Klassischer Liederabend mit Emiko Okuyama und Stephan Seebass in Hellwege

Japanische Perle des Gesangs

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Emiko Okuyama mit ihrem Pianisten Stephan Seebass.

Hellwege - Von Heidi Stahl. Wie eine japanische Kirschblüte im weißen Glitzerkleid lehnt die die Sopranistin Emiko Okuyama am tiefschwarzen Flügel des Pianisten Stephan Seebass und erfüllt mir ihrer glockenhellen, raumgreifenden Stimme den frühlingshaft geschmückten Saal in Hellwege. Schon ihr erstes Lied, Schuberts quirlige „Forelle“, versetzt das Publikum, das an diesem Freitagabend zwar überschaubar, aber kunsthungrig war, in großes Erstaunen.

Okuyamas Sopran besitzt eine Bandbreite an Modulation, Klarheit und Fülle, die große Opernhäuser und Konzertsäle mühelos durchdringen kann. Das von Stephan Seebach zusammengestellte Programm des Abends gibt ihr die Möglichkeit, alle Facetten ihrer gesanglichen Vielfalt vor den begeisterten Zuhörern auszubreiten. Ob mit innig zarter Liebesstimme wie in Robert Schumanns „Widmung“, die er für seine Frau Clara geschrieben hatte, oder kraftvoll und erhebend wie in dem tröstenden und Hilfe versprechenden „Höre, Israel“ aus Mendelssohns Elias – sie versteht es, mit sparsamen Gesten dem Inhalt der Lieder und Arien ihre ganz eigene Interpretation zu geben. Lyrisch-elegisch als „spannte ihre Seele die Flügel aus und flöge nach Haus“ interpretiert sie Schumanns „Mondnacht“ und schadenfroh-schelmisch plant sie in Otto Nicolais lustigen Weibern von Windsor „die Männer und ihre Launen zu bestrafen“.

Stephan Seebass, Pianist und ehemaliger Professor für Klavier an der Hochschule für Künste Bremen, hat eine ganz besondere Beziehung zu Japan, wo er schon vor 30 Jahren eine Gastprofessur in Yokohama hatte, und engagiert sich durch seine Freundschaft mit Edwin Bohlmann, dem musikalischen Leiter des Heimat- und Kulturhauses, seit vier Jahren in Hellwege bei den Hausmusiktagen und als Begleiter hervorragender Solisten bei dortigen Konzerten.

Emiko Okuyama, die in Tokio studierte und lehrte, kam 2004 zum ersten Mal mit einem Stipendium nach Deutschland und lebt heute in Berlin mit ihren zwei geliebten Katzen. Sie hat verschiedene Engagements in Opern und Konzerten und plant, für immer in Deutschland zu bleiben. Sie spricht ausgezeichnet Deutsch und versteht es auch, die in den verschiedenen Sprachen gehaltenen Lieder und Arien fast akzentfrei zu interpretieren, wozu ihr das Programm des Abends ausreichend Gelegenheit bietet. Ob französisch in der dramatischen Arie aus Bizets Carmen „Je dis que rien ne m'épouvante“ (Ich sag, dass mich nichts berührt), italienisch in Mozarts Figaro „Dove sono i bei momenti“ (Wo sind sie hin die schönen Momente), das lateinische „Laudate Dominum“ (Lobet den Herrn) aus der Mozartmesse KV 339 oder auch das deutsche „Meine Ruh ist hin, mein Herz ist schwer“ von Schuberts Gretchen am Spinnrad, ihr gelingt es immer, die ursprüngliche Intonierung zu treffen.

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