Für neun Monate im Amt

Julian Loh ist neuer Bürgermeister in Reeßum

Julian Loh steht im Reeßumer Gemeindebüro
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Julian Loh ist der neue Bürgermeister Reeßums.

Die Gemeinde Reeßum hat mit Julian Loh einen neuen Bürgermeister. Mit 33 Jahren gehört er zu den Jüngeren in einem solchen Amt.

  • Julian Loh ist der neue Bürgermeister in der Gemeinde Reeßum.
  • Er folgt auf Marco Körner, der in die Samtgemeinde-Verwaltung wechselt.
  • Ob Loh bei der Kommunalwahl 2021 erneut kandidiert, lässt er noch offen.

Reeßum – Es hatte sich lange angekündigt, doch seit Montagabend ist Julian Loh auch offiziell der neue Bürgermeister der Gemeinde Reeßum. Er tritt damit die Nachfolge von Marco Körner an, der zum Jahreswechsel bei der Sottrumer Samtgemeinde-Verwaltung anfängt und damit kein politisches Amt in der Samtgemeinde mehr innehaben darf. Julian Loh ist mit 33 Jahren einer der Jüngsten, die sich Bürgermeister nennen dürfen – zunächst aber nur bis zur nächsten Kommunalwahl im September 2021. Ob er dann wieder für das Amt kandidieren wird, lässt er noch offen.

„Was im September ist, werde ich in den nächsten Monaten entscheiden“, sagt Loh im Gespräch mit der Kreiszeitung. „Ich bin in der einmaligen Lage, sozusagen eine Testphase zu haben.“ In vier bis fünf Monaten wolle er eine Entscheidung diesbezüglich treffen und natürlich auch kommunizieren. „Vielleicht werde ich dann weiter Bürgermeister sein wollen, vielleicht möchte ich auch lieber einen neuen in erster Reihe unterstützen.“

Loh war schon 2016 als Bürgermeister im Gespräch

Dabei war Loh schon bei der vergangenen Wahl 2016 als potenzieller Bürgermeister im Gespräch, als Nachfolger von Wilfried Kirchner. Schon zu der Zeit war er Stellvertreter, da liegt das nahe. Doch Loh pendelte damals noch zur Arbeit nach Hamburg. „Das war dann zeitlich nicht drin.“ Also sprang Körner in die Bresche. Heute arbeitet Loh als Einkäufer und Projektmanager bei der Behrens Gruppe in Rotenburg.

Trotz seiner in der Lokalpolitik eher unterdurchschnittlichen 33 Jahre, gehört Loh zu den „alten Hasen“ im Rat. 2006 hat er sich als 18-Jähriger erstmals in das Gremium wählen lassen, und ist seit 14 Jahren sozusagen immer der Jüngste dort gewesen. „Ich hatte nicht den Hintergedanken, mal mehr machen zu wollen“, erinnert sich der neue Reeßumer Bürgermeister. Er sei schon in der Jungen Union aktiv gewesen und wurde dann angesprochen, ob er nicht kandidieren wolle.

Nach der Wahl 2011 wurde er bereits stellvertretender Bürgermeister. Auch auf Samtgemeinde-Ebene ist Loh aktiv – hier aber für die CDU. Im Reeßumer Rat gibt es keine Parteien. Seit 2016 ist Loh der Vorsitzende des Samtgemeinderates, fünf Jahre zuvor ist er erstmals in diesen Rat gewählt worden.

Emotionaler Abschied

Bevor der Reeßumer Gemeinderat am Montagabend offiziell den Sitzverlust des alten Bürgermeisters Marco Körner feststellte, wurde es noch einmal kurz emotional. Körner dankte dem Rat in einer kurzen Ansprache für die vier gemeinsamen und spannenden Jahre. Man habe viel bewegt, sagte er. Sein Nachfolger Julian Loh konnte die warmen Worte nur zurückgeben, nach einer Rückschau auf die Amtszeit Körners drückte er nochmal seine Wertschätzung der ruhigen, sachlichen und auch selbst reflektierenden Art seines Vorgängers aus. Nach der offiziellen Feststellung des Sitzverlustes Körners wählte der Reeßumer Rat einstimmig Heiko Biesemeier als Nachrücker in seine Reihe. Nachdem die sogenannte Eingleisigkeit – die Personalunion Bürgermeister und Gemeindedirektor – beschlossen war, wurde schließlich Julian Loh bei einer Enthaltung zum neuen Bürgermeister bestimmt. Diese Wahl fand auf Wunsch von Herbert Cordes im Geheimen statt, einen Gegenkandidaten gab es nicht. Zu Lohs Nachfolger als Allgemeiner Stellvertreter wurde Marco Bruns gewählt.

Erste Erfahrungen sammelte er ab 2006 als Nichtratsmitglied im Feuerwehrausschuss. „In der CDU hat man gefühlt immer gerne jungen Leuten Platz gemacht“, resümiert Loh.

Ob er im kommenden Jahr wieder für den Samtgemeinderat kandidiert, lässt er ebenfalls noch offen, ebenso eine Bewerbung auf ein Mandat im Rotenburger Kreistag. „Ich weiß nicht, ob mir das nicht schon zu abstrakt ist.“ Er möge es „extrem gerne“, zu sehen, was sich vor Ort bewege und was man selber bewege. „Deswegen macht man das ja.“ Sicher ist er sich nur, dass er kein Samtgemeindebürgermeister in Sottrum werden will. Diese Frage bekommen dieser Tage viele Leute gestellt.

Ob er über den Herbst 2021 hinaus Bürgermeister in Reeßum bleiben möchte, macht Loh auch von der zukünftigen Zusammenarbeit mit der Samtgemeinde ab. Diese ordnet sich unter dem Stichwort „Schnittstellenoptimierung“ aktuell neu, die ehrenamtliche Arbeit in den einzelnen Gemeindeverwaltungen soll dadurch entlastet werden. „Wie es jetzt läuft, ist zeitlich nicht zu unterschätzen“, sagt Loh.

„Wir wollen vor Ort Dinge bewegen“

Das sei nicht als kategorische Ablehnung zu verstehen, aber wenn man wisse, wie Prozesse auch funktionieren können, könne er manches nicht nachvollziehen. „Wir wollen ja nicht weniger arbeiten, aber die Zeit anders aufbringen. Wir wollen vor Ort Dinge bewegen und nicht Daten von A nach B übertragen.“

Neun Monate als Bürgermeister oder eine „Testphase“, den Gedanken, dass in Reeßum bis zur kommenden Wahl nur verwaltet und nicht mehr gestaltet wird, weist Loh ab. „Wir haben viel auf dem Zettel. Die Sanierung von Straßen und Wegen, ihre Beleuchtung und auch der marode Glockenturm in der Reeßumer Ortsmitte – ein Wahrzeichen – stehen auf der Agenda.“ Loh: „Es ist nicht das Ziel, neun Monate schmerzfrei zu überstehen.“ Und da kommt auch sein Vorgänger wieder ins Spiel – als Ansporn. „Marco hat die Messlatte ziemlich hochgelegt, aber da will ich mich gerne dran messen lassen.“

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