Den Wikingern ganz nah

„Håkons Flokk“ aus Bötersen widmet sich leidenschaftlich den Nordmännern

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Die Wikinger-Gruppe aus Bötersen hat sich den Details verschrieben.

Bötersen - Von Matthias Daus. Wer an Wikinger denkt, der hat im Allgemeinen das Bild einer verwegenen Bande unrasierter Männer vor Augen, die mordend und plündernd durch die Weltgeschichte zogen und dabei immer diese Helme mit den Hörnern auf den Köpfen trugen. Dass dem bei Weitem nicht so war, erfährt man, wenn man sich mit den Mitgliedern von „Håkons Flokk“ unterhält.

Die Gruppe junger Leute aus der Gemeinde Bötersen hat sich vor etwas mehr als einem Jahr zusammengefunden, um eben genau die Zeit der Wikinger in vielen Facetten wieder aufleben zu lassen.

Gewänder - nicht Kostüme

Das beginnt mit der Herstellung originalgetreuer Kostüme, wobei sie aber diesen Ausdruck eher nicht verwenden. „Wir sagen lieber Gewänder, denn Kostüme das klingt so nach Karnevalsverein, und das sind wir definitiv nicht“, sagt Jan Hendrik Müller, der als Sprecher der aus gleichberechtigten Mitgliedern bestehenden Gruppe fungiert.

Sie alle eint das unbändige Interesse an einer längst vergangenen Epoche. Und wer sie sieht in ihren Gewändern, der würde nicht auf die Idee kommen, dass sie Wikinger darstellen. „Sie waren damals ein Handelsimperium und große Entdecker mit einer eigenen Kultur und Religion, und außerdem waren sie im handwerklichen Bereich wahre Künstler“, fasst Nico Behrens die Fakten über das nordische Volk zusammen.

„Wikinger machen Wikingersachen in Wikingerklamotten“

Doch wie kommt man dazu, sich auf eine derart intensive Weise mit einer längst vergangenen Epoche zu beschäftigen? Initialzündung war ein Dorfgrillen in Bötersen. Ein paar Gespräche am Lagerfeuer, bei denen Andy Schumacher als treibender Motor fungierte, machten sehr schnell klar, dass es eine Interessengemeinschaft für altertümliche Dinge gibt. Bis daraus die Idee für die eigentliche Gruppe geboren wurde, vergingen ein paar Monate.

Dann war aber schnell klar, dass man sich der Thematik intensiver widmen wolle. Kontakte wurden geknüpft und alle möglichen Quellen für eine umfassende Recherche bemüht, bis dann das Grundkonzept stand, welches sich mit dem augenzwinkernden Motto der Gruppe zusammenfassen lässt: „Wikinger machen Wikingersachen in Wikingerklamotten!“

Eine ursprüngliche Art des Lebens

Der Anspruch ist dem Original so weit wie möglich nachzueifern, aber das Ganze soll mit Augenmaß geschehen. „Wir sehen das Ganze mit einer gewissen Leichtigkeit, und wenn wir etwas nicht selbst herstellen können, dann investieren wir und kaufen es. Was nicht verwerflich ist, denn schließlich waren die Wikinger ja auch als Kaufleute bekannt, womit wir historisch wieder sehr angenähert sind“, sagt Müller.

Im Laufe der Zeit sind neben den Gewändern auch andere Dinge entstanden. Wie zum Beispiel ein Tisch mit zwei Bänken – eine altertümliche Bierzeltgarnitur wenn man so will –, eine Feldküche und zwei große Zelte. Gegenstände, die in ihrer Bauweise möglichst detailgetreu an die Vergangenheit angelehnt sind. Das gilt sowohl für die verwendeten Materialien, als auch für die praktische Umsetzung der handwerklichen Arbeiten.

Frei von Handys und Terminen in eine andere Zeit reisen

Den ersten Auftritt hatten sie beim Weihnachtsmarkt am Thölkes Hus in Höperhöfen, und dort werden sie auch auf dem Mittelaltermarkt am 15. und 16. Juli vertreten sein.

Das Ziel der Truppe ist es, auf einem der großen mittelalterlichen Treffen das Lager aufzuschlagen. „Ein Wochenende ohne all die Dinge des Alltags, die unser Leben zunehmend beherrschen. Frei von Handys und Terminen in eine andere Zeit reisen und eine ursprünglichere Art des Lebens kennenzulernen, das ist unser ganz großer Wunsch“, erläutert Müller, und seine Freunde stimmen ihm zu.

Bis dahin werden sie noch viel Zeit und Energie aufwenden, um ihre Fähigkeiten auszuweiten und das Equipment zu bereichern. Eine eingeschworene Gemeinschaft sind sie schon jetzt, bei der aus einem gemeinsamen Interesse Kameradschaft und Freundschaften entstanden sind. Neue Mitglieder seien höchst willkommen, und auch, wenn es sich um eine altertümliche Gruppe handelt, kann sich jeder Interessent über die modernen Medien über „Håkons Flokk“ informieren.

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