Dirk Prautzsch aus Sottrum fertigt Werke aus der Bauchbinde an / Durchschnittspreis bei bis zu 10.000 Euro

Kunst aus Zigarrenbanderolen

Mit weißen Handschuhen und höchster Genauigkeit geht Dirk Prautzsch an seinem Arbeitsplatz in Sottrum vor.

Sottrum - Von Wieland Bonath.„Ich verzichte auf den Himmel, wenn ich dort keine Zigarren rauchen darf.“ Der amerikanische Schriftsteller Mark Twain hat diesen entschlossenen Satz einst geprägt. Dirk Prautzsch (51) aus Sottrum und einziger Zigarrenbanderolenkünstler hat ebenfalls eine besondere Liebe zu dem exklusiven Genussmittel entwickelt.

Vor 16 Jahren kam der frühere Berufsreiter durch einen Freund „auf die Zigarre“, zwei Jahre später hatte Prautzsch, in München als Sohn eines Kunstmalers geboren und in Bremen aufgewachsen, die Idee, die dem Leben des Leistungssportlers eine neue Richtung gab. Er fügte Zigarrenringe zu Kunstwerken zusammen. Der 51-Jährige sagt zu seinem weltweiten Kundenkreis so: „Zigarrenbanderolenbilder sind der ideale Wandschmuck für Ihre Cigarlounge oder Ihre privaten Räume! Die Zigarre als Thema ist ideal, um ein dekoratives Bild zu fertigen, denn es bietet viel Raum für Kreativität.“

Arbeit erfordert höchste Genauigkeit

Dirk Prautzsch, der mit seiner Frau Marion und seinen beiden Töchtern seit fünf Jahren in Sottrum lebt, ist von seiner künstlerischen Arbeit, bei der sich Fachwissen, Ideenreichtum und höchste Genauigkeit paaren, förmlich besessen. In Zedernholzkisten bewahrt er die Zigarren auf, mit farbenprächtig geschmückten Banderolen. Zigarren, die zwischen fünf und 150 Euro kosten.

Der Künstler mit kostbaren Zigarren in einer handgearbeiteten Kiste aus Zedernholz. - Fotos: Bonath

Sie stammen aus dem „Mutterland“ der Zigarre, aus Kuba, der Dominikanischen Republik, Nicaragua, Brasilien, Honduras, asiatischen und europäischen Ländern. Es ist noch gar nicht solange her, dass auch in Deutschland Zigarren per Hand gedreht wurden.

Und das ist Dirk Prautzschs ganzer Stolz: Prall gefüllte Tüten mit bunten Banderolen. Der Künstler sucht sie überall, das Rohmaterial, aus dem er mit viel Sorgfalt und in wochenlanger Arbeit auf Papierbögen arrangierte Bilder hinter Glas aufbringt. Jedes gestaltet oft in Zusammenarbeit mit dem Auftraggeber, ein Unikat. Diese einmaligen Stücke können bis zu 120.000 Euro kosten. Der durchschnittliche Preis beläuft sich auf 1.000 bis 1. 000 Euro.

Diese Bilder hängen in Wohnungen von Zigarrenliebhabern, sollen Erinnerungen wachhalten, die Kunstwerke sind in Häusern bekannter Zigarrenfirmen zu finden, 35 Bilder von Dirk Prautzsch werden in der Havanna Lounge Bremen, deren Mitglied der Künstler ist, gezeigt. Und auch darauf ist der Zigarrenkünstler stolz: „Vor drei Jahren wurde ich Ehrenmitglied des Privaten Zigarrenclubs Shanghai.“

Prautzsch gilt mittlerweile als einziger Kurator, Sammler und Arrangeur von Cigar-Elementen. Zum Thema der reichhaltigen Tabakgeschichte Kubas und dem richtigen Umgang mit der Zigarre war er als Referent tätig. Seine Werke zeichnen sich besonders durch die Ästhetik und Herkunft des eingesetzten Materials aus. Durch den sehr hohen Detailreichtum und die Geschichte, die hinter jedem einzelnen verwendeten Unikat innerhalb eines Bildes steht, wirkt jedes dargestellte Motiv so abwechslungsreich.

Tausende von Banderolen – der Künstler sammelt sie als „Rohmaterial“.

„Ein großer Vorteil den meine Zigarrenkunst ermöglicht, ist, dass sich ein Auftraggeber sehr aktiv mit in den kreativen Prozess und die Entstehung eines Werkes einbringen kann. Das steigert die Identifikation mit ,seinem‘ späteren Bild enorm, da der Käufer eine starke Erinnerung an diesen Entstehungsprozess bekommt.“

Dirk Prautzsch, der so ziemlich alles weiß, was mit Zigarren zu tun hat: „Etwa zu der Zeit von Kolumbus waren es Indiofrauen auf Kuba, die zuerst Zigarren rauchten. Die Banderolen wurden übrigens erfunden, damit sich die Damen die Finger nicht schmutzig machten. Heute gilt die Bauchbinde der Zigarre als besonderer Schmuck. Die Zigarre ist im Gegensatz zur wesentlich jüngeren Zigarette ein echtes Kulturgut.“

Prautzsch ist alles andere als ein Zigarren-Kettenraucher: „Meine vorerst letzte Zigarre habe ich vor einer Woche bei einem Freund auf Fehmarn geraucht.“ Genuss, Zeit und Muße gehörten zu den Faktoren, die die Liebhaber suchen. Die Zigarre sei kein Suchtmittel, sondern könne Menschen verbinden, weiß der Künstler. Er ergänzt: „Die Zigarre ist ein hervorragender Kommunikator. Meistens dauert es nicht lange, und die Zigarre verbindet fremde Menschen.“

Und die Zigarette, die von der Politik mit Verboten des Rauchens in der Öffentlichkeit belegt wurde? Dirk Prautzsch: „Die Zigarette ist eine ganz andere Philosophie. Hier sollte jeder für sich selbst entscheiden. Dabei kann man nicht pauschalisieren, alles andere bedeutet eine Entmündigung. Für mich gilt das Prinzip: Man muss in seinem Leben Toleranz bewahren.“

Und die von der Politik beschlossenen Schockbilder auf den Zigarettenpackungen? Der Sottrumer Künstler: „Mit einem Wort: Schockbilder werden gar nichts bewirken.“ Schockbilder auf den teilweise sehr wertvollen Zigarrenkisten? Dann könne man diese Kisten wegwerfen, so Prautzsch. Diese kostbaren, handgearbeiteten Zigarrenkisten bestehen aus massivem Zedernholz.

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