Jetzt knallt’s

Gemeinde Sottrum will Krähen am Stuckenborsteler Inselweg vertreiben

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Der Bauhof-Vorarbeiter Björn Becker präsentiert das neue Knallschreckgerät der Gemeinde Sottrum. Es soll die Problem-Krähen im Bereich des Stuckenborsteler Inselweges mit einem lauten Schuss vergrämen.

Stuckenborstel - Von Matthias Röhrs. Stuckenborstel hat ab kommender Woche einen Knall. Denn die Gemeinde Sottrum hat einen Weg gefunden, mit dem sie die Problem-Krähen im Bereich des Inselweges und der Wassermühle loswerden will. Ein sogenanntes Knallschreckgerät soll zukünftig in dem kleinen Waldstück aufgestellt werden, mit dem die Vögel vertrieben werden sollen.

Der Test auf dem Gelände des Sottrumer Bauhofs macht schon mal Eindruck. Ein kurzes Klicken, dann zerfetzt ein lauter Knall die Stille. Laut Hersteller 120 Dezibel – das entspricht einem sogenannten Chinaböller oder Gewitterdonner – schallen durch die Umgebung, ein Vogel ändert kurzfristig seinen Kurs. Auch Gemeindedirektor Holger Bahrenburg nimmt das zur Kenntnis und lacht kurz auf. Das Knallschreckgerät hat sich unterdessen ein wenig gedreht. Automatisch, denn jeder Schuss soll in eine andere Richtung gehen.

Schon seit einiger Zeit beschweren sich die Stuckenborsteler immer wieder über die Krähen. Sogar eine Unterschriftenliste hat es gegeben. Denn die Vögel wecken die Anwohner in aller Frühe auf, Autos und Wege sind mit den Ausscheidungen der Tiere überzogen. Auch die Lokalpolitik hat das Thema immer wieder zur Sprache gebracht und Druck auf die Verwaltung ausgeübt. Rund 100 Nester sollen zur Kolonie gehören. „Die Population entwickelt sich“, so Bahrenburg, der sich nun – nach Ende der Schonzeit – der Sache angenommen hat.

Das Knallschreckgerät für rund 500 Euro ist nun das Ergebnis einer längeren Recherche, denn Möglichkeiten zur Krähenvertreibung gibt es viele. Krähenklappen zum Beispiel, die die Vögel ebenfalls auf akustischem Wege vergrämen sollen. Andere zielen mit festen Laserpointern auf die Nester oder greifen auf Baumkletterer zurück. „Da steht der Aufwand in keinem Verhältnis“, so Bahrenburg.

Das Knallschreckgerät ist an eine Gasflasche angeschlossen. Mit dem Gas wird der Schuss erzeugt.

Das Knallschreckgerät dagegen, könne „vielversprechende Erfolgsquoten“ vorweisen und werde auch im Obstbaugebiet Altes Land und in Weinbaugebieten eingesetzt. In Stuckenborstel will sich die Gemeinde an ein gutes Knallintervall herantasten. „Wir müssen auch erst mal unsere Erfahrung damit machen“, sagt der Vorarbeiter des Bauhofs, Björn Becker. Alle halbe Stunde zunächst wird das Gerät ab Dienstag, 13. November, täglich von 8 bis 17 Uhr den Schuss abgeben. Am Wochenende soll es erst einmal still bleiben. Das Ganze funktioniert über eine Zeitschaltuhr.

Im Idealfall, so der Gemeindedirektor, sind die Krähen dann schon nach wenigen Tagen verschwunden – und hoffentlich in der freien Natur, anstatt sich weiter in Richtung Dorfmitte zu orientieren. „Über die Möglichkeit muss man sich im Klaren sein“, sagt Bahrenburg. Bei Erfolg würde das Knallschreckgerät an eine andere Stelle verlegt, wo es ebenfalls Probleme mit Krähen gibt. Sollte die Gemeinde es gerade nicht brauchen, kann sich Bahrenburg vorstellen, es auch an andere Kommunen zu verleihen.

Vorbehalte sind bekannt

Bahrenburg betont, dass das Gerät wieder abgebaut wird, sollte es Probleme geben. Beispielsweise, wenn der Lärm von denn Stuckenborstelern als unzumutbar empfunden wird. Nach dem Test in unmittelbarer Nähe ist dieser Gedanke gut nachzuvollziehen. Das Knallschreckgerät soll aber auch nicht direkt am Wegesrand stehen, sondern tiefer im Wäldchen – von Bauzäunen geschützt. Er macht sich nichts vor: „Das Knallen wird nicht jedem gefallen.“ Um dem aber entgegenzuwirken, betreibt die Gemeinde in dieser Woche Öffentlichkeitsarbeit, um die Anwohner zu informieren und um Verständnis zu werben. Flugblätter werden verteilt, Menschen direkt angesprochen. „Man muss ja wissen, woher das Knallen kommt“, so Becker. Hundehalter, direkte Nachbarn, Pflegebedürftige: Alle müssen sich darauf einstellen können. Und wenn das Knallschreckgerät keine Akzeptanz erfährt, so Bahrenburg, dann muss man eben mit den Krähen leben. Denn eine Alternative, einen anderen Weg, die Krähen zu vergrämen, zu finden, „das wäre schwierig“.

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