Jazzpianistin Marialy Pacheco in Hellwege 

Feuerwerk auf schwarz-weißen Tasten

Alles an ihr ist Musik: Marialy Pacheco im HuK. - Foto: Stahl
+
Alles an ihr ist Musik: Marialy Pacheco im HuK.

Hellwege - Von Heidi Stahl. Schon lange vor Beginn des Konzertes hatte sich eine auf Einlass wartende Menschenschlange vor der Eingangstür des Heimat- und Kulturhauses (HuK) in Hellwege gebildet. Die Stühle im HuK reichten diesmal kaum aus, um all die Jazz begeisterten Zuhörer aufzunehmen. Auch dem Veranstalter Edwin Bohlmann merkte man bei seiner Begrüßung der Gäste an, wie stolz er war, dass es ihm gelungen war, die kubanische Jazzpianistin in das kleine Hellwege geholt zu haben. Und Marialy Pacheco enttäuschte die erwartungsfrohen Zuhörer nicht.

Der Auftritt der aparten Schönheit mit dem schwarzen Lockenkopf im einfachen weißen T-Shirt und silberglänzenden Leggins auf verwegen hohen Highheels bezauberte die Zuhörer schon, bevor sie sich an den Flügel setzte und mit einem Feuerwerk von brillanten Läufen und raumfüllenden Akkorden ihr Konzert einleitete.

Die 1983 in Havanna geborene Künstlerin hat eine fundierte klassische Klavierausbildung genossen und viele internationale Preise gewonnen. Ironisch lächelnd erzählte sie in hervorragendem Deutsch, dass es schwieriger sei, klassische Klavierstücke zu spielen, bei denen die Zuhörer jeden vergriffenen Ton bemerken würden, weshalb sie den Latin-Jazz zu ihrer Passion gemacht habe. „Es ist immer neu, was ich spiele, kein Stück kann ich in der gleichen Form noch einmal spielen, weil jedes Mal andere Emotionen in meine Variationen des Themas einfließen“, sagte sie, bevor sie mit ihrer Interpretation von „El Manicero“ vom Buona Vista Social Club die Tasten des Flügels im Hellweger Saal erglühen ließ.

Latin-Feeling im Hellweger Saal

Alles an ihr ist Musik, sie spielt nicht, sie lebt die Musik. Sie summt leise ihre Melodien mit, schnipst mit einer Hand den Takt, Körpersprache und Mimik begleiten ihre Interpretation und Leidenschaft spiegelt sich in ihren Gesichtszügen wider. Ihre Anreise zum Konzert von Dortmund aus, wo sie mit ihrem Mann und Manager lebt, hatte sie nicht ohne Staus und Aufregung erlebt, und vor ihrem Auftritt saß sie ganz nah an der Heizung in der Garderobe, um sich aufzuwärmen, und hauchte in die Hände, um sie mit ihrer Atemluft zu erwärmen. Kubanische Temperaturen konnte das kühle Norddeutschland dieser zarten Person nicht bieten, aber sie selbst holte mit ihrem karibischen Temperament das Latin-Feeling in den Hellweger Saal.

Mit ihrer Komposition „Cambodian smiles“ erinnerte sie an eine Reise nach Kambodscha, wo sie mit Kinderprostitution konfrontiert wurde und dennoch erlebte, mit wie wenig ein Mensch glücklich sein konnte. Eindrucksvoll spiegelten sich diese Erlebnisse in ihrer Musik wieder: zart, traurig und doch voller harmonischer Einfachheit und beinahe lächelnden Klängen. Als sie nach fast neunzig Minuten ohne Pause ihr letztes Stück mit Variationen des von Johannes Brahms vertonten Volksliedes „Guten Abend, gute Nacht, mit Rosen bedacht“ anstimmte, ging ein Raunen durch den Raum, und danach ließen sie die Zuhörer ohne Zugabe natürlich nicht gehen.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Bürgerrechtler verklagen Trump - "Marsch auf Washington"

Bürgerrechtler verklagen Trump - "Marsch auf Washington"

Corona in Göttingen: Nach Massenausbruch wurde ein Testzentrum errichtet

Corona in Göttingen: Nach Massenausbruch wurde ein Testzentrum errichtet

Sonnenschutz im Auto nachrüsten

Sonnenschutz im Auto nachrüsten

Brettspiele für die ganze Familie

Brettspiele für die ganze Familie

Meistgelesene Artikel

A1-Vollsperrung bei Stuckenborstel und Bockel: BMW geht in Flammen auf

A1-Vollsperrung bei Stuckenborstel und Bockel: BMW geht in Flammen auf

Tendenz zur Freileitung

Tendenz zur Freileitung

Weiterer Carport-Brand in Rotenburg - nach zwei Vorfällen Ende März

Weiterer Carport-Brand in Rotenburg - nach zwei Vorfällen Ende März

Kommentare