Kinder der Sottrumer Grundschule lernen Projekt zur Gewaltprävention kennen

„Du kommst hier nicht durch“

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Das Pendel in der Mitte des Kreises muss sich auf die anderen verlassen, und hin- und herschwingen.

Sottrum - Von Jessica Tisemann. Ein dunkler Tunnel, darin ein Mann mit Sonnenbrille auf den Augen, nirgendwo brennt ein Licht. „Du kommst hier nicht durch“, ertönt es. Doch das Kind lässt sich nicht beirren. Es ruft laut „Stop“, dreht sich um und sucht Hilfe. Das wäre ein idealer Verlauf, den sich Polizeihauptkommissar Christoph Steinke und Schulsozialarbeiterin Maike Grotheer wünschen würden.

Damit die Kinder lernen, mit solchen Situationen umzugehen nehmen sich die beiden einen Vormittag Zeit, um der Klasse 3a der Grundschule am Eichkamp im Projekt „Wir sind klasse“ zu zeigen, wie sie am besten reagieren sollten. „Wir wollen damit auch die Strukturen in der Klasse festigen“, erklärt Steinke. Daher bieten sich diese Übungen vor allem in der dritten Klasse an. „Dann hat die Grundschule noch etwas davon und es ist nicht zu früh für die Kinder“, so der Polizeihauptkommissar.

Bei dieser Übung allein bleibt es aber nicht. Beim Pendel und der Zugbrücke geht es vor allem darum, den anderen zu vertrauen. Das Pendel bewegt sich in einem Kreis von Mitschülern von einer Seite zur anderen, die anderen fangen es sanft auf und schieben es wieder in die Mitte des Kreises. Bei der Zugbrücke müssen die Mädchen und Jungen immer einen aus der Runde mit Seilen wie eine Zugbrücke langsam ablassen und wieder nach oben ziehen. „Das läuft alles auf freiwilliger Basis. Niemand wird gezwungen, eine Übung mitzumachen“, macht Steinke deutlich.

Auch der Polizist und die Schulsozialarbeiterin selbst nehmen sich aus den Übungen nicht heraus. „Wir haben beide das Programm selbst einmal durchlaufen“, berichtet Grotheer. Das sei besonders wichtig. „Dadurch fällt es leichter, sich selbst auch fallen zu lassen“, so die Schulsozialarbeiterin. Besonders in Erinnerung ist ihr der Punkt „Menschen ertragen“ geblieben. Dabei liegt eine Person auf dem Boden, alle anderen stehen um sie herum, blicken auf sie hinab und helfen nicht. „Das war kein schönes Gefühl.“

Wichtig ist bei dem Programm auch, dass die Kinder wissen, wie sie sich zur Wehr setzen können und das sie bei einer Notlage ruhig an einer Haustür klingeln können. „Und wenn ihr abends von einem Freund nach Hause geht, überlegt euch gut, ob der Weg gut beleuchtet ist und ihr nicht lieber einen anderen Weg, der vielleicht länger dafür aber beleuchtet ist, nehmt“, so der Polizist. Dabei sind auch die drei L‘s wichtig: Licht, Leute Lärm. Das sind die drei Dinge, die sich die Schüler für ihren Nachhauseweg im Dunkeln merken müssen, erklärt Steinke.

Durch das Projekt „Wir sind klasse“ kommen die Grundschüler in der Regel auch das erste Mal richtig mit der Polizei in Kontakt, die sich einen ganzen Vormittag außerhalb des Klassenraums für die Kinder Zeit nimmt. „So bauen die Schüler vielleicht auch mehr Vertrauen zur Polizei auf, weil sie die Beamten mal von einer ganz anderen Seite erleben“, glaubt der Hauptkommissar. Und sie erfahren, dass sie in einer Problemlage die Polizei rufen können, und diese auch kommt.

Das Programm „Wir sind klasse“ gilt als Vorbereitung für das Projekt „Wir sind stark“, das die Schüler in der sechsten Klasse durchlaufen. Beides sind Programme zur Gewaltprävention, die auch im Unterricht weitergeführt werden sollen. In den Sottrumer Grundschulen ist Steinke mit diesem Programm zum ersten Mal. Mit dabei ist neben den drei dritten Klassen am Eichkamp auch die dritte Klasse der Morgensterngrundschule.

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