Kaum Tempo an der Autobahn

Flächenverkauf im „A1 gewerbepark sottrum“ schleppend

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Im „A1 gewerbepark sottrum“ baut zurzeit nur ein Unternehmen. Die Gemeinde sucht ihre Kunden im Mittelstand.

Sottrum - Von Matthias Röhrs. Es herrscht eine ganz eigene Atmosphäre im „A1 gewerbepark sottrum“. Es ist der Kontrast von Mensch und Natur: Ein Kaninchen kreuzt die Überführung der Autobahn 1, dessen Geräusche über die große weitgehend freie Fläche hallen.

Durch die Pflasterung der Gehwege dringen Grasbüschel. Die Vermarktung der Flächen kommt nur langsam in Fahrt. Seit seiner fünf Millionen Euro teuren Erschließung vor zweieinhalb Jahren liegt der von der Gemeinde Sottrum betriebene Gewerbepark an der Autobahn-Anschlussstelle Stuckenborstel mehr oder weniger brach. 

Nur ein einziges Unternehmen – ein Händler für Autoteile – baut dort zurzeit einen neuen Firmenstandort. Der einzige Nachbar: ein großes Schild, das die Autofahrer darauf hinweist, dass es hier Gewerbeflächen zu kaufen gibt. „1A an der A1“, steht über einem überdimensionalen hochgestreckten Daumen.

Ein Slogan, der sich noch nicht rumgesprochen zu haben scheint. „Der Verkauf ist in den vergangenen drei Jahren nicht vorangegangen“, sagt Gemeindedirektor Holger Bahrenburg im Sottrumer Rathaus. Gründe will oder kann er nicht nennen. Nur so viel: „Man muss sich intensiv darum kümmern, dass das Angebot bekannt wird.“

Das heißt: Initiative ergreifen und Firmen direkt ansprechen. Das tut die Gemeinde laut Bahrenburg mittlerweile, zuletzt seien die Gespräche intensiviert worden – mit ersten Erfolgen. Aber man setze sich keinem Druck aus, Anfragen gebe es genug, sagt der Gemeindedirektor. Die Kommune habe sogar schon Absagen ausgesprochen.

Im südöstlichen Bereich des Gewerbeparks sind den Angaben Bahrenburgs zufolge 45.000 Quadratmeter verkauft, allerdings genau so viele noch frei. Im Nordwesten, Richtung Reeßum hin, sind 10.000 Quadratmeter vergeben und 64.000 erhältlich. Hinzu kommen circa 95.000 Quadratmeter, auf die das Unternehmen Inspirion nördlich der Autobahnüberführung ziehen will. Obwohl noch nicht alle Flächen vergeben sind, steht bereits eine Erweiterung auf Reeßumer Gemeindegebiet im Raum.

Elsdorfer „LogIn Park“ ist ausverkauft

Schon lange ist die A1 für die anliegenden Kommunen zu einem Wirtschaftsfaktor geworden. Viele Gemeinden werben mit den Argumenten „gute Verkehrsanbindung“ sowie „Nähe zu den Großstädten Bremen und Hamburg“ um Unternehmen. Sottrum hat bereits zwei Gewerbegebiete in Autobahnnähe. 

Die Stadt Achim will am Bremer Kreuz 100 Millionen Euro in den Gewerbepark „Achim-West“ investieren. 100 Hektar – 1.000.000 Quadratmeter – sollen dort neu an Gewerbeflächen entstehen. Von der Größe her ist dieses Projekt natürlich nicht mit dem Sottrumer Gewerbepark vergleichbar, seine Realisierung liegt außerdem aufgrund des zu bewältigenden Verkehrsaufkommens noch in weiter Ferne.

Von der Anschlussstelle Stuckenborstel aus etwa 18 Kilometer Richtung Hamburg ist man dagegen schon viel weiter: Dort hat die Gemeinde Elsdorf die Gunst der Stunde genutzt und mit dem dreispurigen Ausbau der A1 bis Ende 2012 und der dadurch entstandenen Anschlussstelle Elsdorf ebenfalls ein neues Gewerbegebiet auf den Weg gebracht – den „LogIn Park“.

Mit dem Spruch „Pole Position an der A1“ greifen die Vermarkter auch dort die Lage an der Autobahn für ihre Werbung auf. Seit Dezember 2016 ist dieses Gebiet erschlossen, die etwa 200.000 Quadratmeter sind laut Christoph Reuther, Wirtschaftsförderer der Samtgemeinde Zeven, mittlerweile alle verkauft. Zwei Unternehmen wollen dort jeweils einen Logistikstandort aufziehen, zudem ist eine „Lkw-freundliche“ Tankstelle mit 30 Stellplätzen geplant. Das würde ganz der „Zielsetzung“ entsprechen, sagt Reuther zufrieden.

Konkurrenz zu groß?

Ist die Konkurrenz für Sottrum einfach zu groß? Viel Zeit ist seit der Erschließung des Gewerbeparks mittlerweile vergangen – ohne oder mit wenigen sichtbaren Entwicklungen. Bahrenburg will davon nichts wissen. „Mit Logistik-Unternehmen wäre der Park längst ausverkauft“, sagt er. Doch die wolle man in der Wiestegemeinde gar nicht. 

Die von Reuther angesprochene „Zielsetzung“ liegt in Sottrum bei mittelständischen Firmen. „Nachhaltigkeit“, wie es der Gemeindedirektor nennt, erzeugt durch Arbeitsplätze, die nach Vorstellung der Verantwortlichen zu Wohnbebauung in der Gemeinde führen sollen. Ein Logistiker würde viel Fläche verschlingen, aber nur wenige Jobs in der Gemeinde schaffen. Daher gucke man im Sottrumer Rathaus schon genau, welche Firmen sich ansiedeln wollen.

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