Johannes Kaußler sorgt für eine besondere Dynamik in der St.-Georg-Kirche

Musik von der Empore

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Johannes Kaußler begeistert auch am E-Piano.

Sottrum - Wer Angst vor einem trübsinnigen Konzert am Volkstrauertag im Rahmen der „Sottrumer Kirchenmusik“ hatte, täuschte sich. Insgesamt boten Kirchenmusiker Johannes Kaußler, Chöre und Flötistinnen ein kurzweiliges Konzert.

Pastor Dietmar Meyer und Kaußler fanden passende Worte in Anbetracht der Geschehnisse in Paris und weltweit. Der Kirchenmusiker äußerte Verständnis für Menschen, die sich vor dem Hintergrund „schuldhafter Schicksalsereignis“ fragten, „Wie kann man in so einer Zeit genießen“? Kaußler: „Gerade in diesen Zeiten haben die Menschen das Bedürfnis. Sie wenden sich der Kunst und vor allem der Musik zu.“ Sie gehe über das gegenständliche Alltägliche hinaus. „Die Musik ist etwas Absolutes“, sagte Kaußler. Umso bedeutsamer sei, dass es bei diesem Konzert nichts zu sehen geben würde, nur zu Hören. Alle Musiker befanden sich auf der Empore. Der Kirchemusiker bat darum, zum Abschluss des barocken Konzertes nicht zu applaudieren, da es sich um eine geistliche Veranstaltung handele.

Dann schwang sich Kaußler an die Orgel und spielte das Praeludium in e (Nicolaus Bruhns) mit der ihm eigenen überbordenden Energie. So, als wolle er beweisen, dass trotz der weltweiten Widrigkeiten für dunkle Gedanken gerade kein Platz ist.

Wunderbar, auf der Empore zu sitzen und die Vibration der Orgel durch das Holzwerk übertragen zu bekommen. Wieder einmal erweckte Kaußler den Eindruck, das ihm die Werke des Schleswig-Holsteiner Bruhns, einem Komponisten der norddeutschen Orgelschule, besonders liegen. Ergreifend, mit welcher Hingabe und Energie Kaußler das Praeludium auf der Orgel in der St.-Georg-Kirche darbot. Bruhns schuf bereits zu damaliger Zeit (1665 bis 1697) Werke, die an Aktualität nicht verloren haben und bis heute modern wirken. Bruhns besticht mit gewagten Harmonien und vielschichtiger Rhythmik, die seinen Werken eine besondere Dynamik verleihen und für die damalige Zeit mit Sicherheit als sehr ungewöhnlich wahrgenommen wurde.

Meyer klinkte sich in die Worte seines Vorredners ein: „Krieg ist, was im Fernsehen passiert, den kann man abschalten. Krieg ist, was in der Zeitung steht. Krieg ist, wovon die Alten erzählen, dass kann man nicht mehr hören. Frieden ist nicht, was man schnell anschalten, schnell auswickeln kann, was man Älteren und Jüngeren überlassen sollte. Frieden beginnt ganz nah.“

Der Christophorus-Chor Ottersberg und die St.-Georgs-Kantorei Sottrum sangen unter der Leitung von Kaußler (E-Piano) ebenfalls Werke deutscher Komponisten wie Constantin Christian Dedekind (Komm, heilig guter Geist), Sigmund Hemmel (Dir, o Herr, will ich singen) und Samuel Jacobi (Christus gibt durch den Tod).

Anja Kaußler und Imke Kunze spielten zwei Duette von Georg Philipp Telemann und verliehen dem Abend damit eine besondere Note. Telemann (1681-1767) zählte zu den berühmtesten Komponisten seiner Zeit und schuf tausende Musikstücke.

Das Konzert war alles andere als trübsinnig, eher wärmend. Lediglich das zweite Praeludium und Fuge e-Moll von Johann Sebastian Bach an der Orgel zeigte sich kurz vor Ende des Konzertes als vielleicht zu lang. „Wenn es ihnen gefallen hat, dann gucken sie beim Rausgehen nach oben. Danken, lächeln und winken sie zur Empore“, empfahl Meyer.

bd

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