Horte: Weiter wie geplant

Der Wiestekindergarten in Sottrum. Im kommenden Jahr soll dort ein Hort einziehen. Archivfoto: Röhrs

Die Bundesregierung hat einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung von Grundschulkindern auf den Weg gebracht. Viele sehen diese Pläne kritisch, so auch in der Samtgemeinde Sottrum. Dort ist man ohnehin dabei, die Betreuungszeiten für Kinder auszubauen. Und davon lässt man sich trotz des Vorstoßes aus Berlin erstmal nicht abbringen.

VON MATTHIAS RÖHRS

Sottrum – Wenn es nach der Bundesregierung geht, sollen Grundschulkinder bis 2025 einen Anspruch auf eine Ganztagsbetreuung haben. Eine Idee, die in der Samtgemeinde Sottrum ebenfalls hochaktuell ist – bloß auf anderer Ebene. Schließlich organisieren die Gemeinden gerade, wie man die Betreuung der Kinder nach Schulschluss gewährleisten kann, wenn die Eltern diesen Bedarf haben. Allerdings favorisiert man eine Hortlösung.

Konterkarieren die Pläne der Bundesregierung nun die in der Samtgemeinde? „Das ist eine spannende Frage“, sagt Bürgermeister Peter Freytag. Er bezweifelt allerdings, dass der Anspruch auf die Ganztagsbetreuung bis 2025 überhaupt umsetzbar ist. Damit steht er nicht alleine da. Der Zeitfaktor ist neben der Finanzierung einer der hauptsächlichen Gegenargumente der Kritiker. Zwei Milliarden Euro hat der Bund eingeplant. Zu wenig, sagt zum Beispiel der Niedersächsische Städte und Gemeindebund. Dieser beruft sich auf eine Schätzung der Kultusminister der Länder, die von mehr als zehn Milliarden Euro Kosten ausgeht.

Wenn die Bundesregierung den Rechtsanspruch durchsetzt, müsse Berlin auch die komplette Finanzierung übernehmen, so die Forderung Freytags. Das beziehe sich nicht nur auf Baukosten, sondern genauso auf das zusätzliche Personal. Das müsse, sofern es überhaupt genug davon gebe, aus Bundesmitteln bezahlt werden – ein zentrales Ansinnen der Länder. Hier gilt es zu differenzieren: Sind am Ende Lehrer nachmittags für die Schüler zuständig – Stichwort offene Ganztagsschule – wäre das Land Niedersachsen der Kostenträger der Sottrumer Pädagogen. Werden es Betreuer sein, müssten die Gemeinden bei der Finanzierung ran. Ohnehin müsste Platz geschaffen werden. Freytag: „Wir hätten dann einen immens hohen Raumbedarf.“

Im Rathaus und in den Mitgliedsgemeinden verfährt man also weiter wie geplant. „Es bringt ja nichts, jetzt alles über den Haufen zu werfen“, sagt Holger Bahrenburg, Gemeindedirektor in Sottrum und Leiter der Samtgemeinde-Schulverwaltung. An den Grundschulstandorten sollen mit Orientierung an den Schulbezirken Horte entstehen. Sottrum plant einen eigenen am Wiestekindergarten, da man dort baulich wenig verändern müsse, so Bahrenburg. Die politischen Beratungen sollen im Januar beginnen, zum 1. August 2020 könnte der Hort dann starten. Bahrenburg räumt jedoch auch ein, dass der Zeitplan „ambitioniert“ sei.

Auch in den anderen Gemeinden laufen die Gespräche. Hellwege wird wohl den bereits in den Räumen der Aue-Grundschule in Ahausen bestehenden Hort mitnutzen. Reeßumer und Hassendorfer Kinder kommen nach Bötersen, wo ein altes Lehrerhaus in direkter Nachbarschaft zur Grundschule umgebaut wird.

Die Horte haben das Ziel, so Bahrenburg, dass die Eltern nach der Kindergartenzeit ihre Arbeitsstunden nicht reduzieren müssen. Denn in den Sottrumer Kindergärten werden aktuell bereits die Betreuungszeiten ausgeweitet. Als Nächstes soll das am Kindergarten Pusteblume geschehen – Starttermin hier: der 1. Februar 2020. Aber auch dafür gebe es „noch einiges zu tun“, so der Gemeindedirektor.

Für Samtgemeindebürgermeister Freytag stellt sich darüber hinaus die Frage nach dem Bedarf nach einer Nachmittagsbetreuung der Grundschulkinder. Auch deswegen hat man sich einst für die Hort-Lösung und gegen Ganztagsgrundschulen entschieden. Er beruft sich auf eine Umfrage unter den Eltern aus dem Frühjahr 2018. So oder so: Investitionen in die Horte wären für ihn keine Verschwendung, selbst wenn die Bundesregierung ihre Pläne durchbringt. Die könnten dann auch für einen Ganztag genutzt werden.

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