündigt darin eine Ergänzung der Baugenehmigung in Bezug auf Schallemissionen durch das sich im Bau befindliche Mehrzweckgebäude an. Von 6 bis 22 Uhr soll nur eine Lärmbelastung von 60 und nachts von 45 Dezibel Schalldruck zulässig sein. Die Behörde reagiert damit auf den Widerspruch eines Anliegers.

„Sauer“ ist noch ein Adjektiv, mit dem man die Ratsmitglieder während dieses Tagesordnungspunktes elf beschreiben bezeichnen konnte. Allen voran Bürgermeister Marco Körner, sichtbar angefressen, der wie viele andere an diesem Abend das ganze Projekt infrage stellte. „Wir können eigentlich gleich wieder mit dem Abriss der Halle anfangen, wenn diese Einschränkungen wirklich so kommen sollten“, sagte er. Denn ein normaler Trainingsbetrieb wäre so nicht möglich. Auch weitere Lärmschutzmaßnahmen wie Schallschutzfenster würden nun nachträglich verlangt, obwohl die Baugenehmigung schon längst erteilt worden sei. Diese Genehmigung kostet laut Körner rund 10 000 Euro an Gebühren.

„Einen Abriss wird es natürlich nicht geben“

Tatsächlich stand die Frage nach den Abrisskosten im Raum, verbunden mit einer Schadensersatzforderung an den Landkreis. Auch wenn sie wohl eher als Trotzreaktion zu verstehen ist. „Einen Abriss wird es natürlich nicht geben“, sagte Körner am Tag nach der Sitzung.

Mit dem Mehrzweckgebäude wollte die Gemeinde einen neuen Ortsmittelpunkt entwickeln. Sport soll in der Hallen mal betrieben werden können – Tischtennis und Kinderturnen zum Beispiel. Auch Vorträge und Ratssitzungen sollen dort einmal stattfinden können.

Ob dieser Pläne war es also kein Wunder, dass die Ratsmitglieder sehr ungehalten reagierten. „Das kann ja wohl nicht angehen, Lärm hat ja nichts mit Uhrzeit zu tun“, sagte beispielsweise Dieter Precht. „Es kann nicht wahr sein, dass eine Genehmigung erteilt wird, und dann nachträglich Ergänzungen gefordert werden. Man muss jetzt auf höherer Ebene den Dialog suchen und die Sache regeln“, forderte Herbert Cordes.

Dabei war man bereits guter Dinge, was den Fortschritt der Mehrzweckhalle angeht: „Der Bau läuft ganz genau nach Zeitplan“, teilte Bürgermeister Körner mit. Bis auf die Außenarbeiten und die Beschaffung für die Einrichtung des Gebäudes seien alle Aufträge an entsprechende Fachfirmen vergeben worden. Auch die Kosten lägen im Plan. Bisher gäbe es Aufträge für 1,2 Millionen Euro, und insgesamt werde von Gesamtkosten in der Höhe von 1,3 Millionen Euro ausgegangen. „Alles unter der Voraussetzung der ursprünglichen Baugenehmigung“, so Körner.

Bezüglich der Ergänzung der Baugenehmigung will die Gemeinde Reeßum umgehend Widerspruch einlegen und nicht von der eigentlichen Planung abweichen. Dennoch werde man sich mit den Fachplanern in dieser Sache beraten. Nun müsse man gemeinsam mit dem Bauamt sehen, mit welchen Lärmschutzmaßnahmen die Nutzungsdauer ausgedehnt werden kann, so Körner am Dienstag. Der Bau werde zunächst aber nicht davon beeinflusst.

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