Johann Windeler nutzt Steine als Urlaubserinnerungen

Eine Welt in 300 Steinen

Die Steine lagert Johann Windeler in eigens angefertigten Setzkästen.
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Die Steine lagert Johann Windeler in eigens angefertigten Setzkästen.

Reeßum – Der Reeßumer Johann Windeler hat ein etwas ungewöhnliches Hobby, denn er sammelt Steine von den Urlaubsorten, die er besucht hat. Jeder Stein ist einzigartig und auch immer eine schöne Erinnerung an eine besondere Zeit, einen besonderen Ort und an die schönen Dinge des Lebens, sagt er. Reisen ist eine der großen Leidenschaften von Windeler.

Damit fing der 89-jährige schon als junger Mann an – damals noch mit dem Motorrad. Später reiste er mit seiner Frau Marianne und dem eigenen Auto durch die Welt, von der die beiden viel zu sehen bekommen haben. Die Idee von diesen schönen Orten auch mal ein Andenken mitzunehmen, kam ihm vor rund 25 Jahren auf Bornholm. „Beim Tauchen an der Küste sind mir ein paar interessante Steine sozusagen ins Auge gestochen“, erinnert er sich, „sie waren schichtweise unterschiedlich gefärbt, das hatte mich damals sofort fasziniert.“

Niemand weiß, wie viele Billionen Steine es auf Gottes Erde gibt, aber es gibt keine zwei, die identisch sind. Sie unterscheiden sich alle in Farbe, Form, Material, Größe und Gewicht. Jeder Stein ist ein Unikat, das ist eigentlich auch schon beinahe ein Wunder

Johann Windeler

Die drei schönsten Exemplare nahm er dann mit nach Hause, als eine Art Souvenir, eine bleibende Erinnerung an diesen schönen Urlaub. Damals hätte er aber nicht im geringsten gedacht, dass aus diesen drei Steinen einmal eine stattliche Sammlung werden könnte. Über 300 Exemplare hat er mittlerweile gesammelt, und sie lagern alle im heimischen Keller in eigens dafür angefertigten Setzkästen, die in großen Schubladen untergebracht sind. „Niemand weiß, wie viele Billionen Steine es auf Gottes Erde gibt, aber es gibt keine zwei, die identisch sind. Sie unterscheiden sich alle in Farbe, Form, Material, Größe und Gewicht. Jeder Stein ist ein Unikat, das ist eigentlich auch schon beinahe ein Wunder“, sagt der Reeßumer. Bei so viel Steinen könnte es auch gerne mal etwas unübersichtlich werden. Nicht so bei Johann Windeler. Denn bei dem Gründer des gleichnamigen Autohauses in Reeßum hat ausnahmslos alles eine grundsätzliche Ordnung.

Alle Dinge haben ihren festen Platz, an dem man sie immer finden kann. Getreu dem Motto, wer von Anfang an Ordnung hält, muss später nicht suchen, hat er auch seine Steinsammlung strukturiert durchsortiert. Jedes Exemplar wurde gereinigt und mit dem Ort beschriftet, an dem er gefunden wurde. Ein Griff in ein Fach und die Aufschrift auf dem Stein lässt sofort die Erinnerung daran wach werden, wo und wie er gefunden wurde. „Viele Fundorte waren so markant, dass sie mir unauslöschlich im Gedächtnis geblieben sind. Ich könnte jederzeit an diese Orte zurückkehren und die Steine genau da hinlegen, wo ich sie gefunden habe“, sagt Windeler.

Johann Windeler sagt, er könne jeden Stein wieder an seinen Ursprungsort zurücklegen. So genau sind seine Erinnerungen an die Reisen.

Natürlich gibt es zu jedem Exponat auch eine eigene Geschichte. „Die schönsten Steine habe ich beim Tauchen vor Rhodos gefunden. Sie waren durch die jahrtausendlange Bewegung des Wassers abgeschliffen und besonders geformt worden“, erläutert der Steinsammler. Besonders aufregend war es in Marokko. Dort fand er seine Souvenirs auf dem Gelände des Königspalastes. „Man war dort damals sehr streng mit allem. Nicht einmal fotografieren war erlaubt“, erinnert er sich. Er wartete dann ab, bis die Wachablösung kam und das Gelände für einen Augenblick unbeobachtet gewesen war und nutzte die Gunst des Moments, um sich weitere Steine für seine Sammlung zu holen. „Bis auf Bulgarien und Irland habe ich von jedem europäischen Land steinerne Erinnerungen“, sagt Johann Windeler. Manche kamen aus Hammerfest, der nördlichsten Stadt der Welt, andere aus einem Kohlebergwerk, wo er in rund 300 Meter Tiefe fündig wurde. Das Wichtigste bei all dem sei die Beschriftung und damit am Fundort auch nichts durcheinandergerät, hat er bei jeder Reise auch ein paar kleine Plastiktütchen im Gepäck, in die er die Steine steckt und auf diese Tüten schreibt er dann die jeweiligen Fundorte.

Wem er das Glück, so viel vereisen zu können zu verdanken hat, dafür hat der Reeßumer seine eigene Theorie: „Meine liebe Frau und ich sind gläubige Christen und alle Reisen standen unter Gottes Schutz.“ Mittlerweile sind die beiden nicht mehr so viel unterwegs. Die Reisen wurden kürzer, die Zielorte rückten immer näher an ihr zu Hause. Statt Norwegen oder Italien geht es eher nach Bad Kissingen oder Bad Wildungen. Aber auch dort lässt sich viel Interessantes auf Wanderungen finden, das die Sammlung ergänzen und bereichern kann. So wird die Welt für das Ehepaar Windeler auch immer ein Stück kleiner, aber im heimischen Keller lagert die Erinnerung daran, wie groß diese Welt in Wirklichkeit ist und jeder einzelne Stein lässt sie aufleben.

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