Der Klassiker als Geschäftsmodell

Alles ab- und dann wieder anbauen: Das Herrichten alter VW Käfer ist ein Kerngeschäft von Harald (l.) und Ralf Behling und ihrer Werkstatt in Sottrum. Fotos: Röhrs

Einen besonderen Blick für Oldtimer haben die Gebrüder Behling, die sich mit ihrer Werkstatt ins Sottrum unter anderem auf alte VW Käfer spezialisiert haben. Wer will, bekommt hier sein Liebhaberstück nach eigenen Wünschen aufgearbeitet, wobei man sich immer am Originalzustand orientiert. Im Herbst feiert der kleine Betrieb an der Alten Dorfstraße Jubiläum.

VON MATTHIAS RÖHRS

Sottrum – An diesem Tag scheint ein Oldtimer-Tag zu sein. Das bemerkt auch Ralf Behling, als er durch die Werkstatt geht, die er gemeinsam mit seinem Bruder Harald an der Alten Dorfstraße in Sottrum betreibt. Sonst werde auch in dieser Werkstatt mehr an Alltagsautos geschraubt. Doch an diesem Tag werkelt jemand an einem VW T1 – der Bulli, wie er allgemein genannt wird –, und nebenan steht ein alter Porsche auf der Hebebühne. Ein Tor weiter ist ein weißer VW Käfer ebenfalls auf einer Hebebühne, aber fast komplett auseinandergenommen. Er wird gerade komplett wieder hergerichtet und fahrbereit gemacht – eines der Kerngeschäfte der Gebrüder Behling als Fachbetrieb für historische Fahrzeuge.

Wer sich in den Geschäftsräumen umschaut, stellt schnell fest, dass man hier auf den Käfer steht. Schon im kleinen Verkaufsraum stehen ein knallorangenes und ein grünes Modell bereit. In der Empfangshalle hat man ein Heck zu einer Sitzbank umgebaut, daneben steht ein weiterer Käfer, allerdings auf seine Karosserie reduziert. Der Tresen war einmal die Front eines Bullis.

Wer sich den Traum von einem eigenen Käfer erfüllen will, wird ebenfalls an der Alten Dorfstraße fündig. Es gibt mehrere Käfer, die nach den Wünschen des Kunden hergerichtet werden. Oft sind es nostalgische Gründe, weshalb Kunden auf dieses Angebot zurückgreifen. Zum Beispiel lassen viele ihr erstes Auto nachbauen oder verbinden andere Erinnerungen mit speziellen Käfern. Manche lassen sie sogar über Jahrzehnte in der Garage stehen, um sie im Alter wieder zu nutzen. Die Behlings beraten dann auch in Sachen Authentizität, denn das die ist dem Betrieb selbst wichtig. Wer seinen Käfer aufmotzen will, ist bei ihnen falsch. Die Kunden legen teilweise selbst große Strecken zurück. Aus dem näheren Bereich sind es eher die Alltagsautos, die dort repariert werden. Historische Autos kommen aus einem Einzugsbereich von 50 Kilometern, teilweise aber auch noch darüber hinaus – Schleswig-Holstein, Nordhessen, Nordrhein-Westfalen.

Die Käfer und andere Oldtimer machen die Werkstatt zwar zu etwas Besonderem, dennoch ist der Betrieb keineswegs auf sie fokussiert. Auch Autos für die „Alltagsmobilität“ werden repariert. Auf 50:50 schätzt Geschäftsführer Ralf Behling den jeweiligen Anteil. „Die historischen Autos waren damals der Auslöser, uns selbstständig zu machen, aber wir wollten uns nie darauf beschränken.“ Dieses „Damals“ ist mittlerweile fast 25 Jahre her. Im Herbst dieses Jahres ist Jubiläum.

Warum die Spezialisierung auf Käfer? „Weil mich das interessiert“, so Behlings knappe Antwort. Man sei ja praktisch damit aufgewachsen. „Der Käfer war damals Alltag und wurde zum Hobby.“ Er selbst besitzt zwei Modelle. Einen der letzten gebauten Käfer Cabrios aus dem Jahr 1973 und ein 1959er-Standardmodell mit unsynchronisiertem Getriebe.

Seit 1994 besteht der kleine Betrieb, in dem neben den beiden Behling-Brüdern noch zehn weitere Mitarbeiter beschäftigt sind. Begonnen hat alles aber nicht in Sottrum, sondern in Ahausen. Die Behlings hatten damals schon eine Weile darüber nachgedacht, sich selbstständig zu machen. Im August 1994 stießen sie dann zufällig auf eine leerstehende Werkstatt in Ahausen. Gleich haben sie nachgefragt, ob diese zu mieten sei. War sie, und im Oktober desselben Jahres folgte die Eröffnung. Im September 2001 war der Umzug nach Sottrum.

Dort ist Platz, denn neben erfahrenem Personal braucht man vor allem viel Fläche, um die ganzen alten Bauteile zu lagern. Zwar bietet Volkswagen mit „Classic Parts“ einen entsprechenden Service, bei dem auch die Gebrüder Behling offiziell Partner sind, aber alles lässt sich nicht mal eben bestellen. Daher wird beim Auseinanderbauen der alten Autos alles eingelagert. Man kann nie wissen, wann man es braucht.

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