Vom Maschinenbauer zum Künstler

Karl Schmeichel aus Sottrum bereitet Ausstellung vor

Karl Schmeichel ab seinem Arbeitstisch
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Mit Tusche oder Bleistift setzt Karl Schmeichel auf Zeichenkarton seine Ideen um.

Seit vielen Jahren ist Karl Schmeichel aus Sottrum künstlerisch aktiv. Jetzt bereitet er seine erste eigene Ausstellung vor.

Sottrum – „Denn nichts vergeht, ohne dass Neues entsteht“. Das ist der Leitspruch des knapp 100 Seiten starken Kataloges, mit dem der Sottrumer Karl Schmeichel einen Einblick in seine Arbeiten gewährt. Dieser hochwertige Druck erwies sich für den Künstler als Eintrittskarte für eine erste eigene Ausstellung, die von Mitte November bis Mitte Januar im Landwirtschaftsmuseum in Meldorf (Schleswig-Holstein) zu bewundern sein wird.

„Ich soll das Highlight des Jahres sein“, berichtet der 69-Jährige nicht ohne Stolz. Koordiniert werden muss aber noch der Ausstellungsbeginn, denn am 13. und 14. November ist Schmeichel noch an einer Ausstellung des Bildhauers Mirsad Herenda als Gastkünstler beteiligt. Auch von weiteren Museen, bei denen sich der 69-Jährige mit seinem Katalog beworben hatte, kamen viele positive Rückmeldungen. „Die Resonanz lag bei rund 50 Prozent“, freut sich Schmeichel.

Von der Pike auf gelernt

Aufgewachsen ist der Wahl-Sottrumer in Sülze in der Nähe von Bergen. „Das war eine Hippie-Hochburg, dort war immer etwas los“, erinnert er sich gerne an seine Jugendzeit in dem Heideort zurück. Schon als Kind hatte er ein Faible für Kunst entwickelt, denn wie auch sein Bruder bastelte, malte und zeichnete er gerne. Als junger Erwachsener setzte sich dies fort, indem er alte Möbel restaurierte und eigene Elemente einbrachte. Auch bei der Ausbildung im Maschinenbau konnte Schmeichel seiner Kreativität immer mal wieder freien Lauf lassen: „Wir haben dort Kerzenleuchter geschmiedet und gedreht.“ Nach einigen Jahren Selbstständigkeit mit einer Tischlerei, die sich mit ökologischen und innovativen Küchen in Bremen einen Namen machen konnte, folgte von 1992 bis 1994 ein Studium an der Werkakademie für Gestaltung in Kassel. „So habe ich ‚gestalten‘ von der Pike auf gelernt und dort die Liebe zum Zeichnen entdeckt“, sagt der Künstler.

Beruflich führte ihn der Weg in den Messebau, denn in der Branche konnte er das erworbene Wissen gut in der Werkstatt umsetzen. Während ein Arbeitsunfall die Tätigkeit beendete, wuchs das künstlerische Engagement. Und das mit Erfolg: Neben diversen Ausstellungsbeteiligungen stehen bisher vier Nominierungen für Kunstpreise in der Vita von Schmeichel, der sich 2005 an der Sottrumer Lindenstraße mit dem Kauf eines renovierungsbedürftigen Hauses einen Wunsch erfüllte. „Besonders interessant war auch die angegliederte Werkstatt“, berichtet Schmeichel über einen Aspekt, warum die Entscheidung auf das Haus des verstorbenen Malermeisters Jonny Heitmann gefallen war. Nicht nur die ehemalige Werkstatt wurde zu einer Galerie umgebaut, in dem zwischen 2017 und 2019 sogar einige Kunstausstellungen präsentiert wurden, sondern auch im Wohnhaus ist alles auf Kunst ausgerichtet.

Die Zeichnung fängt beim Sehen und Fotografien von allen Seiten an.

Karl Schmeichel

Dort realisierte Karl Schmeichel viele Projekte und arrangierte sie stimmig. Auch andere Künstler – besonders Mirsad Herenda – tragen zum Gesamtwerk bei. Inzwischen dient der Raum, in dem die Galerie untergebracht war, dem Hausherren als Atelier. Dabei nutzt er für seine Werke gerne Bleistift und Tusche. „Die Idee ist im Kopf. Die Zeichnung fängt beim Sehen und Fotografieren von allen Seiten an“, verrät er über seine Herangehensweise.

„Schon früh wird festgelegt, wo der schwärzeste und wo der hellste Punkt einer Zeichnung ist.“ Nicht selten werden Details von Geräten oder andere technische Strukturen auf dem Zeichenkarton abgebildet. „Zurück zu den Wurzeln“, sagt Karl Schmeichel mit Blick auf seine Ausbildung zum Maschinenschlosser.

Kunstobjekte im Garten

Ebenfalls im Garten gibt es viele außergewöhnliche Kunstobjekte zu bewundern. Dazu gehören auch die „exogenen Objekte“ – die Bearbeitung von Rostobjekten. „Metall interessiert mich in allen Facetten“, betont der 69-jährige Künstler. Seit einigen Wochen haben im hinteren Teil des großzügigen Areals sechs Schaufensterfiguren einen Platz gefunden. „Die dunkle Figur steht als Anführerin der Gruppe vorne. Obwohl sie etwas kleiner ist, zeigt sie eine ganz andere Haltung“, erklärt Schmeichel. Das Thema interessiert ihn nicht nur im Hinblick auf die Black-lives-matter-Bewegung: „In der Geschichte steht der weiße Mann immer vorn. Ich habe dies bewusst umgedreht.“

Trotz der vielseitigen künstlerischen Begabung, stand für Karl Schmeichel nie das Geld im Vordergrund: „Ich habe das Glück, dass ich auch heute nicht davon leben muss.“

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