„Besonderes“ Jahr 2020

Volksbank Wümme-Wieste zieht Bilanz: „Krise ist noch nicht angekommen“

Trotz Coronavirus können die Vorstände der Volksbank Wümme-Wieste, Matthias Dittrich (l.) und Stefan Hunsche ein gutes Jahr 2020 bilanzieren. Spätfolgen der Pandemie könne man aber noch nicht einschätzen.
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Trotz Coronavirus können die Vorstände der Volksbank Wümme-Wieste, Matthias Dittrich (l.) und Stefan Hunsche ein gutes Jahr 2020 bilanzieren. Spätfolgen der Pandemie könne man aber noch nicht einschätzen.

Stefan Hunsche übertreibt nicht, wenn er von einem „besonderen Jahr“ 2020 spricht. Man habe in seinen Planungen an alles gedacht, aber nicht an eine Pandemie. Dennoch kann der Vorstand der Volksbank Wümme-Wieste in der Jahresbilanz von zwölf „vernünftigen und erfolgreichen“ Monaten sprechen.

Trotz Corona-Krise konnte das Bankhaus erneut seine Bilanzsumme steigern, auch Mitgliederzahl, Kundenvolumen und das Kreditgeschäft befinden sich den Angaben bei der Bilanzpressekonferenz am Donnerstag zufolge weiter im Wachstum. Dennoch hat sich das Geschäft verändert, man wird sich weiterentwickeln müssen.

War der Beginn des Bilanzjahres 2020 mit dem coronabedingten Absturz der Börsen-Indizes noch von Turbulenzen geprägt, ist der Wertpapiermarkt schon längst wieder im ruhigen Fahrwasser angekommen. Auch die lokalen Unternehmen kommen nach Einschätzung Hunsches gut durch die Zeit. Er selbst hat eigenen Worten nach bei den meisten keine Krisenstimmung ausmachen können. Er verhehlt aber nicht, dass gewisse Branchen – zum Beispiel Friseure und Gastronomen – härter getroffen wurden als andere.

Spätfolgen der Krise sind noch nicht abzuschätzen

Eine sogenannte Pleitewelle, von der Hunsche oft in den Medien gehört haben will, gebe es nicht. „Stand heute ist das Thema Krise bei uns nicht angekommen“, sagt er. Man könne, so Vorstandskollege Matthias Dittrich, die Spätfolgen der Krise aber noch nicht abschätzen. Es sei gut möglich, dass sich die Pandemie 2021 oder 2022 noch bemerkbar mache.

Mitglieder, Personal und Corona

Im Jahr 2020 hat die Volksbank Wümme-Wieste ihr 12 000. Mitglied begrüßen können. Bis zum Jahresende waren es 12 123 Menschen, die sich Teilhaber nennen dürfen. Die Mitarbeiterzahl ist leicht auf 142 gestiegen, davon zehn Auszubildende. Auch sie waren gerade am Anfang der Pandemie großen Herausforderungen ausgesetzt, wie Vorstand Matthias Hunsche betont. Sie mussten sich viel Wissen aneignen und den teils verunsicherten Kunden vermitteln sowie viele Fragen zu den Auswirkungen der Corona-Pandemie auf das Geschäft beantworten. Nicht zu vergessen sei eine Art psychologische Unterstützung der Kunden, so Dittrich. Man habe lernen müssen, mit den Ängsten der anderen umzugehen.

Die Bilanzsumme der Volksbank Wümme-Wieste stieg 2020 im Vergleich zum Vorjahr um 5,4 Prozent auf 694 Millionen Euro an. Das ist ein ähnliches Wachstum wie in den Jahren zuvor. „Wir haben eine Krise gehabt, aber keine Bremsspuren im geschäftlichen Bereich“, führt Hunsche aus. Kredite, Einlagen oder Wertpapiere seien durch die Krise nicht weniger beliebt. 2020 betreute die Bank 471 Millionen Euro an Krediten, 22 Millionen Euro mehr als 2019. Haupttreiber ist hier die Baufinanzierung, begünstigt durch niedrige Zinsen. Wobei man beachten müsse, dass Geld zwar günstig zu bekommen sei, die Preise für Immobilien aber wegen der großen Nachfrage stiegen, so der Vorstand.

Man setzt auf digitale Angebote

Das Kundenvolumen verzeichnet ebenfalls ein Plus, und zwar um 7,3 Prozent auf 470 Millionen Euro. Die Leute würden mehr sparen, weniger Einkommen durch beispielsweise Kurzarbeit spiele dabei eine Rolle. Andererseits gebe es zurzeit schlichtweg wenig Möglichkeiten, Geld auszugeben. Nach und nach lösen Fondsparverträge das klassische Sparbuch ab, weil man damit eben noch Zinsen erwarten kann. 1 000 dieser Verträge habe die Volksbank Wümme-Wieste 2020 abgeschlossen. Das gab es noch nie bei der Sottrumer Bank – ein Zuwachs von 45 Prozent. Das ist vielerorts zu beobachten. „Die Aktienkultur war in Deutschland nie sehr ausgeprägt, aber es entwickelt sich etwas“, so Hunsche.

Corona wird die Bank und ihre Kunden noch beeinflussen, sind sich die Vorstände sicher. Man setzt mehr auf Digitalisierung, schon im vergangenen Mai hat die Volksbank Wümme-Wieste eine sogenannte Direktfiliale eröffnet, in der man vieles Geschäftliche zum Beispiel per Telefon klären kann. Die war schon vor Corona geplant gewesen und soll ausgebaut werden. Die Kunden versuchten, Dinge von zu Hause aus zu erledigen. Der persönliche Kontakt in der Filiale verliere an Bedeutung. Auch Skeptiker seien laut Hunsche mittlerweile aufgeschlossener.

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