Johannes Kaußler bringt Bachs „Weihnachtsoratorium“ nach Sottrum

Überraschung in der Kirche

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Die Solisten Mechthild Rieh-Natter und Wieland Lemke (stehend/Mitte) begeistern beim Konzert in der Sottrumer Kirche.

Sottrum - Von Heidi Stahl. Schon lange vor Beginn strömten die Zuhörer in die noch fast dunkle Kirche in Sottrum. Ein Stromausfall im Altarraum sorgte bei den Verantwortlichen direkt vor dem Konzert kurz für eine Schrecksekunde. Doch pünktlich um 19 Uhr konnte Johannes Kaußler den Einsatz für Pauken und Trompeten geben und kraftvoll ertönte der Eingangschoral des Chores „Jauchzet, frohlocket, auf, preiset die Tage“.

Kaußler brachte am dritten Advent gemeinsam mit dem Konzertchor Wümme-Wieste, dem Projektorchester und den vier Solisten – Mechthild Rieh-Natter (Sopran), Christiane Artisi (Alt), Dennis Egel (Tenor) und Wieland Lemke (Bass) – Johann Sebastian Bachs „Weihnachtsoratorium“ mit den populären Teilen I-III in der Sottrumer St.-Georg-Kirche zur Aufführung.

Das Fazit: Bachs 1734 entstandenes Weihnachtsoratorium hat auch knapp dreihundert Jahre nach seiner Entstehung noch nichts an seiner Kraft und Innigkeit eingebüßt. Die Vertonung des Weihnachtsevangeliums nach Lukas (Kapitel 2, Vers 1-20) bildet die ersten drei Teile des Oratoriums, das im Ursprung sechsteilig ist und auf die sechs Weihnachtstage verteilt durch Johann Sebastian Bachs Thomanerchor in Leipzig uraufgeführt wurde.

Unter den Solisten übernahm Dennis Egel (Tenor) die Rolle des Evangelisten und schon das erste Rezitativ „Es begab sich aber zu der Zeit...“ klang klar und eindringlich durch das Kirchenschiff der Sottrumer St.-Georg-Kirche. Egel versetzte die Zuhörer mit seiner Darbietung in die Zeit zurück rund um die Geschichte um die Geburt Jesu.

Bei dem „Fürchtet euch nicht...“, das der Engel den Hirten verkündet, ließ die helle Sopranstimme von Mechthild Rieh-Natter fast das Licht erahnen, das den Engel am Firmament umgibt. In den drei Chorälen „Ach, mein herzliebes Jesulein“, „Schaut hin, dort liegt im finstern Stall“ und „Wir singen dir in deinem Heer“ greift Johann Sebastian Bach die Melodie des Luther-Liedes „Vom Himmel hoch, da komm ich her“ auf und lässt die Zuhörer fast versucht werden mitzusingen.

Zum Einsatz kam bei den Rezitativen auch Kaußlers neues Cembalo, das er brillant beherrscht. Auch dem Konzertchor Wümme-Wieste war die zunehmende Reife im Ausdruck anzumerken, wie sie nur durch langes gemeinsames Proben und eine langjährige Zusammenarbeit zu erreichen ist. Mit dem jubelnden Choral „Herrscher des Himmels“ endete das Weihnachtsoratorium und die begeisterten Zuhörer spendeten langanhaltenden Beifall.

Ein kleiner Zwischenfall beim Überreichen der Blumen an Dirigent und Solisten sorgte am Ende des Konzertes noch einmal für eine kleine Überraschung– das Licht fiel erneut kurz aus und die Kirche wurde stockdunkel.

Doch nur einen kurzen Moment später war es wieder hell in der Kirche. Dann konnte Johannes Kaußler die mehr als zufriedenen und ergriffenen Zuhörer mit einer launigen Bemerkung „nutzt die Gunst der Stunde, solange es noch hell ist“ auf den Heimweg schicken.

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