„Ich bin an einem Hort interessiert“

Horstedts Bürgermeister Michael Schröck (SPD) im Interview

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Horstedts Bürgermeister Michael Schröck (SPD) muss abwarten, ob ein Hort sinnvoll ist. 

Horstedt - Von Matthias Röhrs. Mittwochmorgens trifft man Michael Schröck (SPD) immer beim Bäcker in der Horstedter Ortsmitte. Eine Art „inoffizielle Sprechstunde“, sagt der Bürgermeister.

Die Horstedter wissen das, beim Brotkauf ist das eine oder andere Wort zum Gemeindechef mit eingeplant. Bei Kaffee und Käsebrötchen („Das Übliche.“) haben wir uns dazu gesetzt, über Ganztagbetreuung für Kinder gesprochen, und was die Einrichtung eines Horts für die Gemeinde bedeutet.

Herr Schröck, in Horstedt hat man sich einst mehrheitlich eine Ganztagsgrundschule gewünscht. Sie kommt aber nach Sottrum, in der Diskussion ist man sozusagen außen vor. Ärgert Sie das eigentlich?

Michael Schröck: Das ärgert mich natürlich. Ich bin ja Bürgermeister von Horstedt, als der finde ich wichtig, dass wir den Menschen hier etwas anbieten können. Wir haben ganz hier knapp eine zweizügige Grundschule. Das Problem ist, dass sie vielleicht einzügig wird, wenn wir Angebote in Sottrum schaffen, die aus Horstedt Schüler abziehen. Eine zweizügige Schule ist allerdings besser für uns, da man dann zum Beispiel eher Lehrer bekommt, die sie auch leiten wollen.

Insbesondere die Kritiker befürchten, dass andere Schulstandorte durch einen Ganztag in Sottrum geschwächt werden. Der Meinung sind Sie auch?

Schröck: Ja, wir hatten ebenfalls die Idee, dass wir hier eine Ganztagsschule installieren könnten. Aber es ist schon finanziell ein riesengroßes Ding. Dann sind noch die Horte im Gespräch, die sich allerdings stark von Ganztagsgrundschulen unterscheiden. Diese Unterschiede müsste man erst mal besser herauskristallisieren, damit die Eltern besser Bescheid wissen, was bei der Entscheidung wichtig ist.

Manchen geht es einfach nur darum, dass Kinder auch nachmittags betreut werden. Ist es da nicht egal, ob nun ein Hort kommt oder eine Ganztagsschule?

Schröck: Überhaupt nicht. Der Hort hat zu Beispiel längere Öffnungszeiten. Der Nachteil ist allerdings, dass er von den Eltern bezahlt werden muss. Die Ferienzeiten sind auch kürzer als bei einer Schule.

Was ist denn nun die bessere Lösung?

Schröck: Das ist individuell unterschiedlich. Ich als Bürgermeister möchte den Familien gönnen, dass sie eine Betreuung über einen längeren Zeitraum bekommen können. Wenn das über die Schule nicht abgedeckt wird, müssen wir dann leider einen Hort ins Leben rufen. Ich sage „leider“, weil das eine Angelegenheit der Gemeinde wäre. Da müssten wir uns kümmern, und die Kosten lägen ebenfalls bei uns. Die müssten wir weiter verteilen.

Was unternimmt man in der Gemeinde Horstedt in dieser Sache jetzt?

Schröck: Die Gemeinde plant noch nichts, aber ich mache mir schon Gedanken. Die Samtgemeinde gibt jetzt noch mal einen Fragebogen heraus raus, um die Interessen der Eltern zu ergründen. Das könnte ein wichtiges Indiz werden, damit die Politik richtig entscheidet. Ich halte die Umfrage für sehr wichtig und versuche zudem, eine Infoveranstaltung zu machen, um selbst ein Bild davon zu bekommen, was in Horstedt gewollt ist. Wir können ja schlecht einen Hort einrichten und dann kommen nur drei Kinder.

Was ist Ihr Standpunkt zum Hort?

Schröck: Man muss halt zusehen, wie man damit weiter umgeht. Ich bin durchaus an einem Hort interessiert, aber ich weiß auch, dass es ein langer Weg ist. Am liebsten würde ich den Horstedtern sofort einen Hort gönnen; ich fände es doof, wenn Leute sich bei einem geplanten Zuzug gegen Horstedt entscheiden oder gar wegziehen, weil sie einfach keine Möglichkeit haben, die Kinder unterzubringen und arbeiten zu gehen.

Ist ein Hort überhaupt finanziell machbar?

Schröck: Ob das nun finanzierbar ist, steht auf einem anderen Blatt. Man kann am Ende auch nicht die Gebühren so hoch ansetzen, dass man den Hort am Ende mit drei Kindern finanziert. Das ist ein Rechenexempel: Wir müssten baulich etwas machen. Dafür würde es zwar Zuschüsse geben, aber das hieße natürlich auch, dass wir selbst ebenfalls bezahlen müssen. Ein Kollege sagte mal: „Noch ein Zuschuss und wir sind pleite (lacht)“. Ich bin großer Befürworter des Hortes, habe sogar schon Ideen zur Verwirklichung im Kopf, aber zunächst müssen wir abwarten.

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