Johannes Sigloch aus Hassendorf stellt selbst Gitarren her

Die Kunst hinter der Kunst

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Weil Johannes Sigloch professionelle Gitarren einst zu teuer waren, hat er angefangen, selbst welche zu bauen.

Hassendorf - Von Matthias Daus. Die Liebe zur Musik im Allgemeinen und zur Gitarre im Speziellen geht bei Johannes Sigloch aus Hassendorf weiter als bei den meisten Gitarristen. Er spielt diese Instrumente nicht nur, er kann sie sogar herstellen. Und er hat es sich selbst angeeignet, wie das im Einzelnen funktioniert.

Die Rockmusik der frühen 1970er Jahre war damals für viele Jugendliche der Ausdruck ihrer Abneigung gegen das Spießbürgertum der Nachkriegsgeneration. Eine Form von Aufsässigkeit und Rebellion gegen ihre Eltern, wenn man so will. Johannes Sigloch war damals einer dieser Jugendlichen und seine Helden waren Gitarristen, zum Beispiel Jimi Hendrix, Jimmy Page und Eric Clapton. Die Art, wie sie ihre elektrischen Gitarren spielten, spiegelte die Gefühlswelt von Johannes wieder und er wünschte sich nichts sehnlicher, als dass er auch so ein Gitarrist werden könnte.

Das Erlernen des Instruments war dabei eine vergleichsweise überschaubare Hürde, denn er hatte durch jahrelangen Klavierunterricht eine musikalische Vorbildung, die ihm von großem Nutzen war, als er mit 13 Jahren anfing, selbst ein Gitarrist zu werden. Allerdings gab es noch ein Problem, denn als Ausrüstung hatte er nur eine Wandergitarre, und „Smoke on the Water“ auf der Akustikklampfe war nicht eben die Art von Rock’n’Roll, die er spielen wollte. Also musste er das Instrument modifizieren.

Mit einem Tonabnehmer und einem ausgemusterten Röhrenradio wagte er seine ersten Schritte als Zupfinstrumentenbauer. „Das Ergebnis klang echt fürchterlich, war aber mächtig laut“, erinnert er sich. Laut genug, um zusammen mit einem Freund eine Band zu gründen. Das waren die Anfänge für ihn als Gitarristen.

Er kaufte sich im Laufe der Zeit dann doch elektrische Gitarren. Die richtig Guten waren aber einfach unerschwinglich. Er machte daher aus der Not eine Tugend und bastelte auch an ihnen herum. Doch beschränkte sich dies meist auf Veränderungen im technischen Sektor. Sigloch war mittlerweile schon längst erwachsen und hatte mittlerweile eine Familie gegründet. Für eine Weile übernahm er dabei auch den Posten des Hausmannes. „Das habe ich gerne gemacht, aber irgendwie fiel mir die Decke auf den Kopf. Ich brauchte noch eine Tätigkeit, die mich wirklich erfüllt“, beschreibt er seine damalige Lage.

Es war Anfang der Neunziger, und in Bremen gab es zu dieser Zeit einen selbständigen Gitarrenbauer, der auch einen Reparaturservice hatte. Dort verdingte sich Johannes Sigloch als „Praktikant“ und erlernte viele Dinge, die ihm auf seinem weiteren Weg sehr hilfreich sein sollten. Schließlich war es soweit: Er baute sich seine erste eigene Gitarre. Er verzichtete dabei weitestgehend auf maschinell gefertigte Teile. Für einen Anfänger schon eine große Herausforderung, schließlich kommt es dabei auf Millimeter an, und für die Formgebung benötigt man schon ein enormes Fingerspitzengefühl.

Das Ergebnis konnte sich sehen lassen. Eigentlich war diese Gitarre von einer professionell hergestellten nicht zu unterscheiden. Für Sigloch stand fest, dass dies gewiss nicht sein letzter Sechssaiter gewesen sein dürfte. War es auch nicht. Zunächst produzierte er für den Eigenbedarf mit unterschiedlichem Erfolg.

Aber irgendwann hatte er den Bogen raus und im Bekanntenkreis sprach sich sein Talent herum.

Es kam soweit, dass er auch für andere Leute baute und sogar ein Gewerbe angemeldet hatte. Angesichts des geringen Auftragsvolumens, das er annahm, und in Anbetracht der entsprechend niedrigen Umsatzzahlen, sah das Finanzamt seine Tätigkeit aber als Liebhaberprojekt an. Was es letztendlich auch ist.

Er beschränkt sich im Allgemeinen auch wieder auf den Eigenbedarf, experimentiert mit ungewöhnlichen Holzarten und hat kleine Maschinen entwickelt, die ihm bei seiner Arbeit helfen.

So hat er zum Beispiel aus einem alten Nähmaschinenmotor und einem ausgemusterten Magnetzähler ein Gerät entwickelt, mit dem er einen hauchdünnen Kupferdraht auf eine Tonabnehmerspule wickeln kann. Bei mehreren tausend Wicklungen auf kleinstem Raum eine Filigranarbeit. „Ich bin in diesem Metier ein Autodidakt und je länger ich das mache, desto weiter traue ich mich in mir noch unbekannte Bereiche vor“, erklärt er.

Einer dieser neuen Bereiche sind Akustikgitarren. Eine geschichtsträchtige und traditionelle Arbeit, die im Vergleich zum Bau von E-Gitarren mehr Kunst als Handwerk ist, wie er meint. Und dabei gibt es ebenfalls schon ein Exemplar zu bewundern, das auch einen perfekten Eindruck macht.

Ach ja, spielen kann er diese Instrumente übrigens auch, was er zuletzt auf Konzerten seiner Band, den Paunchy Lovers, eindrucksvoll bewiesen hat. Was er für die Zukunft geplant hat? Irgendwann in Rente gehen, um sich dann nur noch seinen Hobbys widmen zu können.

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