Von der Idee auf dem Weg zum Projekt

Cord Trefke spricht  über die Pläne für einen Dorfladen in Bötersen

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Cord Trefke engagiert sich für das Projekt Dorfladen in Bötersen.

Bötersen - Von Matthias Daus. Die Realisierbarkeit eines von Bürgern betriebenen Dorfladens beschäftigt derzeit die Gemeinde Bötersen. Am Samstag wird es dazu eine Informationsveranstaltung im Gasthaus Hoops mit Wolfgang Gröll von der Vereinigung multifunktionaler Dorfläden geben. Beginn ist um 10 Uhr.

Ein passender Zeitpunkt, um ein paar Fragen an einen Verantwortlichen auf Gemeindeebene zu richten. Cord Trefke, der auch in Verantwortung für „Unser Dorf hat Zukunft“ steht, ist zusammen mit dem Arbeitskreis „Wirtschaft und Verkehr“ einer der Aktivposten in diesem Themengebiet.

Als Cordula Bientzle im vergangenen Herbst ihren Frischemarkt schließen musste, gab es damals schon Planspiele dafür, wie man diese Lücke schließen könnte?

Cord Trefke: Als wir im Zuge der Anfänge von „Unser Dorf hat Zukunft“ im Dezember 2014 eine Umfrage nach allem, was den Leuten hier wichtig ist, starteten, tauchte der Dorfladen ganz weit vorne auf. Es bestand damals auch schon ein Kontakt zu Otersen (Landkreis Verden), aber hauptsächlich deswegen, weil es ein „Golddorf“ ist. Überlegungen, deren Konzept für einen Dorfladen weiter zu verfolgen gab es allerdings nicht. Dass es relevant werden würde, ergab sich für uns dann sehr kurzfristig, weshalb wir im Herbst demnach noch kein Konzept in der Schublade hatten.

Auf welcher Ebene kam es zu den ersten konkreten Ideen und welche Auswirkung hatte dabei „Unser Dorf hat Zukunft“?

Trefke: Wir befassen uns hauptsächlich im Arbeitskreis Wirtschaft und Verkehr mit der Sachlage und ohne „Unser Dorf hat Zukunft“ hätten wir diese miteinander vernetzten Arbeitskreise und Gremien gar nicht. Diese Möglichkeit, eine Idee so weiter zu entwickeln, hätten wir sonst gar nicht gehabt. Außerdem steht die Gemeinde auch hinter diesem Projekt.

In welche Richtungen gingen die Gedankenspiele dabei?

Trefke: Es gab und gibt natürlich viele Ideen, wie man die Lücke in der Gemeinde schließen könnte, aber keine davon ist so interessant und reizvoll, wie die des Ladens von Bürgern für Bürger, weil hier genau die Kultur wieder aufleben kann, die im Moment verloren gegangen ist.

Sollte das Ganze funktionieren, wäre das auch ein Statement gegen die vorherrschende Situation, dass in ländlichen Gegenden viel an Service und Infrastruktur verloren geht. Beispiel Schließung von Grundschulen und Bankfilialen.

Trefke: Vielleicht weniger ein Statement gegen etwas, sondern eher für das herausragende Merkmal des ländlichen Lebens. Das Miteinander oder der Zusammenhalt.

Woher kam letztendlich die Idee, diesen Weg als Möglichkeit zu betrachten?

Trefke: Durch unsere Fahrt nach Otersen im vergangenen Herbst, als uns der dortige Laden mit all seinen Möglichkeiten und aber auch all seinen umfangreichen Verpflichtungen präsentiert wurde.

Der Vorsitzende des dortigen Vereins für den Dorfladen, Herr Lühning, hat damals auch sehr offen über die Klippen gesprochen, die mit dem Betreiben des Ladens umschifft werden müssen. Hat das die Luft ein wenig aus den Segeln genommen und die Euphorie gebremst?

Trefke: Es hat uns eher realistisch über die ganze Sache nachdenken lassen. Das war der Punkt, an dem wir gesagt haben, wir holen uns mit Wolfgang Gröll eine professionelle Unterstützung. Herr Gröll hat schon viele solcher Projekte begleitet.

Wie groß ist die Bedeutung eines funktionierenden Geschäfts für die Gemeinde?

Trefke: Die Lebensqualität, die damit vor Ort verbunden ist, ist unersetzlich. Hier ist der Dorfmittelpunkt für das gesellschaftliche Leben, wenn man so will. Außerdem ist es eine komplett andere Art des Einkaufs im Vergleich zu den großen Märkten. Hier ticken die Uhren noch anders und man hat auch mal Zeit für einen Klönschnack zwischen Brötchen und Frischwurst.

Gab es jetzt im Vorfeld aus der Bevölkerung bereits Signale, die ein Gelingen dieses Projektes zumindest in dem Bereich des Möglichen gebracht haben?

Trefke: Bei unserer letzten Bürgerversammlung gab es ein überwältigendes Votum für die Fortführung unserer Bemühungen. Was mich aber noch weitaus positiver gestimmt hat, waren die spontanen Zusagen von immerhin zwölf Personen, die sich in dem Arbeitskreis aktiv engagieren möchten.

Sollte sich im Laufe der Planungen herausstellen, dass sie die ganze Sache leider doch nicht verwirklichen lässt, ist das dann das Ende der Fahnenstange, oder gibt es Alternativen?

Trefke: Die Herangehensweise von Herrn Gröll verläuft über verschiedene Ebenen, und um auf eine nächsthöhere Ebene zu gelangen, müssten Auflagen erfüllt werden. Schaffen wir dies nicht, kann das Projekt an diesen Sollbruchstellen beendet werden. Das wäre selbstverständlich sehr schade, aber ich würde das dann nicht als Niederlage werten, sondern als einen Versuch, den wir machen mussten. Für diesen Fall haben wir natürlich auch weitere Ideen im Köcher, aber das wären alles weitaus abgespecktere Varianten.

Drei Gründe, warum Bötersen es auf jeden Fall schaffen wird.

Trefke: Ich möchte an dieser Stelle nicht behaupten, dass wir es auf jeden Fall schaffen. Dafür sind wir noch zu sehr in der Anfangsphase. Aber durch unsere Erfahrungen, die wir mit „Unser Dorf hat Zukunft“ gemacht haben, konnten wir doch recht eindrucksvoll erfahren, wie groß der Zusammenhalt hier ist und was unsere Gemeinschaft auf die Beine stellen kann. Und das eröffnet uns zumindest die Möglichkeit, hier etwas Großes zu erschaffen und deshalb werden wir alles dafür tun, damit aus dieser Möglichkeit noch viel mehr werden kann.

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