Seit 25 Jahren Hassendorfer Bürgermeister

Klaus Dreyer: „Ich bin als Kommunalpolitiker geboren“

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Seit 25 Jahren am Platz: Klaus Dreyer an seinem Schreibtisch im Hassendorfer Gemeindebüro.

Hassendorf - Von Matthias Röhrs. „Willkommen in Hassendorf.“ Sein Heimatdorf betont Klaus Dreyer immer extra, wenn er Gäste begrüßt. So auch bei diesem Interviewtermin im Verwaltungsbüro seiner Gemeinde.

Seit genau einem Vierteljahrhundert steht der Sozialdemokrat dieser am Sonntag als Bürgermeister vor - mittlerweile als einer der dienstältesten im Landkreis. Als Dienstältester in der Samtgemeinde Sottrum sowieso. Er bezeichnet sich selbst als geborenen Kommunalpolitiker. Und darüber wollen wir reden: Über seine Anfänge in der Politik, Leistungen, den Zustand der SPD und warum Lockrufe aus Bonn, Berlin oder Hannover unerhört blieben.

Herr Dreyer, 25 Jahre sind Sie nun im Amt. Das ist historisch für Hassendorf, kein anderer hat solange durchgehalten. Wussten Sie das?

Das ist mir bewusst, ja.

Unwesentlich kürzer war bis jetzt die Amtszeit Ihres Vorgängers Hans-Joachim Hartmann. Der war 22 Jahre lang dabei, davor Friedrich Sackmann mit 16 Jahre: Sind die Hassendorfer Bürgermeister so gut? Oder will es sonst niemand machen?

Hans-Joachim Hartmann und ich hatten beide die Befähigung, er war ja Verwaltungsrechtler. Er ist dann zum hauptamtlichen Gemeindedirektor in Oyten gewählt worden. Er konnte nicht beides machen, und dann musste ich plötzlich dieses Amt annehmen. Kurz und knapp: Es ist bei all der Bürokratie, die man heute zu bewältigen hat, schwer, den Überblick zu behalten. Und Hassendorf hatte das Glück, dass wir das vom Grundwissen her schon konnten.

Hatten Sie zwischenzeitlich eine Konkurrenz auf diesen Posten?

Ich hatte meinen lieben Nachbarn Hermann Rugen, der wollte durchaus mal Bürgermeister werden. Inzwischen ist das vorbei, wir verstehen uns prächtig, er ist Wegemeister und hat als Fraktionsvorsitzender hier immer die CDU vertreten. Wir haben keine Probleme miteinander, das hat sich erledigt.

Mal auf 25 Jahre zurückgeblickt: Sind Sie mit sich zufrieden?

Ich bin mit dem, was hier in Hassendorf gelaufen ist, sehr zufrieden - mit mir selbst auch. Wenn ich mir meinen Ort angucke, haben wir hier erheblich viele Dinge bewältigt: Angefangen mit dem Dorfgemeinschaftshaus, das wir 1975 gebaut haben ...

Das war aber noch vor Ihrer Amtszeit.

Aber ich war im Gemeinderat und habe entscheidend mitgewirkt. Dann gibt es noch vielen andere Dinge wie Bauten für die Sportvereine und die Feuerwehr. Wir haben viel Straßenbau gemacht, waren in der Dorferneuerung; ich bin wirklich sehr zufrieden mit dem Ergebnis.

Was hätten Sie besser anders gemacht?

Das ist schwierig zu beurteilen.

Aber besser geht es ja immer.

Ja, aber ich hätte es wieder so gemacht. Ich hätte auch Büroleiter eines Abgeordneten in Bonn werden können, hab mich aber dagegen entschieden. Lieber setze ich mich vor Ort ein. Und ich habe einen „vernünftigen“ Beruf erlernt, wo man sich auch vielfältige Dinge fürs Leben erarbeiten kann. Aus meiner Sicht habe ich nichts falsch gemacht. Wenn man mehr Geld gehabt hätte, hätte man auch mehr machen können - goldene Straßenlaternen zum Beispiel (schmunzelt).

Ist das ein Ziel?

Nein. Aber wenn die Laternen heller, besser und die Straßen dadurch sicherer werden, dann ist das ein besserer Weg.

Wie definieren Sie Ihr Amt? Sind Sie Politiker, Verwaltungsmensch oder Nachbar?

Ich bin als Kommunalpolitiker geboren, wenn man so will. Aber ich habe mich damals auch in die Verwaltung reinarbeiten müssen. Ich mach beides gerne, sehe mich aber lieber in der Bevölkerung, bei den Vereinen, um einfach die Gemeinschaft zu erleben. Das ist schöner, als hier im Büro zu sitzen.

Engagieren sich die Hassendorfer genug für Ihre Gemeinde?

Da bin ich froh und glücklich. Wir haben einen großen Sport- und einen großen Schützenverein, wir haben eine eifrige Dorfjugend, wir haben einen Chor und eine aktive Feuerwehr. Das sind alles schöne Dinge, ohne die ein Dorf nicht leben könnte.

Wie hat sich Hassendorf seit Ihrem Amtsantritt verändert?

Die ganze Dorfansicht ist aus meiner Sicht schöner geworden. In der Dorferneuerung haben wir 700.000 Euro investieren können, die auch wirklich geholfen haben. Nicht nur bei Straßen, sondern auch etwa beim Gemeindearchiv. Darauf können wir stolz sein.

Worauf steuert die Gemeinde jetzt zu?

Wir werden nicht das Ziel haben, immer größer zu werden. Wir sind jetzt knapp 1 200 Einwohner. Das ist eine gute Größe. Die Vereine sind intakt. Wir haben eine gute Chance, uns vernünftig zu entwickeln.

Für die SPD gewinnen Sie vor Ort immer wieder Wahlen, bundesweit schlägt sie sich ja nicht so gut. Blutet da Ihr sozialdemokratisches Herz?

Das kann man so sagen. Ich bin immer noch der Meinung, dass die SPD gute Arbeit macht. Aber ich sage auch ganz ehrlich: Eigentlich wird die SPD nicht mehr gebraucht. Sie hat viel erreicht, aber die Dankbarkeit der Bevölkerung ist sehr zurückhaltend, wenn man das so formulieren darf. Beispielsweise beim beitragsfreien Kindergarten sagt niemand: „Habt ihr gut gemacht, SPD und CDU.“

Kann die Bundes-SPD von den Ortsgruppen, oder konkret von den Hassendorfer Genossen noch etwas lernen?

Man muss noch näher am Volk bleiben, und die ehrenamtliche Arbeit wird meiner Meinung nach nicht so sehr unterstützt, wie es geboten ist - Stichwort Datenschutz und andere Dinge, die die Arbeit erschweren. Das kann nicht nur in Sonntagsreden schöngeredet werden, man muss hier wieder ansetzen, zur Bevölkerung gehen und versuchen, die immer weniger werdenden Ehrenamtlichen zu unterstützen in allen Formen.

Sie sind außerdem der Vertreter des Samtgemeindebürgermeisters, streben mit Ihren 71 Jahren also immer noch nach Verantwortung. Wann setzt sich Klaus Dreyer zur Ruhe? Dürfen wir einen „ewigen Klaus Dreyer“ erwarten?

Ja, das ist mein großes Problem: Der Ruhestand und die Ruhe selbst - obwohl ich sie auch mehr und mehr genieße. Aber ich kann mir nicht vorstellen, nur in der Ecke zu sitzen und die Däumchen zu drehen. Ich habe immer noch - ich sage mal - die Berufung, für die Bevölkerung und insbesondere für das Vereinsleben, das mir sehr am Herzen liegt, etwas Gutes zu tun. Solange ich dieses Gefühl, diesen Auftrieb noch habe, möchte ich mich für das Dorf einsetzen.

Das Ende der „Ära Dreyer“ ist für Sie noch nicht in Sicht?

Die nächste Wahl findet 2021 im Herbst statt, und ich werde rechtzeitig entscheiden, ob ich dann zur Verfügung stehe, oder sage: „Das war’s.“

Wann wäre ein guter Zeitpunkt für Sie, als Politiker gehen?

Das überlasse ich Ihrer Zeitung.

Dann warten wir mal ab. Haben Sie eigentlich nie nach Höherem gestrebt? Eventuell in den Land- oder der Bundestag?

Im zweiten Leben werde ich selbstverständlich darüber nachdenken. Aber ich war im Landkreis immer sehr fröhlich und habe parteiübergreifend viele Freunde gefunden, war im Sportbereich aktiv. Ich hatte nie das Gefühl, einen draufsetzen zu müssen. Zumal ich einen Beruf hatte, und es war mich wichtig, also auch die Familie in finanziell sicheren Verhältnissen zu haben und im Job zufrieden zu sein. Berufspolitiker zu sein wäre ja auch eine Umschulung gewesen. Das ist dann ja ein Vollzeitjob, auch am Wochenende. Dies hier hat mir dann besser gefallen.

Zur Person

Es gibt nur wenige lokalpolitische Ämter, die Klaus Dreyer nicht innehatte. Nicht nur, dass er seit 1994 der Bürgermeister in Hassendorf wirkt. Seinen Stempel drückt er der Gemeinde schon länger auf. Bereits seit 1972 ist er Ratsmitglied. Zwei Jahre später zog er außerdem in den Sottrumer Samtgemeinderat ein, wo er zeitweise Fraktionsvorsitzender der SPD war. Zurzeit ist der 71-jährige Stellvertreter des Samtgemeindebürgermeisters Peter Freytag. Ebenfalls Teil seiner Vita: 35 Jahre im Rotenburger Kreistag und ein langes Engagement im Kreissportbund.

1948 wurde er Nindorf bei Visselhövede als zweiter Sohn eines Landwirts geboren, 1960 zog die Familie nach Hassendorf. Seit bald 20 Jahren ist er in zweiter Ehe mit seiner Barbara verheiratet, aus seiner ersten hat er eine Tochter. Als Hobbys gibt er Fahrradfahren und Kartenspielen an. Seit November 1967 ist er Mitglied der SPD, in diese Zeit fällt auch sein Ausbildungsbeginn in einem Bremer Anwaltsbüro, in einer anderen Kanzlei arbeitete er 43 Jahre lang als Bürovorsteher. „Eine Erfahrung, die ich im kommunalpolitischen Bereich gut brauchen konnte“, sagt er. 2007 bekam Dreyer das Bundesverdienstkreuz vom damaligen Bundespräsidenten Horst Köhler verliehen. 2012 ging er in den Ruhestand.

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