Auf dem Weg zum „Europäischen Heimat- und Kulturhaus“

In den letzten Zügen

Das Heimathausensemble nahe dem Sottrumer Rathaus und der Kirche soll schnellstmöglich durch ein „Europäisches Heimat- und Kulturhaus“ ergänzt werden.
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Das Heimathausensemble nahe dem Sottrumer Rathaus und der Kirche soll schnellstmöglich durch ein „Europäisches Heimat- und Kulturhaus“ ergänzt werden.
  • Ann-Christin Beims
    vonAnn-Christin Beims
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Sottrum – Das Ziel ist sichtbar. Nachdem nun auch der Sottrumer Rat grünes Licht gegeben hat, scharrt der örtliche Heimatverein so langsam mit den Füßen. Sie möchten das „Europäische Heimat- und Kulturhaus“ errichten, dessen Fachwerk bereits auf dem Bauhof eingelagert ist. Denn das ehemalige Häuslingshaus, das seit 1778 auf einem Bauernhof bei Osterholz-Scharmbeck gestanden hat, wurde dort bereits abgebaut und findet bald seine neue Heimat in Sottrum. Allerdings müssen dazu noch ein paar Fragen geklärt werden.

Sicher ist: Das Haus ist wesentlich größer als der Spieker, genauer gesagt gut 12 mal 13 Meter. Um genügend Platz zu haben, muss daher das daneben liegende Backhaus abgebaut werden, sagt der erste Vorsitzende des Heimatvereins, Hans-Jürgen Krahn, während er sich den Bauplan ansieht. Ein Durchgang von etwa drei Metern zwischen dem Haus und dem Spieker müsse ebenfalls bleiben. Wo das Backhaus dann hinkommt, stehe noch nicht fest. „Der Backofen kommt raus, das wird dann beim Aufbau neu gemacht, solange werden die Teile zwischengelagert“, sagt Krahn.

Auch sonst wird sich auf dem Gelände rund um das Heimathausensemble einiges tun im Rahmen der Bauarbeiten. So wird es dann weitere Parkplätze auf der Fläche zwischen der Durchfahrtscheune und dem Pinocchio im Sottrumer Landhaus geben – 27 Plätze sind dort eingeplant. „Teilweise sind die schon vorhanden“, erklärt Krahn. Ziel ist es, noch in diesem Jahr anzufangen und schnellstmöglich fertig zu werden – bestenfalls kann es anlässlich des 40-jährigen Bestehens des Heimatvereins im kommenden Jahr eingeweiht werden, wünscht sich der Vorsitzende. Aber: Dazu muss die Baugenehmigung da sein. Und die fehlt bislang noch. Da das Haus in einem Überschwemmungsgebiet errichtet wird, hofft Krahn „dass wir schnell eine Lösung finden, das Projekt umzusetzen. Die Hoffnung besteht, dass wir in absehbarer Zeit die Baugenehmigung bekommen.“ Denn ist diese erst einmal da, könne sofort mit dem Abbau des Backhauses begonnen werden. Aber auch die Corona-Krise habe für eine zeitliche Verzögerung in den Plänen gesorgt.

„Das ist ein gutes Projekt, ein Stück Kulturgeschichte, nicht nur für den Heimatverein“, meint Krahn. Dafür plant der Verein insgesamt etwa 450 000 Euro ein. Davon übernimmt das Land Niedersachsen bis zu 200 000 Euro, 50 000 Euro gibt es vom Landkreis, weitere 100 000 Euro aus einer Erbschaft, die der Heimatverein über die Gemeinde erhalten hat, und den Rest stemmt der Verein aus Eigenmitteln. Im oberen Bereich sollen ein Aufbewahrungsort für Dokumente und ein Apartment entstehen. In dieses könnten Künstler aus den Partnerstädten in Polen und Frankreich einziehen für ein paar Tage oder Wochen. „Es soll kein Dauerwohnsitz sein“, betont Krahn. Gedacht sei es, wenn diese Vorlesungen halten oder für einige Wochen dort malen möchten oder ähnliches. „So kann man von der Basis aus Leute zusammenbringen; es gibt vielleicht Sprachbarrieren, aber die Gedanken hinter Kunst und Musik sind immer gleich.“ Diese Idee habe auch beim Land Zuspruch gefunden. „Und ein Denkmal wird für die Zukunft gesichert, nicht als Stall, aber von der Grundform her.“ Eines, dessen Besuch auch für Schüler- oder Kindergartengruppen denkbar ist. „Ich stelle mir Leben für das Ambiente vor.“ Unten wird ein größerer Raum entstehen, der etwa 80 Leuten Platz bieten wird – Raum für Ausstellungen oder Lesungen. „Wir haben zwar das Heimathaus, aber dort keine Möglichkeit für eine Dauerausstellung zum Beispiel.“ Denn im Heimathaus gibt es auch Feiern wie Hochzeiten. „Das ist dann im europäischen Haus aber möglich“, so Krahn. Die genaue Nutzungsregelung müsse noch gemeinsam mit der Gemeinde festgelegt werden.

Innen wird es offene Balkenlagen geben, so wie bereits im Spieker. Die alten Eichenbalken des ehemaligen Häuslingshauses seien noch gut erhalten. „Das Ambiente bleibt, aber technisch kommt das Haus auf den neuesten Stand“, erklärt Krahn. So wird es im Erdgeschoss auch einen Technikraum geben. Im oberen Geschoss müssen zudem noch Fenster eingesetzt werden, denn die hatte der ehemalige Stall nicht. „Da wurde Stroh gelagert, da war kein Fenster nötig.“

Das Ensemble hat sich erst seit 1996 entwickelt, „viele Neubürger sind erstaunt darüber, sie denken, dass es schon immer hier war“, erzählt Krahn schmunzelnd. Damals sei dieses Projekt mit Weitsicht, unter anderem von Fritz Lange, dem ehemaligen Gemeindedirektor, und Reinhard Rosebrock, ehemals Bürgermeister, vorangetrieben worden, ebenso von den jeweiligen Heimatvereinsvorsitzenden. Das Grundstück gehört der Gemeinde. Zwischen dieser und dem Heimatverein besteht ein Pachtvertrag für 99 Jahre. Für das neue Gebäude müsse ebenfalls einer aufgesetzt werden, teilt Krahn mit. Jetzt sei man hoffentlich in den letzten Zügen. Und das wird auch der Abschluss für das Gelände sein: Ein weiteres Gebäude wird es dort nicht mehr geben.

Mitten im Überschwemmungsgebiet

Der Kreistag hat am Mittwoch das seit über zwei Jahre diskutierte Überschwemmungsgebiet der Wieste per Verordnung gesichert. Die Abmessungen dafür hat der Landesbetrieb für Wasserwirtschaft mit Modellrechnungen erstellt, die die Fläche ausweisen, die statistisch gesehen einmal in 100 Jahren überflutet werden kann. Der Landkreis als zuständige untere Wasserbehörde hatte die Aufgabe, die Verordnung für das Land zu erlassen. Die Kreistagsmitglieder stimmten mit großer Mehrheit dafür. Nur einer wollte sich nicht anschließen: Sottrums Bürgermeister Hans-Jürgen Krahn. „Es ist mir unmöglich, zuzustimmen“, so der CDU-Politiker. Hintergrund der Ablehnung sind natürlich die Pläne des Heimatvereins, auf dem Heimathausgelände das neue „Europäische Heimat- und Kulturhaus“ zu errichten. Das vom Landesbetrieb kartierte Überschwemmungsgebiet überzieht weite Teile des Sottrumer Ortskerns, auch das Heimathausgelände. Nach den Vorgaben des Wasserhaushaltsgesetzes sind zum Beispiel die Errichtung von Mauer, das Erhöhen der Erdoberfläche oder das Anlegen von Strauchpflanzungen dort dann verboten. Krahn empört sich, dass das Heimathausgelände gerade 14 Zentimeter zu tief liegt, um aus dem Überschwemmungsgebiet herausgenommen zu werden. Ihm seien keine Berichte auch der Sottrumer Geschichte bekannt, dass dieser Bereich des historischen Ortskerns jemals überschwemmt war. Die Verordnung könnte dazu führen, den Ortskern „stillzulegen“. Krahns Parteifreund Charly Carstens als Vorsitzender des Umweltausschusses deutete aber bereits „Ermessensspielraum“ an. Der Landkreis sei auch für die Baugenehmigungen zuständig. Mit dem müsse gesprochen werden: „Der Ton macht die Musik.“

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