Gemeindedirektor will an Samtgemeinde-Spitze

Sottrum: Holger Bahrenburg kandidiert als Bürgermeister

Porträtfoto von Holger Bahrenburg im Sottrumer Heimathaus.
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Holger Bahrenburg will Chef der Samtgemeinde-Verwaltung werden.

Holger Bahrenburg kandidiert als Samtgemeindebürgermeister in Sottrum. Der Sottrumer Gemeindedirektor und Abteilungsleiter im Rathaus ist Einzelbewerber, die Parteien wollen einen eigenen Kandidaten stellen.

  • Holger Bahrenburg bewirbt sich als Einzelbewerber als Sottrumer Samtgemeindebürgermeister.
  • Einen Gegenkandidaten gibt es noch nicht, der soll aber noch kommen.
  • Die Sottrumer Parteien haben ihn nicht in die engere Wahl genommen.

Sottrum – Mit Holger Bahrenburg gibt es einen ersten Kandidaten für das Amt des Sottrumer Samtgemeindebürgermeisters. Der 45-Jährige aus Horstedt hat am späten Mittwochabend mitgeteilt, dass er sich entschieden hat, bei der kommenden Kommunalwahl am 12. September als parteiloser Einzelbewerber anzutreten. Dass das ein wenig überraschend kommt, konnte er in einer ersten mündlichen Stellungnahme dazu nachvollziehen. Tags darauf gibt er sich im Gespräch mit der Kreiszeitung aber selbstsicher. Es könnte sich als Drahtseilakt herausstellen.

Nun ist der Wahlkampf um den Posten des Samtgemeindebürgermeisters also auch in Sottrum offiziell gestartet. Bahrenburg ist aktuell Leiter der Schul- und Liegenschaftsverwaltung im Rathaus und im Nebenamt Sottrums Gemeindedirektor. Seit vergangenem Herbst denke er darüber nach, zu kandidieren, erzählt er. Um den Jahreswechsel herum sei die Entscheidung dann gefallen: Er möchte nach dem Ausscheiden Peter Freytags, der bereits im vergangenen Sommer eine weitere Kandidatur ausgeschlossen hatte, nach der Wahl selbst im Bürgermeisterbüro im Rathaus Platz nehmen.

Gemeinsamer Kandidat der Parteien steht noch aus

Bis jetzt macht ihm noch niemand dieses Vorhaben streitig. Die Sottrumer Parteien wollen einen gemeinsamen Kandidaten präsentieren, Fakten haben sie aber noch keine geschaffen. Seit Monaten gibt es Gespräche hinter den Kulissen. Auch er habe dabei Vorgespräche geführt, so Bahrenburg – mit der CDU. „Ich kam aber nicht in die engere Wahl.“ Abgehalten habe ihn das nicht. „Dafür kann ich jetzt frei agieren“, sagt er. Manche Sottrumer haben ihn auf eine Kandidatur angesprochen, und vor allem habe er die Chance nicht auslassen wollen.

Bahrenburg ist sozusagen Kind des Sottrumer Rathauses, er hat schon seine Ausbildung 1992 dort begonnen und bis auf seine Wehrdienstzeit in Rotenburg und einige Jahre am Niedersächsischen Studieninstitut für kommunale Verwaltung in Hannover immer dort gearbeitet.

Bahrenburg wähnt Vorteile auf seiner Seite

Ein gemeinsamer Kandidat der Sottrumer Parteien genießt starken Rückhalt, doch Bahrenburg wähnt Vorteile auf seiner Seite. „Der Großteil der Samtgemeinde kennt mich und kann mich einschätzen“, sagt der Horstedter. In den jetzt beinahe fünf Jahren als Gemeindedirektor habe er mit der Politik viel umgesetzt, etwa Kinderkrippen gebaut, Baugebiete entwickelt, das Entwicklungskonzept „Sottrum 2030“ auf den Weg gebracht, Gewerbe angesiedelt.

„Die Bürger haben gesehen, wie ich arbeite. Auch die Probleme haben sie gesehen, ich bin nicht unfehlbar.“ Zusammen mit seinen Aufgaben im Schul- und Liegenschaftsamt habe er mit vielen Leuten zu tun, stecke in vielen Themen wie Schule und Freibad drin. All das würde für ihn sprechen.

Als Samtgemeindebürgermeister möchte Bahrenburg die sogenannte Schnittstellenoptimierung weiterentwickeln, das Rathaus erweitern, die Schulstandorte mit einem Entwicklungsplan sowie die Feuerwehren stärken, die Digitalisierung und den Klimaschutz vorantreiben, Transparenz schaffen, das Thema Jahresabschlüsse beenden. Viele Themen sind aus der laufenden Wahlperiode bekannt. Er sei dennoch durchaus innovativ unterwegs, so Bahrenburg. Er sei für neue Dinge offen, bediene sich aber auch an den guten Sachen der Vergangenheit. „Wir sind auf einem guten Weg, den ich gerne fortführen möchte.“

Bahrenburg würde auch unter neuem Chef im Rathaus weiterarbeiten

Bahrenburg ist Fan des Fußball-Zweitligisten Hamburger SV, geht gerne ins Stadion und auch auf Festivals. „Das werde ich weiterhin tun, auch als ein Bürgermeister.“ Er ist verheiratet, hat einen Sohn und eine Tochter. Die Familie geht gerne mit dem Hund spazieren, im Urlaub fährt sie oft nach Österreich zum Wandern. Dazu ist Bahrenburg noch Mitglied im SV Horstedt, der Freiwilligen Feuerwehr und dem Horstedter Dorfverein.

Man kandidiere nicht allein, um am Ende Bürgermeister zu sein, sagt Bahrenburg. Man möchte lieber die Region weiterentwickeln. Dennoch bleibt die Kandidatur nicht ohne Risiko. Sollte er gewinnen, baue er auf Vertrauen, Offenheit und Sachlichkeit im Rat, auch wenn er nicht der Kandidat der Parteien war. Es sei dann immerhin eine demokratische Entscheidung. Wenn er verliere, bleibe alles, wie es ist, glaubt er.

Als Sportler sei ihm klar, dass nur einer gewinnen kann. „Wenn man verliert, war der andere eben besser.“ Er habe auch kein Problem damit, unter einem neuen Chef zu arbeiten. „Da steht am Ende keine Rechnung offen. Wie dann der neue Bürgermeister damit umgeht, steht auf einem anderen Blatt.“ Bahrenburg erwartet daher einen fairen Wahlkampf.

Kommentar: In Bahrenburg steckt ein Zocker

Wenn man Holger Bahrenburg glaubt, war der Zeitpunkt der Bekanntgabe seiner Kandidatur zum Samtgemeindebürgermeister eher zufällig gewählt. Aus taktischer Sicht hätte es allerdings kaum einen Besseren geben können. Während die Sottrumer Parteien, die einen gemeinsamen Kandidaten ausloten wollen, noch reden, hat er als vermeintlicher Underdog einfach selbst den Startschuss gegeben und bereits einige Meter gutmachen können.

Natürlich ist Wahlkampf ein Langstreckenlauf und der 12. September noch weit weg. Aber es gewinnt sich leichter, wenn der Konkurrent vielleicht keine Lust mehr hat, überhaupt noch hinterherzurennen. Eine Kalkulation, die man Bahrenburg eigentlich nicht zutraut – und doch stimmen könnte. Warum sich die Suche nach einem Konkurrenten bei den Parteien so lange hinzieht, ist nicht bekannt. Tatsache ist, Bewerber sind rar gesät. Dem Vernehmen nach sind Gespräche mit einer Person weit fortgeschritten.

Mit der Kandidatur Bahrenburgs ist den Parteien allerdings ein wichtiges Argument flöten gegangen: Die Kandidatur für ein Samtgemeindebürgermeisteramt in Sottrum ist kein Selbstläufer mehr. Und wenn die unerwartete Konkurrenz schon ein paar Meter voraus ist, gewinnt es sich schwerer. Man kann von Bahrenburg halten, was man möchte. Er steht nicht unbedingt für Aufbruchstimmung und ist vielleicht zu sehr Verwaltungsmann als Politiker für diesen Job. Doch er ist ein Risiko eingegangen, dass sich schon früh besonders hoch auszahlen kann, sollten weitere Interessenten eine Konkurrenz scheuen. Vielleicht unbewusst hat Bahrenburg gezeigt, dass in diesem nach Außen hin eher trockenen Verwaltungsmann auch ein Zocker steckt.

Matthias Röhrs

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