Benning-Ausstellung eröffnet

Hoher Himmel, weiter Blick - in der Galerie Gerlach

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Maler Michael Benning (l.) mit Kunsthistoriker Jürgen Weichardt, der in die Ausstellung einführte.

Sottrum - Von Heidi Stahl. Die zweite Ausstellung der Galerie Gerlach in Sottrum zeigt Bilder des norddeutschen Malers Michael Benning aus seiner Schaffensperiode nach der Jahrtausendwende. Die Hausherren, Dörte Gerlach und Karl Schmeichel, verrieten in der Begrüßung der zahlreich erschienenen Gäste bei der Vernissage am Sonntag, dass Schmeichel den Künstler schon vor vierzig Jahren kennen und schätzen gelernt habe und sie sich nun freuten, die Freundschaft nach so langer Pause wieder auffrischen zu können. Ab Freitag ist die Ausstellung auch der Öffentlichkeit zugänglich.

Bennings hier unter dem Titel „Dem Himmel nah“ gezeigten Bilder sind freilich ganz anders als seine damals geschaffenen. Wurde der 1947 in Bergen bei Celle geborene Künstler in den 70er und 80er Jahren bekannt mit düsteren, nur der reinen Form verpflichteten schwarzen und grauen Bildern und Druckgrafiken, so sind die in der Ausstellung gezeigten Werke der totale Gegensatz zu dieser monochromen Sichtweise. Sie entstanden, nachdem ihn 2002 eine lebensbedrohende Krankheit zu einer fast dreijährigen Pause zwangen.

Der Oldenburger Kunsthistoriker und versierte Kunstkritiker Jürgen Weichardt, öffnete den Zuschauern in seiner Einführung die Augen für die jetzt ausgestellten Landschaftsbilder. Auch er kennt den Künstler aus seinen früheren Schaffensperioden und hat schon mehrere seiner Ausstellungen eröffnet. Über die in Ölpastellkreide und eindringlicher Farbintensität strahlenden ruhigen Landschaften, sagt er, dass man „lernen möge, diese Bilder ohne den Ballast des erworbenen kunsthistorischen Wissens anzuschauen und naiv auf sich wirken lassen sollte“.

Zufälle ausgeschlossen

Die weiten Räume unter hohem Himmel zeigen durch Wege, Ackerfurchen und florale Begrenzungen eine Fülle von Sichtweisen, Sehachsen und Perspektiven in einer unverrückbaren Beständigkeit, die einen Raum darstellen, der durch nichts gestört werden soll. Deshalb zeigen die Bilder auch keine Menschen oder Tiere: Alle Zufälle werden ausgeschlossen, die Landschaft ist ohne Bewegung und Begegnung, nur der Himmel bestimmt durch verschiedene Formationen, Blau- oder Grautöne verschiedene Zeiten, Intentionen und Stimmungen.

Benning arbeitet mit der selten verwendeten und technisch schwierigen Ölpastellkreide auf Papier. Die Ölkreide ist ein Material, das die Farbpigmente ganz fein verrieben in durchscheinende Effekte verwandelt oder grobkörnig plastisch auf dem Blatt stehen bleiben lässt. Die Landschaften, die eigentlich unauffällig sind und niemanden aufregen, erfahren durch Bennings ganz speziellem Einsatz von Licht eine einzigartige Spannung. „Sie gehen über den Verstand hinaus, sie gehen ins Herz“, wie Weichardt es formulierte. In einem besonderen Raum der Galerie kann man noch mehrere von Bennings früheren „schwarzen Bildern“ sehen und Vergleiche zu der jetzigen, völlig anderen Schaffensperiode anstellen.

Am kommenden Freitag ab 19 Uhr wird Dörte Gerlach diese sehenswerte Ausstellung mit einer Einführung für interessierte Besucher zugänglich machen, und danach ist die Galerie jeweils sonntags von 12 bis 18 Uhr bis zum 22. Oktober an der Lindenstraße 101 geöffnet.

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