Jürgen Hägele-Falkenberg lebt und arbeitet auf dem Flugplatz Weser-Wümme in Hellwege

Der Herr des Fliegerballetts

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Jürgen Hägele-Falkenberg lebt und arbeitet seit Dezember 2014 auf dem Flugplatz Weser-Wümme in Hellwege.

Hellwege - Von Inken Quebe. Letztes Jahr im November war für Jürgen Hägele-Falkenberg eigentlich alles klar: „Ich gehe vorübergehend nach Spanien.“ Doch dann kam alles anders: Statt mit seinem Wohnmobil auf die iberische Halbinsel zu fahren, zog es ihn auf den Flugplatz Weser-Wümme in Hellwege, um dort zu arbeiten – und zu leben.

Sein Plan war eigentlich, in Spanien den Kopf freizubekommen. Mal etwas anderes erleben. „Ich hatte mich in Deutschland schon abgemeldet“, erzählt Hägele-Falkenberg rückblickend. Wie der Zufall es wollte, stieß er beim Frühstück auf eine Anzeige in der Zeitung: Die Flugsportgruppe Airbus Bremen, die den Verkehrslandeplatz Weser-Wümme in Hellwege betreibt, suchte jemanden, der sich um alles kümmert: einen Flugplatzwart. „Ich hatte am Anfang gar keine Vorstellung davon, was mich erwartet.“

Vor Ort hat er sich dann ein Bild gemacht und Kontakt mit dem Vorsitzenden Bernhard Dziomba aufgenommen, währenddessen mit seinem Wohnwagen auf dem Parkplatz gestanden. Schon Anfang Dezember ist er dann zusammen mit seinem Sohn, Timothy Falkenberg, in eine Wohnung direkt über den Hallen, wo die Flugzeuge der Vereinsmitglieder stehen, gezogen. Dass Hägele-Falkenberg vorher nie einen Bezug zur Fliegerei hatte, war kein Problem, „es war eigentlich sogar positiv“, erinnert er sich. So kann sich der 55-Jährige auf seine Aufgaben als Platzwart konzentrieren.

Um aber seine Arbeit zu erfüllen, benötigte er zunächst ein Sprechfunkzeugnis. Dazu hat er einen dreimonatigen Kurs in Bremen belegt. „Das war am Anfang extrem kompliziert und theoretisch“, erinnert er sich. Die Lizenz berechtigt den gebürtigen Schwaben, den es vor 25 Jahren in den Norden gezogen hat, die Flugleitung zu übernehmen. Das macht er hauptsächlich mittwochs. Dann finden dort auch Stunden für Flugschüler statt.

So wie an diesem Tag: Während er oben im Funkturm sitzt und erzählt, starten und landen draußen die Kleinflugzeuge. Dann unterbricht er das Gespräch, um den Verkehr konzentriert zu managen. Wie Fliegen schwirren die Piloten in ihren Sichtfliegern durch die Luft, zu denen er ständig Funkkontakt hält, ihnen Anweisungen gibt. Er versteht jetzt, wie anspruchsvoll das Fliegen ist, sagt er. Nicht vergleichbar mit Autofahren. „Wenn man alles richtig macht, sieht es aus wie beim Ballett.“ Eine Herausforderung, an der er in den vergangenen elf Monaten Spaß gefunden hat. Auch wenn er zugibt: „Am Anfang hatte ich schon ein bisschen Angst.“ Schließlich geht mit diesem Job auch eine Verantwortung einher. Was er macht, wird von einer Behörde in Oldenburg kontrolliert: „Da darf man keinen Fehler machen.“

Wenn er nicht gerade mit der Flugleitung beschäftigt ist, gibt es auf dem Gelände einiges zu tun. „Die Grünfläche ist die Visitenkarte eines Flugplatzes“, erklärt Hägele-Falkenberg. Für ihn ein ständiger Kampf mit der Natur: Maulwürfe, Damhirsche, Dachse, Wildschweine, Regen. Jeden Morgen ist er deshalb darum bemüht, die Bahn wieder herzurichten und Unebenheiten zu beseitigen. Das ist für ihn in den vergangenen Monaten zum Ritual geworden. Auch um die Gastronomie kümmert er sich, Lieferungen annehmen, die Gerätschaften in Schuss halten, einkaufen – „so eine Art Mädchen für alles“, beschreibt er selbst.

Jeden Abend geht er zum Abschluss noch einmal über das gesamte Areal. Zur Sicherheit kontrolliert er alles. Wenn es dunkel wird, wird es zwar ruhiger, aber trotz der Abgeschiedenheit ist es nie ganz leise. „Es ist eine beachtliche Geräuschkulisse. Es gibt eben sehr viel Natur um mich herum“, erzählt er. Sogar ein Gewitter erlebe er ganz anders. Außerdem scheint es dort unendlich viel Wild zu geben. „Die Wildpopulation ist höher als in manchem Naturschutzgebiet. Die Tiere haben sich wohl mit der Situation arrangiert“, glaubt er.

Gleiches gilt für Hägele-Falkenberg, obwohl er vorher nicht wusste, was ihn bei dem Job erwartet. Diesen traut er auch nicht jedem zu: „Dafür muss man gemacht sein.“ Der 55-Jährige beschreibt es selbst als eine Art Himmel auf Erden – für andere könne dieser Ort aber zur Hölle werden. Man könne durch die große Verantwortung das Gefühl bekommen, eingeschlossen zu sein. Die Arbeit für den Verein ist kein klassischer „nine to five Job“. Hägele-Falkenberg weiß selbst nicht, ob eine Frau auf Dauer so leben will. Für den Alleinstehenden aber derzeit kein Thema, der Flugplatzwart genießt sein neues Leben mitten in der Natur. „Ich fühle mich bereits nach kurzer Zeit so, als würde ich das schon mein ganzes Leben machen.“ Wenn er mal verreist, sorge das für Verwunderung, so sehr gehört Hägele-Falkenberg dazu. „Aber ganz ehrlich: Will ich überhaupt Urlaub machen, wenn ich auch hier sein kann?“

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