Für eine Hand voll Kleingeld

Unbekannter bricht in Ahausen dreimal einen Kollektenkasten auf

Der aufgebrochene Kollektenkasten.

Ahausen - Von Matthias Röhrs. Mit großem Unverständnis kann man wohl am ehesten beschreiben, womit Pastorin Marita Meixner und die beiden Küsterinnen Edeltraut Holsten und Ilona Schäfer von der Ahauser St.-Marienkirche auf das Geschehene reagieren: Das Gotteshaus, das die Sommermonate über jeden Tag geöffnet ist, und seine Gemeinde wurde in den vergangenen Monaten drei Mal Opfer eines Kollektendiebes.

Drei Mal hat ein Unbekannter rigoros einen kleinen braunen Holzkasten aufgebrochen, indem die Besucher der Kirche sonst ihre Spenden einwerfen. Die Beute war immer mehr als überschaubar.

Die Zerstörung dürfte mehr wert gewesen sein, als der Inhalt des Kastens, sagt Meixner. Mit „massiver Gewalt“ sei der oder die Unbekannte vorgegangen – in allen drei Fällen. Mit einem Werkzeug hat er einfach das Schloss herausgebrochen, um an seine dürftige Beute zu kommen. „Centbeträge“, sagt Schäfer. Einmal hätte ein zwei Euro Stück in den Kollektenkasten gelegen. Überhaupt sei in dem Kollektenkasten außerhalb der Gottesdienste „ganz selten etwas drin“, sagt Holsten. Doch der symbolische Schaden dürfte größer sein.

Die Ahauser St.-Marienkirche ist eine offene Kirche. Zwischen Ostern und Erntedankfest sind ihre Türen täglich zwischen 10 und 18 Uhr aufgeschlossen. Die Kollekte, auf die es der Täter abgesehen hat, stammt aus diesen Öffnungszeiten. Denn die Kollekte aus dem Gottesdienst – für die Bedürftigen in der Gemeinde – wird nach der Feier immer gleich eingesammelt und sicher verwahrt. Zwei Mal konnte der Kollektenkasten bislang repariert werden. Das erste Mal hat der Sohn Edeltraut Holstens den Kasten wieder in Schuss gebracht, nach dem zweiten Aufbruch hat Schäfer alles wieder repariert. Nach dem dritten Aufbruch ist noch offen, ob das Holzbehältnis noch einmal benutzt werden kann.

Pastorin Marita Meixner zwischen den Küsterinnen Edeltraut Holsten (l.) und Ilona Schäfer. In der Hand halten sie den aufgebrochenen Kollektenkasten, das herausgebrochene Schloss und einige Splitter, für die der Täter verantwortlich ist.

Bei seinen Taten hatte der Dieb – die drei Frauen gehen davon aus, dass es immer der gleiche war – die Ruhe weg. Er setzte sich auf eine Kirchenbank, während er den kleinen Kasten aufbrach. Davon hätten Holzsplitter auf den Bänken gezeugt. Den zerstörten Kasten selbst hat der Täter dann wieder an seinen angestammten Platz direkt am Eingang zum Kirchenschiff gestellt. „Es wäre einfacher gewesen, den Kasten einfach mit nach Hause zu nehmen“, sagt Meixner verständnislos.

Sie, Holsten und Schäfer haben irgendwann Konsequenzen aus den Taten gezogen. So haben sie in den vergangenen Wochen während der Öffnungszeiten der Kirche keine Kollekte mehr eingesammelt. Auch das Gästebuch haben sie nicht mehr ausgelegt. Anzeige hat man indes aber nicht erstattet. Zu geringfügig der Schaden und das gestohlene Geld. Schäfer: „Was soll man da groß anzeigen?“ „Das bringt ja nichts“, sagt Holsten.

Nun will sich der Kirchenvorstand überlegen, was man noch gegen den Kollektendieb tun könnte. „Dafür haben wir jetzt bis Ostern Zeit“, sagt Pastorin Meixner. Es wäre ihrer Ansicht nach allerdings schade, wenn die Gemeinde die Kirche nicht mehr öffnen würde.

Der zweite Kollektenkasten der Kirche ist übrigens das ganze Jahr über unversehrt geblieben. „Man müsste ihn nicht mal aufbrechen, um an das Geld zu kommen. Schüttelnd wäre das auch gegangen “, sagt Meixner und demonstriert es kurzerhand. Eine einzelne Münze fällt heraus. Es sind fünf Cent.

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