In die Fußstapfen des Onkels?

„Um den Pudding“ mit Sottrums SPD-Bürgermeisterkandidat Andreas Rosebrock

Andreas Rosebrock (SPD) in seiner typischen Pose.
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Andreas Rosebrock (SPD) in seiner typischen Pose.

Sottrum – Wer mit Andreas Rosebrock spazieren gehen will, der steht recht viel. Wenn er erstmal ins Reden gerät, bleibt er stehen, volle Konzentration auf den Standpunkt – im wahrsten Sinne. Und so dauert es eine Weile, bis der Sottrumer SPD-Spitzenkandidat und Bürgermeister-Anwärter tatsächlich losgeht bei diesem Spaziergang durch das Dorf. Als Treffpunkt hat er das Heimathaus vorgeschlagen.

„Das Wohnzimmer von Sottrum“, wie Rosebrock es nennt. Es sei ein tolles Beispiel, wie sich der Ortskern entwickelt hat. Seine Partei, die SPD, möchte ihn in den kommenden Jahren weiterentwickeln. Er zeigt auf den Lidl nebenan, „da sowieso“. Momentan wüssten die wenigsten, was dort passieren wird – er auch nicht.

Rosebrock ist mit dem Fahrrad gekommen. Auch wegen des zwischen Heimathaus und Ex-Lidl verlaufenden Radweges wollte er sich hier treffen. Der führt bis in den Ortskern, und ginge es nach Rosebrock, könnte es davon auch mehr geben. Er nimmt sogar das Wort „Fahrradautobahn“ in den Mund. Zumindest im Rahmen des in Sottrum Sinnvollen – mit „Augenmaß“, wie Rosebrock nicht nur einmal sagt. Es scheint sein Credo zu sein.

Aber wer ist eigentlich Andreas Rosebrock? Lokalpolitisch ist er ein unbeschriebenes Blatt, trotz des für Sottrumer Verhältnisse großen Nachnamens. Sollte er die Bürgermeisterwahl durch den Gemeinderat gewinnen, würde er in große Fußstapfen treten. Sein Onkel Reinhard Rosebrock war von 1991 an immerhin 25 Jahre lang Gemeindebürgermeister und danach Ehrenbürgermeister. Beim Neffen kam die lokalpolitische Ader eher spät durch: Andreas Rosebrock hat sich stattdessen im TV Sottrum in der Jugendarbeit und im Vorstand der Fußballabteilung engagiert. Da hat er dann kürzer treten wollen, berichtet er, und da kam ihm die Politik in den Sinn. Im Bauausschuss hat er in der vergangenen Wahlperiode erste Schritte in der Kommunalpolitik gemacht.

Rosebrock ist gebürtiger Sottrumer, nur wenige hundert Meter von hier, erzählt er, sei er zur Welt gekommen. Wir stehen im Park am Eichkamp, darin habe er als Kind schon gespielt. Wenn hier der geplante Mehrgenerationenspielplatz kommt, von dem er nun erzählt, kann er das wieder tun.

Eines habe er in fünf Jahren Ratsarbeit gelernt: „Wenn man etwas richtig machen will, ist es zeitintensiv.“ Nun sei er froh, damals nicht direkt voll eingestiegen zu sein. Nun habe der 59-Jährige die Zeit, schließlich gehe er ja auf den „Herbst seines Arbeitslebens“ zu. Er ist Vertriebsleiter und Prokurist in einem Umweltschutzunternehmen in Bremen.

An der Alten Molkerei geht es nun um das Thema Gewerbe. „Die neuen Gebiete an der Autobahn bringen auch etwas für Sottrum, haben aber einen großen Flächenbedarf.“ Ziel sei es, nicht mehr auf die großen Logistiker zu schielen. Zwar gebe es auch kleinere Highlights an der Autobahn, die nicht Rewe heißen. Aber man wolle wieder kleinteiligere Unternehmen fördern, vielleicht mit weniger Versiegelung des Bodens und mit höherqualifizierteren Jobs?

Ich will noch nicht sagen, dass die Politik mein Hobby ist. Dazu ist es noch zu früh. Aber ich bin sehr interessiert.

 Andreas Rosebrock

Wo wir gerade dort sind, deutet Rosebrock nun in die Vogteistraße mit ihren Schlaglöchern – exemplarisch für ihn. „In vielen Nebengemeinden sehen die Feldwege besser aus als so manche Wohnstraße in Sottrum“, sagt er salopp. Beim Straßenbau sei Nachholbedarf. Man halte zu wenig instand, mache lieber später alles neu, um das dann von den Anliegern bezahlen zu lassen.

Es geht Richtung Bullenworth. Er findet es gut, dass es noch Bauernhöfe im Dorf gibt, man solle nicht versuchen, die mit aller Gewalt aus dem Dorf zu kriegen. Das gehöre zu Sottrum dazu. Es geht nahtlos über zum Mietbau. Auch bei den Neubauprojekten können sich viele die Mieten gar nicht leisten. Ohnehin sieht er diejenigen, die Mietwohnungen bauen, mittlerweile kritisch. Er moniert die Methoden, wie Großinvestoren versuchen, ihre Interessen in Sottrum durchzusetzen. „Wir sind in den Fokus von Investoren geraten“, stellt er aber fest. Er findet es wichtig, dass man sich da nicht unter Druck setzen lässt. „Aber der Gemeinderat nimmt sich das Recht raus, da zum Wohle Sottrums zu handeln und nicht zum Wohle der Investoren.“

Nun geht es zum Wiestekindergarten. Betreuung – Krippe, Kita, Hort – seien ihm und der SPD wichtig. Es gebe vier Kindergärten, aber zu wenig Platz. Er zeigt auf die Container auf dem Gelände. Da kommt wieder das Augenmaß. Alles hänge zusammen. Wer ein sogenanntes Starterhome in einem Großbauprojekt in Sottrum bezieht, möchte vielleicht irgendwann auch mal Bauland im Ort haben, was aber nicht da sei. Ist die Familie erstmal gegründet, brauche es Kitaplätze. „Da kommen wir zu den Containern.“ Das würden Investoren gerne mal außer acht lassen.

Rosebrock inszeniert sich als Ur-Sottrumer, war aber nicht sein ganzes Leben an der Wieste. Er hat in Bremerhaven Umwelttechnik studiert, in Duisburg eine Ausbildung gemacht, zwei Jahre in Stuttgart gearbeitet und ist danach auch einige Zeit in Ontario in Kanada. „Als es darum ging, sesshaft zu werden, haben wir uns überlegt, nach Sottrum zu gehen. Ganz einfach, weil ich mich mit dem Ort verbunden fühle, weil ich hier Freunde habe und sozial eingebunden bin“, sagt der SPD-Mann. Das war Mitte der 90er, damit seien die Wanderjahre auch zu Ende gewesen.

Apropos Wandern, langsam geht es zurück. Hobbys? Fußball ist sein Ding, sagt Rosebrock, Lesen auch. Zudem sei er ein klassischer Heimwerker. Ich will noch nicht sagen, dass die Politik mein Hobby ist. Dazu ist es noch zu früh. Aber ich bin sehr interessiert.“

Im Live-Ticker zur Kommunalwahl in Niedersachsen berichtet kreiszeitung.de am Sonntag, 12. September 2021, über die aktuellen Entwicklungen, die Ergebnisse, die gewählten Bürgermeister und Landräte.

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