Ein Virus namens „Retten“

Jan-Axel Munke geht nach gut 40 Jahren DRK in den Ruhestand

 Jan-Axel Munke am Steuer eines Rettungswagens.
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Noch einmal nimmt Jan-Axel Munke am Steuer eines Rettungswagens Platz, dann geht es in den Ruhestand

Rund 40 Jahre war Jan-Axel Munke aus Horstedt beim Roten Kreuz - erst ehrenamtlich, dann mehrere Jahrzehnte hauptberuflich. Jetzt geht er in den Ruhestand.

Horstedt – „Rettungsassistent als Beruf – das ist wie ein Virus“, sagt Jan-Axel Munke. Der Horstedter muss es wissen, er lebt mit diesem Virus schon seit gut vier Jahrzehnten. Und auch, wenn er sich nun in den Ruhestand verabschiedet: Die Leidenschaft für das Rettungswesen bleibt. „Denn das ist mir sozusagen in die Wiege gelegt worden“, sagt Munke mit einem Lachen.

Kein Wunder: Es war sein Vater, der 1964 den Horstedter DRK-Ortsverein aus der Taufe gehoben hatte.

Die „Infektion“ mit dem DRK-Virus im Elternhaus schlägt an: Schon als Jugendlicher engagiert er sich beim Roten Kreuz, erst in der Jugendorganisation, dann unter anderem als Erste-Hilfe-Ausbilder und als Rettungssanitäter. „Das war schon immer meine zweite große Liebe“, erinnert er sich heute. Auch als er von 1977 bis 1982 in Braunschweig Politik- und Geschichtswissenschaften studiert lässt ihn das DRK nicht los – und das erst recht nicht, als sich die Arbeitsmarktsituation für Lehrer zu Beginn der 80er-Jahre als sehr angespannt erweist. 1986 beginnt Munke – ausgebildet zum Rettungsassistent – in der Rotenburger Wache hauptamtlich für das DRK zu arbeiten. „Da habe ich schon während meiner ehrenamtlichen Zeit immer mal ein bisschen Dienst schieben können“, sagt Munke. Und schon da ist ihm klar: „Das ist ganz meine Sache.“

Veränderungen miterlebt

Bis zu seinem Ruhestand arbeitet er in Rotenburg, und erlebt dort auch die Veränderungen und Weiterentwicklungen mit, die sein Beruf, seine Arbeit, aber auch das DRK im Laufe der Jahrzehnte erfahren – und das betrifft nicht nur, dass sein Berufsbild „Rettungsassistent“ seit 2014 „Notfallsanitäter“ heißt.

„Die Arbeit ist über die Jahre hinweg strukturierter geworden, wir wurden immer genauer auf spezielle Situationen ausgebildet, um diese professioneller und sicherer abzuarbeiten, auch mit Blick auf Rechtssicherheit“, so der 64-Jährige. „Es gibt ein genaues Ablaufmuster für jedes Krankheits-, jedes Verletzungsbild. Da hat sich alles sehr viel weiterentwickelt. Aber was schon immer wichtig war: Es geht nur im Team – nicht alleine.“

Doch was auch Munke im Laufe seiner Arbeitsjahre merkt: Es wird rauer bei Einsätzen. „Wir wurden auch schon mal bedroht und attackiert, es gab schon Situationen, wo ich die Beine in die Hand genommen habe“, sagt Munke. „Auch wenn Gewalt und Aggressivität gegenüber Einsatzkräften immer noch eher Thema in der Großstadt ist, als hier auf dem Land. Aber vielleicht habe ich auch einfach nur Glück gehabt. Und gleichzeitig bekommt man im Laufe der Zeit ein Auge dafür und lernt, Gefahren einzuschätzen.“ Aber er erlebt es auch bei Unfällen auf der Autobahn, „wenn langsam die ganzen Gaffer vorbeifahren. Das ist keine schöne Entwicklung.“

Prägende Einsätze

Nicht wenige Einsätze prägen sich tief ein, „denn wir sehen ja alles – von schweren Unfällen bis zu Geburten“, sagt Munke. „Und ich habe schon sehr viel gesehen, und immer noch nicht alles.“ Geburten zählen da noch zu den schöneren Momenten. „Einmal haben wir es mit einer Mutter nicht mal mehr bis zum Wagen geschafft. Da waren wir dann die Geburtshelfer“, erinnert er sich. Aber auch sein Einsatz beim Vorgänger des Hurricane-Festivals, dem First Rider Open Air 1977, damals noch als Ehrenamtlicher, als die Bühne auf einmal in Flammen stand, ist ihm in Erinnerung geblieben.

„In Extremsituationen ist es wichtig, als Rettungsassistent damit umzugehen und zu funktionieren, um den Menschen zu helfen. Und genauso wichtig ist es für ihn auch, Eindrücke von der Arbeit nicht mit nach Hause zu nehmen. „Das ist ein Lernprozess, schlimme Einsätze besprechen wir im Anschluss mit den Kollegen, und ich finde, da haben wir schon ein gutes System, dass uns auch in schwierigen Situationen auffängt“, macht er deutlich.

Es ist ein spannender, abwechslungsreicher Beruf. Und jedem, der eine innere Einstellung zur Hilfeleistung hat, möchte ich sagen: Mach das!

Jan-Axel Munke

Es war ein Sammelsurium an Einsätzen, wie er bilanziert. „Aber ich bin in all den Jahren jeden Tag gerne zur Arbeit gegangen.“ Und er hofft, dass das auch folgenden Generationen so geht: „Es ist ein spannender, abwechslungsreicher Beruf. Und jedem, der eine innere Einstellung zur Hilfeleistung hat, möchte ich sagen: Mach das!“

Auch, wenn er jetzt im Ruhestand ist und die Zeit mit der Familie, mit Reisen und im Garten genießen will – die Tür zum DRK will er nicht schließen: „Wenn Hilfe gebraucht wird: Vielleicht übernehme ich ja noch mal die ein oder andere Schicht. Wer weiß?“, sagt der Horstedter mit einem Augenzwinkern. „Es sticht halt immer ins Herz, wenn ich einen Rettungswagen sehe.“ Das Virus, den ihm das Engagement seines Vaters verpasst hat, hat offenbar nichts von seiner Wirkungskraft verloren.

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