„Hoheit bleibt in den Dörfern“ 

Hans-Jürgen Krahn über Sottrums und seine eigene Zukunft

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Die Gemeinden sollen enger zusammenarbeiten, so Sottrums Bürgermeister Hans-Jürgen Krahn. Beispielgebend könnte das Gewerbegebiet an der Autobahn 1 sein, wenn die Gemeinde Reeßum auf ihrer Seite ebenfalls Flächen entwickelt.

Sottrum - Im Jahr 2019 hat die Gemeinde Sottrum so manche Weiche für die Zukunft gestellt. Mit dem Entwicklungskonzept „Sottrum 2030“ arbeitet der Ort selbst heraus, wie das Leben in Sottrum aussehen wird. Doch auch auf Samtgemeindeebene stehen Veränderungen an. Mit Bürgermeister Hans-Jürgen Krahn (CDU) haben wir über die Perspektiven Sottrums gesprochen.

Für langfristige Planung steht das Entwicklungskonzept „Sottrum 2030“. Auch auf Samtgemeinde-ebene haben Sie vorgeschlagen, sich mit einer langfristigen Planung zu beschäftigen. Warum ist man das nicht gleich Entwicklungskonzept nicht gleich gemeinsam angegangen?

Will bei der Kommunalwahl 2021 wieder kandidieren: Sottrums Bürgermeister Hans-Jürgen Krahn (CDU).

Das ist eine gute Frage. Die Samtgemeinde hat sich ja indirekt auf den Weg gemacht und fängt an, ihre Strukturen zu überdenken. Aber man kann nicht zu viele Baustellen gleichzeitig bewerkstelligen. Es ist ja jetzt schon sehr schwierig. Als Kernort mit „Sottrum 2030“ voranzugehen ist daher völlig richtig. Aber im Endeffekt muss man sich die Frage stellen, wie sich das hinterher als beispielgebend auswirkt – etwa bei der Gewerbeansiedlung.

Sind Sie mit dem bisherigen Ergebnis von „Sottrum 2030“ zufrieden?

Ja, ich bin sehr zufrieden und erfreut, dass die Bürger auch so zahlreich daran teilgenommen haben. Die Jugend wurde zuletzt ja auch befragt, die haben auch viele gute Ideen eingebracht. Ob das jetzt alles umsetzbar ist, ist eine andere Frage. Wir haben jetzt den ersten Schritt gemacht und werden noch mal die Bürger beteiligen.

Haben Sie sich das auch vorher so vorgestellt?

Viele von den von Bürgern angesprochenen Punkte – etwa die Problematik des Verkehrs insgesamt in Sottrum oder die Teilung durch die Bundesstraße – sehe ich genauso. Was ich gut fand, war die Idee eines Radschnellwegs von Süden nach Norden. Ob das am Ende umsetzbar ist, ist eine andere Frage. Aber der Vorschlag, eine Verbindung ohne Autoverkehr neben Lindenstraße oder Bahnhofstraße zu schaffen, ist gut. Es sind noch einige Gedanken dazu gekommen, aber größtenteils war es deckungsgleich mit den Erwartungen.

Ist eine langfristige Planung in und für Sottrum eigentlich noch sinnvoll?

Auf jeden Fall.

Auch trotz Samtgemeinde-Strukturreform? Themen, die in den Gemeinden aktuell beraten werden, könnten danach nicht mehr in ihrer Zuständigkeit liegen…

Jein. Ich bin überzeugt, dass es eine Einheitsgemeinde nicht so schnell geben wird. Die Samtgemeinde ist in ihrer Ausdehnung ein großes Konstrukt und Sottrum als Kernort hat nicht die gleiche Bindungskraft wie zum Beispiel Rotenburg, um eine Beziehung etwa zu Eversenern leicht aufbauen zu können. Ich glaube, wir werden in Zukunft zwar viele Dinge in die Samtgemeinde geben, aber die politischen Beschlüsse, die politische Hoheit wird in den Dörfern bleiben.

Sie regen dennoch eine engere Zusammenarbeit zwischen den Gemeinden an. Ist das als Vorstoß zu einer vagen Zukunft „Einheitsgemeinde Sottrum“?

Wir müssen versuchen, die Beziehungen auf eine andere Basis zu stellen, eine Einheitsgemeinde Sottrum wird es aber so schnell nicht geben.

Wie stellen Sie sich dann die engere Zusammenarbeit vor?

Indem man zum Beispiel den Bereich Wirtschaft struktureller denkt – nicht nur auf den Ort Sottrum bezogen. Gemeinden, die eine Beziehung zueinander haben, müssen sich mehr abstimmen.

Wie können solche Strukturen konkret aussehen? Gehen Sie dann regelmäßig mit dem Hassendorfer Bürgermeister Klaus Dreyer Kaffee trinken?

Nein, das nicht. Klar müssen sich die Gemeindespitzen unterhalten, aber von der Samtgemeinde müssen auch die Ideen kommen. Wenn ein neues Raumordnungsprogramm vom Landkreis kommt, dann muss in der Samtgemeinde vorgedacht werden, welche Chancen darin stecken und welche Dinge man umsetzen kann. Das können die jeweiligen Bürgermeister teilweise gar nicht erkennen, wenn sie nicht in den entsprechenden Gremien im Landkreis sitzen.

Wie zäh werden die Verhandlungen zur Strukturreform?

Ich hoffe, dass wir relativ zügig zu einer Entscheidung kommen. Es ist mein Wunsch, dass sich das nicht lange hinzieht.

Welche Rolle spielen Sie dabei? Als Bürgermeister und als Samtgemeinderat – und das trifft auf einige ihrer Amtskollegen zu – müssen Sie ja mehrere Interessen vertreten.

Wenn Sottrum positiv aufgestellt wird, dann kann das auch nur positive Auswirkungen für die Samtgemeinde haben. Ich glaube, dass wir eine Win-win-Situation herstellen müssen. Da liegen die Interessen manchmal anders, das ist klar. Aber wir müssen alles im Blick haben, damit alle profitieren.

Machen Sie von dem Ergebnis eigentlich Ihre Kandidatur zum Bürgermeister im Jahr 2021 abhängig?

Ich habe länger darüber nachgedacht, ob ich weitermache. Wenn ich dann gesund bin, werde ich 2021 noch mal antreten.

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