Interessenten machen ihrem Ärger Luft / Gemeinde versucht Erschließung bis zum 30. Juni

Baugebiet bleibt Streitthema

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Noch gibt es für die Bauwilligen beim Baugebiet „Dannert III“ nicht viel zu sehen. Im März soll es aber mit den Erschließungsarbeiten los gehen.

Sottrum - Von Jessica Tisemann. Das Sorgenkind der Baugebiete in Sottrum – „Dannert III“ – soll bis zum Sommer, genauer gesagt bis zum 30. Juni, erschlossen sein, das zumindest versucht die Gemeinde einzuhalten. Die Bauwilligen sind skeptisch, ob das alles funktioniert und befürchten, dass sie auch dieses Jahr nicht mit ihrem Hausbau beginnen können. Und gerade bei vielen jungen Menschen kommen einige Ängste zusammen. Der Unmut gegen die Gemeinde wird bei den Bauherren immer größer.

Ein Problem sei der Preis pro Quadratmeter für die Grundstücke. Dieser liegt bei 85 Euro. Einige der Bauwilligen hatten mit deutlich niedrigeren Kosten gerechnet. „Es war mal die Rede von 70 bis 75 Euro pro Quadratmeter“, betont einer der Betroffenen. Das habe die Gemeinde ihm einmal so gesagt.

Doch da ist nichts dran, macht Gemeindedirektor André Bischof deutlich: „Wir haben nie eine Summe genannt.“ Man habe zum Vergleich das vorangegangene Baugebiet am Gymnasium genannt – dort hatte der Quadratmeterpreis bei 65 Euro gelegen –, aber sofort klar gestellt, dass im neuen Baugebiet „Dannert III“ Mehrkosten zu erwarten seien. „Das liegt daran, dass es viel aufwendiger in der Erschließung ist.“ Ein Regenrückhaltebecken müsse geplant und finanziert werden, und auch die Zuwegung müsse fertiggestellt werden.

Außerdem müssten die Eigentümer der Grundstücke des vorderen Baugebietes den Lärmschutzwall zu den Bahnschienen beim hinteren finanziell mittragen. „Zu einem kleinen Teil“, wie Bischof bestätigt. Das stößt bei einigen Bauherren auf Unverständnis. Doch Sottrums Bürgermeister Hans-Jürgen Krahn (CDU) erklärt: „Auch die Anwohner im ersten Baugebiet haben ja etwas davon, wenn der Wall den Lärm abfängt.“

Einigen Bauwilligen seien die nicht einkalkulierten Mehrkosten zu hoch gewesen und sie hätten daher kein Interesse mehr, dort ihr Haus zu errichten, berichten sie. „Wir kommen irgendwann in die Bredouille, dass wir uns den Bau nicht mehr leisten können“, teilen viele der Betroffenen die gleichen Ängste.

Doch diese Kritik will Hans-Jürgen Krahn nicht auf sich sitzen lassen. Einige Bauherren hätten vielleicht etwas zu knapp kalkuliert. „Wenn sie kein Grundstück mehr kaufen wollen, müssen sie das nicht“, macht er deutlich. Außerdem sei die Abfrage der Grundstückgrößen im Vorfeld nicht verbindlich gewesen. „Dadurch wollten wir die Wünsche der Bevölkerung aufnehmen, um die Grundstücke möglichst in den nachgefragten Größen zu vergeben“, erklärt André Bischof das Vorgehen.

Dass viele Bauwillige abgesprungen sein sollen, widerlegt der Gemeindedirektor ebenfalls. „Wir haben bisher zwei Interessenten, die aus unterschiedlichen Gründen abgesprungen sind.“ Insgesamt stünden von den 40 Bauplätzen noch acht Grundstücke zur Verfügung.

Kritik von den Betroffenen muss sich auch der Bauamtsleiter Eckhardt Behrens anhören. „Er hat gesagt, dass es für die Gemeinde keinen Sinn mehr mache, die Grundstücke noch 2015 zu verkaufen, und er sie lieber erst 2016 verkauft hätte“, so der Tenor. Das gibt er auch zu und betont, dass er nach wie vor zu dieser Entscheidung stehe. „Wir müssen erst einmal unsere Aufgaben bei der Erschließung beenden und können dann die Grundstücke verkaufen. Danach können die Bürger auch gleich auf ihre Grundstücke und anfangen zu bauen“, erklärt Behrens. Jetzt gebe es berechtigten Unmut, den es sonst in dieser Form vielleicht nicht gegeben hätte – und der sei verständlich. „Es ist nicht sinnvoll, die Grundstücke schon ein Dreiviertel Jahr früher zu verkaufen.“

Wenn man den Verkauf vor der Erschließung abwickelt, müsse man auch deutlich sagen, dass die Bauwilligen noch nicht auf ihr Grundstück können. Hinzukommt für die Interessierten: Dadurch, dass die Erschließung des Baugebietes 2015 noch nicht ausgeschrieben war, konnten sie keine Bauanzeige stellen, sondern müssen auf den Bauantrag ausweichen – Mehrkosten: 900 Euro. Doch die Erschließungsarbeiten sollen im März beginnen. „Die Ausschreibung läuft, und sobald die Angebote geprüft sind, kann es losgehen“, betont Behrens. Das hofft auch André Bischof: „Momentan liegen wir im Zeitplan. Es kann uns jetzt nur noch das Wetter in die Quere kommen, aber wir werden alles daran setzen, dass wir im März mit der Erschließung beginnen können.“ Knapp drei Monate dauern die Arbeiten. Danach könnten die Interessenten mit dem Bau anfangen.

Doch warum hat sich die Erschließung des Baugebietes so lange hingezogen. Es war ursprünglich im Gespräch, dass im Sommer 2015 mit der Vergabe der ersten Grundstücke begonnen werden sollte. Ein Grund war das Regenrückhaltebecken, das nun im zweiten neuen Baugebiet, das an „Dannert III“ angrenzt, entstehen soll, berichtet der Bürgermeister. Außerdem müssen bestimmte Fristen – zum Beispiel bei der öffentlichen Auslegung – eingehalten werden.

Davon ist bei den Bauherren jedoch wenig angekommen, denn sie bemängeln eine fehlenden Kommunikation zwischen ihnen und der Verwaltung. Da spiele scheinbar auch ein bisschen die Unzufriedenheit der Bürger mit hinein, weil sich das Ganze schon so lange hinziehe, so Bischof. „Die Menschen haben mittlerweile ein größeres Informationsbedürfnis, das ist mir auch schon aufgefallen.“ Man habe sich an den Informationsfluss gehalten, wie es bereits beim Baugebiet am Gymnasium der Fall war. Es sei aber geplant, eine Infoveranstaltung für die Personen abzuhalten, die ein Baugrundstück erworben haben, so der Gemeindedirektor.

Bleibt nur eines zu hoffen: Die Gemeinde Sottrum schafft es rechtzeitig, mit den Erschließungsarbeiten fertig zu werden, und die Bauherren bekommen endlich ihr Haus und können vielleicht Weihnachten 2016 schon darin feiern.

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