Was der andere wissen will

Holger Bahrenburg und Nicolas Fricke im gegenseitigen Interview

Nicolas Fricke (l.) und Holger Bahrenburg im Gespräch
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Holger Bahrenburg interviewt Nicolas Fricke (l.), Nicolas Fricke befragt Holger Bahrenburg

Sonntagabend wissen die Sottrumer, wer künftig im Rathaus das Sagen hat. Bevor es allerdings so weit ist, sitzen sich beide Kandidaten - Holger Bahrenburg und Nicolas Fricke - im Pressehaus der Rotenburger Kreiszeitung gegenüber und fühlen sich gegenseitig auf den Zahn.

Sottrum - Auch nach der Kommunalwahl am 12. September ist es bislang zu keinem Schlagabtausch zwischen den verbliebenen Sottrumer Samtgemeinde-Bürgermeisterkandidaten Holger Bahrenburg und Nicolas Fricke (beide parteilos) gekommen – dabei treten sie am Sonntag in einer Stichwahl gegeneinander an. Am Ende des Tages weiß die Samtgemeinde endlich, wer ab November die Geschicke im Rathaus als Nachfolger von Peter Freytag, der nicht mehr angetreten ist, führen wird. Im Pressehaus der Rotenburger Kreiszeitung und der Rotenburger Rundschau haben sich beide Kandidaten in dieser Woche einmal länger gemeinsam in einem Raum aufgehalten – zu einem gegenseitigen Interview. Sechseinhalb Minuten hatte jeder Zeit, den anderen alles zu fragen, was er wissen möchte – sechseinhalb Minuten, die jeder mit seinen Fragen und Themen selbst gestalten durfte. Wer anfangen darf, wurde per Los bestimmt. Die Redaktion hat das Gespräch aufgezeichnet und transkribiert.

Nicolas Fricke steht Holger Bahrenburg Rede und Antwort.

„Schulen sind ein Schwerpunkt“ - Holger Bahrenburg interviewt Nicolas Fricke

Was motiviert Sie dazu, gerade in der Samtgemeinde Sottrum, zu der Sie bisher keinen Bezug hatten, Bürgermeister zu werden?

Der Bezug ist sicherlich nicht da, da haben Sie vollkommen Recht. Ich habe seinerzeit insbesondere mit Wolfgang Harling (SPD-Fraktionsvorsitzender im Samtgemeinderat; Anm. d. Red.) ausführliche Gespräche geführt. Und natürlich habe ich auch gefragt, wie er sich das denn vorstellt, wie jemand von außen Samtgemeindebürgermeister werden soll? Er hat mir zum einen die Aufgaben und Herausforderungen sehr intensiv geschildert und mir dabei gezeigt, was für eine spannende Aufgabe das werden kann. Das ist erst einmal der eine Grund. Der andere Grund ist, dass es im Prinzip wohnortnah ist momentan. Ich habe nie ausgeschlossen, dass ich nicht auch umziehen würde. Aber meine Tochter ist jetzt gerade in der vierten Klasse, also kommt es für dieses Jahr auf jeden Fall nicht in Betracht. Und danach schauen wir weiter.

Wenn Sie so eine hohe Motivation haben, die höre ich da heraus, warum haben Sie denn noch nicht an einer der bisher stattgefundenen öffentlichen Sitzungen teilgenommen?

Zunächst einmal muss man ganz ehrlich sagen, ist der Zeitpunkt meiner Kandidatur erst relativ spät erfolgt. Das wissen Sie ja selbst. Insofern haben wir jetzt einfach mehr Zeit darauf verwendet, den Wahlkampf vorzubereiten und zu machen, weil uns die Zeit auch gefehlt hat. Als ich im vergangenen Jahr die ersten Kontakte hatte, habe ich gefragt, ob es denn in Ordnung wäre, wenn man schon mal eine Sitzung besuchen würde. Auf der anderen Seite: Ich hätte es auch getan, wenn die Zeit da gewesen wäre. Aber sie hat schlicht und ergreifend gefehlt.

Im Wahlkampf verweisen Sie auf Ihre fachliche Qualifikation als Volljurist, geben aber weiter keine Hinweise auf Ihre bisherige Vita. Mit der Samtgemeinde Sottrum haben Sie quasi ein Unternehmen mit einem Haushaltsvolumen von 13 Millionen zu verantworten. Was zeichnet Sie aus, die Finanzen sicher und verantwortungsvoll für die Bürgerinnen und Bürger zu steuern?

Zunächst einmal müsste ich zur Vita eine Gegenfrage stellen. Was stellen Sie sich da noch vor? Ich war bei der Rotenburger Rundschau, war als Rechtsanwalt aktiv und bin das jetzt auch seit siebeneinhalb Jahren. Was jetzt den verantwortungsvollen Umgang mit Mitteln angeht, da können Sie sich sicher sein: Einerseits kann ich nicht alleine gerade über größere Summen entscheiden. Da brauche ich einen Samtgemeinderat für, der die Mittel freigibt. Zum anderen ist es so, dass ich ein Kontrollgremium habe. Und ich kann ein wenig rechnen, auch wenn ich Jurist bin und man uns unterstellt, nicht rechnen zu können. Und da werde ich mit drauf achten. Das ganz große Problem ist letzten Endes ja – auch wenn wir das Volumen von 13 Millionen haben –, dass nach wie vor die Abschlüsse noch fehlen. Insofern wissen wir gar nicht, was wir tatsächlich haben.

Was sind Ihrer Meinung nach die größten Stärken und Baustellen der Samtgemeinde Sottrum?

Zu den Baustellen gehört meiner Meinung nach auf jeden Fall der Bereich Schule – und zwar der Ganztag. In Sittensen, wo meine Kinder zur Schule gehen, haben wir einen offenen Ganztag, den gibt es schon seit einigen Jahren und der funktioniert auch gut. Ich weiß, Derartiges gibt es in Sottrum noch nicht. Wir haben aber noch die Gesetzesvorgabe, den Ganztag verpflichtend einzuführen. Das wird ein Schwerpunkt sein. Ein anderer Schwerpunkt ist, dass eine Lösung für die vielen fehlenden Haushaltsabschlüsse gefunden werden muss. Wenn wir einen Ganztag anschieben wollen, dann wird das nicht ohne Investitionen gehen. Das wissen Sie besser als ich, denn Sie sind ja in diesem Bereich tätig. Für Investitionen müssen wir wiederum wissen, wie viel Geld wir tatsächlich haben. Es beißt sich alles irgendwo. Stärken der Samtgemeinde: Ich sehe die Stärken ganz klar in der verkehrlichen Anbindung, die ist top. In Sittensen haben wir auch die Autobahn, aber was ist uns fehlt, ist eine vernünftige Anbindung zur Bahn oder Ähnliches. Und diese Stärken müssen wir nutzen.

Der Gemeindedirektor der Gemeinde Sottrum war zuletzt durch eine Leitungsposition der Samtgemeinde im Nebenamt besetzt (Er selbst; Anm. d. Red.). Wie sehen Sie die Zukunft der Gemeinde Sottrum und der anderen Mitgliedsgemeinden im Rathaus? Und wären Sie bei einer Wahl zum Samtgemeindebürgermeister auch bereit, das Amt des Gemeindedirektors zu übernehmen?

Darüber haben wir untereinander schon mal gesprochen. Dazu muss ich erst einmal im Amt sein, um mir das anschauen zu können, um in irgendeiner Form sagen zu können, wie wir das machen. Was die Gemeinde Sottrum in der Samtgemeinde angeht: Letztlich ist es die größte Gemeinde, aber es ist auch nur eine Gemeinde. Und es geht auch ganz stark darum, dass alle Gemeinden gleichmäßig entsprechend ihren Größen und Stärken bedient werden.

Nicolas Fricke

Nicolas Fricke bewirbt sich ohne „Stallgeruch“ um den Chefsessel in Sottrum: Er ist Rechtsanwalt und arbeitet seit 2014 als Anwalt, derzeit in einer Kanzlei für Baurecht in Hollenstedt, davor war er Redakteur bei der Rotenburger Rundschau. Der 53-Jährige lebt in Sittensen, ist verheiratet und Vater von zwei Kindern. Er tritt parteilos an, allerdings als Kandidat von SPD und Grüne.

Holger Bahrenburg stellt sich den Fragen von Nicolas Fricke.

„Immer wieder Blick für Neues“ - Nicolas Fricke interviewt Holger Bahrenburg

Sie sind seit 29 Jahren für die Samtgemeinde tätig ohne anderweitige berufliche Erfahrung. Es scheint dringend erforderlich, dass die Verwaltung der Samtgemeinde neu aufgestellt werden muss. Wie wollen Sie diese Schritte begleiten, wenn Sie bisher nur die Sicht aus der Verwaltung haben?

Ich habe in der Vergangenheit viele innovative Dinge bei der Samtgemeinde begleiten dürfen. Wir sind seit über einem Jahr dabei, die Verwaltung umzustrukturieren. Die Abteilungen sind neu aufgeteilt worden. Wir haben uns in der Digitalisierung weiter vorangebracht. Grundsätzlich, trotz dieser 29 Jahre Samtgemeinde, habe ich den Blick nach außen, ich treffe mich regelmäßig mit auswärtigen Kommunalverwaltungen und ich habe immer den Blick für Neues.

Im Vorfeld der Wahl haben sich alle Parteien letztlich gegen Sie als Kandidaten ausgesprochen. Wie wollen Sie vertrauensvoll zusammenarbeiten, nachdem alle Parteien gesagt haben, dass sie Sie als Samtgemeindebürgermeister nicht möchten?

Ich glaube, der Ansatz der Parteien war, dass sie für sich einen Kandidaten von außerhalb gewollt haben. Ich war ja auch bei der CDU und hatte mich vorgestellt. Ich bin dort nicht durchgefallen, im Gegenteil, ich stand schon zur Diskussion. Ich habe dann aber akzeptiert, dass sich alle Fraktionen einig waren, einen gemeinsamen Kandidaten zu stellen. Dann habe ich für mich die Entscheidung getroffen, weil ich auch eine Verantwortung für die Samtgemeinde sehe, dass ich dann selber kandidiere. Mit allen Konsequenzen und parteilos. Sollte ich jetzt gewählt werden, werde ich mit allen Parteien ins Gespräch gehen. Mir geht es um die Sache und nicht um parteipolitische Interessen, und ich glaube, das ist auch das, was die Bürgerinnen und Bürger in der Samtgemeinde wollen. Entsprechend hoffe ich auf eine sachliche und zielorientierte Zusammenarbeit auch in den nächsten fünf Jahre.

Herr Abel hatte seine Kandidatur damit begründet, dass er verhindern wollte, dass nur Verwaltungsleute zur Wahl stehen. Er hat gesagt: „Wenn jemand sein Leben in der Verwaltung verbracht hat, ist das für strategische Analysen eher schlecht.“ Wie wollen Sie seine Wähler davon überzeugen, Ihnen jetzt ihre Stimme zu geben?

Das ist ganz einfach. Diese Wähler sollen sich meine Arbeit der vergangenen sechs Jahre in Sottrum anschauen. Ich habe im Kindergartenbereich relativ viele Dinge …

Entschuldigen Sie, wenn ich dazwischen greife, aber sie hätten Sie ja schon direkt wählen können, wenn sie sich die letzten sechs Jahre angeschaut hätten.

Haben sie ja vielleicht nicht.

Haben sie vielleicht nicht, aber sie haben Herrn Abel gewählt, weil er gesagt hat, er will aus der Verwaltung keinen.

Aber die Frage war ja, wie ich sie überzeugen will. Und ich kann jetzt nur sagen, sie sollen sich meine Arbeit der letzten sechs Jahre in der Gemeinde Sottrum anschauen. Ich habe den Kindergarten, den Bauhof komplett umstrukturiert. Wir haben da die ersten wichtigen Schritte gemacht, und das ist auch meinem Vorgänger zu verdanken – und auch Frau Wendt, die frischen Wind ins Rathaus gebracht hat. Und daher glaube ich, ist es eine gute Kombination, jemanden aus der Region zu haben, der auch die Internas der letzten 30 Jahre kennt, und mit Frau Wendt jemand, die auch den Blick von außen hat.

Die letzten sechs Jahre haben Sie als Gemeindedirektor die Interessen der Gemeinde Sottrum vertreten. Die Bürgermeister der anderen Gemeinden haben den Eindruck, dass hier die Mentalität „Sottrum first“ vertreten wird und dass der Weg Richtung Einheitsgemeinde beschritten werden soll. Wie wollen Sie hier vertrauensvoll zusammenarbeiten?

Das ist nicht richtig. Natürlich habe ich in der Funktion als Gemeindedirektor eine Verantwortung. Ich habe einen Eid geschworen, die Interessen der Gemeinde Sottrum zu vertreten. Ich habe nicht ohne Grund gesagt: Werde ich als Samtgemeindebürgermeister nicht gewählt, ist das Thema für mich zu Ende. Weil es doch sehr viele Konflikte gegeben hat.

Das haben Sie aber nicht gesagt, als Sie sich haben aufstellen lassen. Das haben Sie jetzt gesagt. Im Januar haben Sie gesagt: „Im Falle einer Niederlage würde sich nichts ändern.“

Ja, an meiner Funktion im Rathaus wird sich nichts ändern. Ich werde weiter Abteilungsleiter bleiben. Die Funktion als Gemeindedirektor ist im Nebenamt, und es ist ja auch nicht klar, ob der Sottrumer Gemeinderat mich überhaupt als Gemeindedirektor wiederwählen würde. Es hat mir viel Spaß gemacht. Ich kann nur unter dieser Struktur den Gemeindedirektor nicht weiter machen, weil es zu hohes Konfliktpotenzial gibt. Ich werde als Samtgemeindebürgermeister allen Mitgliedsgemeinden anbieten, den Gemeindedirektor zu übernehmen, wenn diese Hilfe und Unterstützung brauchen und werde das aus dem Rathaus heraus steuern.

Holger Bahrenburg

Holger Bahrenburg ist das „bekannte Gesicht“ im Rennen um das Rathaus: Er arbeitet seit 29 Jahren in der Verwaltung der Samtgemeinde Sottrum, derzeit als Leiter der Schul- und Liegenschaftsverwaltung, dazu ist er Gemeindedirektor der Gemeinde Sottrum. Der 45-Jährige lebt in Horstedt, ist verheiratet und Vater von zwei Kindern. Der Parteilose wird vom CDU-Vorstand unterstützt. 

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