Grünen-Politiker Thomas Dosch spricht im Hellweger Hofcafé über die Rolle der Landwirte

Kommunikation spielt große Rolle

Susanne Heitmann (v.l.), Elke Boggasch und Lore Heitmann im Hofcafé in Hellwege. - Fotos: Diercks

Hellwege - Von Bettina Diercks. Großes Kino war gestern in Hellwege angesagt: Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Bündnis 90/Die Grünen) hatte zugesagt, bei der offiziellen Saisoneröffnung der Arbeitsgemeinschaft Urlaub und Freizeit auf dem Lande anwesend zu sein. Regelmäßige Radiohörer wussten morgens schon, dass er wegen eines anderen Termins nicht kommt. Die Organisatoren offenbar nicht.

Der Feierlaune auf dem Eichenhof in Hellwege tat das aber keinen Abbruch. Platz genommen hatten gut 60 Gäste in dem gerade fertiggestellten, von Susanne Heitmann zum Hofcafé umgebauten Stallgebäude. Und Ersatz für den Minister kam ebenfalls: Aus Hannover angereist war sein Parteikollege Thomas Dosch, Abteilungsleiter im Landwirtschaftsministerium für EU-Agrarpolitik und Agrar-Umweltpolitik und ehemaliger Bioland-Präsident.

Dosch bekam als Steilvorlage für seinen Beitrag ein „Liebeslied an die Bauern“ von Majanne Behrens (Bassum) gesungen. Sie könne nämlich Sprichwörter wie „der dümmste Bauer hat die größten Kartoffeln“ so gar nicht leiden. „Als wenn Landwirtschaft Zufall wäre“, sagte Behrens, die Landwirte als alltagsbrauchbare Kerle besang, die außerdem für Vielfalt sorgen würden.

Das unterstrich Dosch, der die Begrüßungsworte von Hellweges Bürgermeister Wolfgang Harling (SPD) erschreckend fand. Letzterer war stolz, das es „noch“ zwölf aktive Landwirtschaftsbetriebe im Dorf gibt. Dosch fand es erschreckend, weil „vergessen wird, wo unsere Lebensmittel herkommen.“

In das Dorfleben integrieren

Dosch weiter: „Hauptsache ist, dass die Landwirtschaft erhalten bleibt. Das ist es, was die ländlichen Räume ausmacht. Dort kommt alles zusammen, was mit Leben zu tun hat.“ Der Grünen-Politiker sprach allerdings auch von seinem Gefühl, dass „wir uns wieder mehr integrieren müssen“. In das Dorfleben, sozusagen. Der Landwirt Dosch erinnerte an seine Kindheit auf dem Land, wo jeder Einwohner seine Rolle hatte, beziehungsweise fand.

Sein Beispiel: „Wenn einer nur Fahrrad fahren konnte, dann brachte er eben mittags mit dem Fahrrad die Suppe aufs Feld.“ Die Verknüpfung für ihn ist, das jeder seinen Platz hat und Kommunikation eine ganz große Rolle spiele. „Das ist es, was eine Gemeinde ausmacht“, sagte Dosch, der zu mehr Wertschätzung aufforderte und dazu, Menschen nicht in Schubladen zu stecken.

Thomas Dosch übernimmt den Part von Landwirtschaftsminister Christian Meyer.

Damit zielte der Abteilungsleiter auf Migranten ab, zu denen er sich als Süddeutscher selbst zählt, aber auch auf den demografischen Wandel, mit dem die Anforderung an Barrierefreiheit einhergeht. „Toll finde ich den Weg, den sie eingeschlagen haben und erfolgreiche Inklusionsansätze vorstellen: Kind und Esskultur, gemeinschaftliche Kochfeste und, dass sie nicht nur an klassische Urlaubsangebote denken, an Eltern, die mit Kindern kommen, sondern auch umgekehrt Kinder mit ihren Eltern“, sagte Dosch über modernisierte Angebote der Bauernhofferien und den Wettbewerb „Inklusion – Barrierefrei integriert in das Dorf – Landerlebnis alle(s) inklusiv?!“. Deren Teilnehmer wurden gestern in Hellwege mit Urkunden ausgezeichnet und fünf Betriebe beziehungsweise Orte mit herausragenden Ideen als Gewinner prämiert.

Dass Höfe heutzutage oftmals Betriebszweige bilden würden wie Hofcafés oder Urlaub auf dem Bauernhof, sei nichts Verwerfliches. „Ohne diese Einkommenskombination würden einige Höfe nicht überleben können und es gäbe den einen oder anderen landwirtschaftlichen Betrieb nicht mehr“, untermauerte Ute Mushardt, Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft Urlaub auf dem Bauernhof und Landtourismus, die Worte von Dosch. 48 Prozent der Betriebe erwirtschafteten im Zusatzerwerb wie Direktvermarktung, Urlaubsangeboten, erneuerbaren Energien sowie Forst- und Fischwirtschaft 40 Millionen Euro in Niedersachsen.

Susanne Heitmann mit ihrem neuen Hofcafé und dem Ausbau ihrer Ferienwohnungen in Hellwege gehört in den Augen von Mushardt und Dosch zu den Mutigen auf dem Land, die die Wertschöpfung im ländlichen Raum voranbringen.

Mushardt ergänzte im Gespräch, dass die ländlichen Angebote, gerade die Quartiere, allerdings mit der Zeit Schritt halten und natürlich auch online buchbar sein müssten: „Das ist gerade mal bei zehn Prozent unserer Mitglieder der Fall.“ Ein Belegplan, der im Internet einzusehen sei, gehöre ebenfalls zu einem guten Auftritt.

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