Zu Besuch bei Thorsten und Friederike Schloh in Hellwege

Kälte ärgert Spargelbauern

Er ist „spargelverrückt“: Thorsten Schloh zeigt, wie das mit dem Spargelstechen funktioniert.
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Er ist „spargelverrückt“: Thorsten Schloh zeigt, wie das mit dem Spargelstechen funktioniert.

Hellwege – Für den Besuch des Reporters gönnen sich Friederike und Thorsten Schloh eine kleine Auszeit auf der Terrasse. Dabei haben sie in diesen Tagen jede Menge zu tun. Und das, obwohl die Kälte die Spargelbauern in diesen Tagen mächtig ärgert. „Wir liegen zwei bis drei Wochen zurück“, sagt die Frau des Hauses. Zwar ist das königliche Gemüse bereits zu haben, doch eigentlich sollte die Ernte schon jetzt wesentlich üppiger ausfallen.

Seit 1962 baut die Familie Schloh in Hellwege Spargel an, seit fünf Jahren ausschließlich. „Ursprünglich hatten wir auch Getreide und Schweine“, blickt Thorsten Schloh zurück. Vor 20 Jahren konzentrierte er sich allein auf Spargel und Kartoffeln – seit fünf Jahren dreht sich ihr Leben nur noch um das edle Gemüse. „Ich bin irgendwie spargelverrückt“, sagt Thorsten Schloh – und lächelt.

Die Zahlen sind beeindruckend: Rund 150 Tonnen Spargel kommen pro Jahr auf den insgesamt knapp 40 Hektar großen Anbauflächen zusammen. Während sich Thorsten Schloh um den Anbau und die Produktion sowie um die zurzeit allerdings schwierige Belieferung der Gastronomie kümmert, ist seine Frau Friederike für den Hofladen in Hellwege, für die zurzeit zwölf Verkaufsstände sowie für das Marketing zuständig. Den wesentlichen Teil der Ernte setzen die beiden über die Direktvermarktung ab, aber sie beliefern auch einen Versandhändler. Die Ernte hat in diesem Jahr am 9. April begonnen – bis zum 24. Juni muss alles weg. Dann endet die Saison.

Friederike Schloh

Das Wetter in diesen Tagen macht die Spargelbauern also nicht wirklich glücklich. Zwar sind die äußeren Bedingungen für die Arbeit auf den Feldern sehr gut, aber sie sehnen sich nach höheren Temperaturen. Thorsten Schloh: „Bei Bikini-Wetter schaffen die Stangen ein Wachstum von fünf bis acht Zentimetern am Tag.“ Idealbedingungen wären das. Doch davon sind sie zurzeit weit entfernt.

Diese Frau verpackt den Spargel.

Ein wenig spielt ihnen diese Situation dennoch in die Karten. Denn nach wie vor sind sie auf Arbeitskräfte aus dem Ausland angewiesen. „Wir beschäftigen ausschließlich Polen“, sagt Thorsten Schloh. Zwei Drittel der Mannschaft sind zum Teil schon seit vielen Jahren immer wieder mit von der Partie. In diesem Jahr werden es voraussichtlich 30 Arbeiter sein, in früheren Jahren waren es auch schon mal bis zu 60. Doch mit Corona ist alles anders, alles schwieriger: Für die Einreise brauchen sie einen negativen Test. In Hellwege angekommen, erfolgt ein weiterer Test mit anschließender Arbeitsquarantäne von fünf Tagen. Nach einem negativen PCR-Test dann können sie sich etwas freier bewegen. Eine ganze Reihe von Wohncontainern steht auf dem Hof der Familie Schloh. Rund 15 000 Euro werde es in dieser Saison kosten, um alle erforderlichen Corona-Auflagen zu erfüllen.

In den großen Gebäuden haben die Mitarbeiter einen klaren Ablauf sicherzustellen. Von der Anlieferung bis in den Hofladen ist einiges zu tun. Sie müssen den Spargel sortieren, schälen, verpacken und zwischendurch für die nötige Kühlung sorgen. Für die Spargelstecher stehen Fahrräder und Anhänger bereit, die sie auch auf dem Feld nutzen können. Mittags stärken sie sich mit einer warmen Mahlzeit – „wir haben schon seit einigen Jahren eine polnische Köchin eingestellt“, freut sich Friederike Schloh.

Handarbeit auf dem Spargelfeld.

9,50 Euro bekommen die Arbeiter pro Stunde – plus Akkordzulagen. 20 Arbeiter sind bereits im Einsatz. Bald kommt Unterstützung. Spätestens dann, wenn die Temperaturen steigen. Jetzt müssen vor allem die Folien und Folientunnel für die nötige Wärme sorgen. „Diese Folien nutzen wir zehn Jahre lang.“ So lange stehen auch die Pflanzen auf dem Feld. Drei Jahre nach dem Anpflanzen können sie erstmals geerntet werden – insgesamt dann sieben Jahre lang. Alle Spargelreihen zusammen ergeben rund 140 Kilometer. Viel Arbeit also für alle Beteiligten. Eine Arbeit, von der Thorsten Schloh schwer begeistert erzählt. Und so glaubt man ihm, wenn er sagt, er sei irgendwie „spargelverrückt“. Muss man wohl auch sein.

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