Ahauser Bürgermeister hört nach neun Jahren auf

Kocks letzter Tag

Claus Kock will kürzertreten und hört als Bürgermeister in Ahausen auf. Seine Ratsmandate will der CDU-Mann aber behalten. 
Foto: Röhrs
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Claus Kock will kürzertreten und hört als Bürgermeister in Ahausen auf. Seine Ratsmandate will der CDU-Mann aber behalten. Foto: Röhrs

Ahausen – Fast neun Jahre hat Dr. Claus Kock an der Spitze der Gemeinde Ahausen gestanden. Am Dienstag war dann schon Schluss. Vergangene Woche hatte er überraschend seinen Rücktritt erklärt, „persönliche Gründe“ seien ausschlaggebend gewesen. Am Montag hat er noch seine letzte Bürgersprechstunde abgehalten, am Dienstag ging es dann schon daran, seinen Schreibtisch im Gemeindebüro aufzuräumen, um alles ordnungsgemäß an seinen zunächst kommissarischen Nachfolger und Parteifreund in der CDU, Ahausens bisheriger allgemeiner Verwaltungsvertreter Jörg Küsel, zu übergeben.

Jetzt ist alles ruhig, niemand außer der scheidende Bürgermeister selbst ist im Gemeindebüro zugegen. Kock bittet an den langen, hufeisenförmigen Tisch; jener Tisch, an dem sich sonst immer die Lokalpolitik zur Ratssitzung trifft. Kock nimmt seinen angestammten Platz am Kopfende ein, in Zukunft wird er sich einen anderen suchen müssen. „Ich weiß noch nicht wo“, sagt er schmunzelnd. An seinem alten Platz wird Küsel sitzen. Kock ist dann „nur“ noch Ratsmitglied, den Posten will er, genauso wie seinen Sitz im Sottrumer Samtgemeinderat, noch mindestens bis zum Ablauf der Wahlperiode im Herbst 2021 behalten. Und danach? „Muss man mal sehen“, sagte er achselzuckend. Er habe sich noch nicht entschieden, ob er noch mal kandidiert. Auch ohne seine aktuellen Umstände hätte er aber ohnehin nicht wieder Bürgermeister werden wollen. Auch, weil es dann doch viel Arbeit ist für ein Ehrenamt.

Einen festlichen Schlussakkord wird es für den 69-Jährigen nicht geben, die Covid-19-Pandemie unterbindet das. Ihm sei das ganz recht, im Stillen zu gehen, sagt er. Ganz freiwillig sei seine Entscheidung ja nicht gewesen, gerne habe er das Amt bis zum Ende ausgefüllt. Es klingt ein wenig merkwürdig, aber es war tatsächlich sein erstes politische Amt, obwohl er bereits seit 1972 in der Christdemokratischen Union Mitglied ist.

2009 hat er sich zum Ahauser Ortsvereinsvorsitzenden wählen lassen, fast pünktlich zum Wahlkampf ging es 2010 in den passiven Teil der Altersteilzeit. Als man ihm die Kandidatur angeboten habe, habe er richtig Lust darauf gehabt – immerhin schien er damals als ehemaliger hoher Beamter eine gute Besetzung zu sein. Bis dahin hat der studierte Mediziner als Referatsleiter – unter anderem für Gesundheit – beim Bundesarbeitsministerium in Bonn gewirkt – seit 2002 als Pendler zwischen Ahausen und der ehemaligen Hauptstadt.

In den Jahren hat Kock seine Gemeinde schätzen gelernt. Dieser habe nicht zu unrecht den Titel „Erholungsort“ getragen, man beachte nur die schöne Umgebung, sagt er, ganz der Bürgermeister. Das war nicht immer so. „Als Sieben- oder Achtjähriger habe ich diesen Ort gehasst.“ Damals hatte seine Familie in Ahausen ein Wochenendhaus gehabt – eine Zwischenstation auf dem Weg zur „echten“ Ahauser Familie. Seine Mutter und sein Onkel waren es, die nach dem Zweiten Weltkrieg aus Hamburg ins Dorf gekommen waren. Als der Vater aus der Kriegsgefangenschaft entlassen wurde, zog er mit seiner Frau zurück an die Elbe, wo Claus Kock später geboren wurde. Die Mutter hat es irgendwann wieder nach Ahausen verschlagen, und auch Kock und seine Ehefrau sind dort später heimisch geworden.

In seiner Zeit als Bürgermeister seit November 2011 hat sich unter Kocks Ägide einiges getan, um die zweitgrößte Sottrumer Gemeinde zukunftsfähig zu machen. Mittlerweile darf sie wieder über die sogenannte Eigenentwicklung hinaus Baugebiete erschließen, und wird es auch. Zudem hat Ahausen als erste und bislang einzige Kommune in der Samtgemeinde einen Hort, und auch der Kindergarten wurde neben der Grundschule neu gebaut. Im alten Kindergarten, direkt neben dem Gemeindebüro, residiert seit vergangenem Jahr eine Seniorentagespflege. Alles Projekte, über die im Rat Einigkeit herrschte, wie Kock betont. Was noch fehlt, ist ein vernünftiges mobiles Netz. Kock seufzt, als er darauf angesprochen wird.

Nein, ganz von der Politik abkehren will er nicht. Aber er will mir Zeit im Garten verbringen und mit seiner Frau. Seine anderen Mandate behält er, und auch im Samtgemeinde-Ausschuss würde er gerne – sofern Küsel damit einverstanden ist – bleiben. Kock macht keinen Hehl daraus, dass ihn die übergemeindliche Arbeit immer gut gefallen hat. Aber auch in Ahausen werde er nicht ganz verschwinden, und auch seinem designierten Nachfolger, wenn nötig, Hilfe leisten.

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