Simbav ist zufrieden mit der Arbeit in der Samtgemeinde

Hilfe von Eltern für Eltern

Das Familienforum Simbav hat seine Türen an der Großen Straße in Rotenburg wieder für Besucher geöffnet. Darüber freut sich Ina Helwig, denn das bedeutet auch, wieder näher an den Menschen zu sein. Foto: Beims

Sottrum/Rotenburg – Es ist der Funke, der übergesprungen ist. So beschreibt eine junge Mutter aus der Samtgemeinde Sottrum ihr Gefühl gegenüber dem Familienforum Simbav. Sie hat den Mitarbeitern einen langen, offenen Brief geschrieben, in dem sie „Danke“ sagen möchte. Simbav habe ihr in einer schweren Zeit geholfen – die Zeit nach der Geburt ihres Kindes, kurz nach dem Umzug in die Samtgemeinde, allein in einer neuen Umgebung. Dafür findet sie klare Worte: „Ohne Euch würde ich wahrscheinlich noch depressiv im Bett liegen“, schreibt die 29-Jährige darin.

Es sind viele offene und ehrliche Worte, die die junge Mutter findet. Sie beschreibt ihren Alltag: Den Umzug zu ihrem Mann, als sie erfuhren, dass ihr Kind unterwegs ist; die Glücksmomente während der Schwangerschaft, mit viel Zeit zu zweit. Aber auch die Zeit nach der Geburt – den ersten Besuch von der Familie, den großen Empfang. Viel Trubel für eine Frau, die fünf Tage zuvor ein Kind auf die Welt gebracht hatte. „Dass mir das als Mutter so kurz nach der Geburt viel zu viel und viel zu früh und hektisch war, darauf kam leider keiner und ich war physisch sowie psychisch eigentlich noch nicht bereit, unter Leute zu gehen“, so die 29-Jährige. In den Wochen danach sei ihr klar geworden, was ihr Umzug bedeutet: eine neue Stadt, neue Gesichter, die Freunde und eigene Familie in der Großstadt. Unsicherheit kam dazu: Finde ich Anschluss? Neue Freundschaften? Ein Gefühl, das viele Zugezogene kennen.

Menschen wie ihr und anderen Interessierten bietet Simbav seit vielen Jahren einen Hafen, mit einer „offenen Willkommenskultur“, wie Ina Helwig, Leitung im Familienforum, es im Gespräch beschreibt. Dafür seien die Gruppenleiterinnen, Ehrenamtliche und meist selber Mütter, sensibilisiert. Niemand wird ausgeschlossen, niemand verurteilt. „Es ist ein buntes Miteinander, es geht um die gleichen Themen, die alle bewegen.“

Den Brief der jungen Mutter möchte Helwig auf der Internetseite von Simbav veröffentlichen – er könne anderen Mut machen. Denn er sei ein schönes Beispiel dafür, wie „wichtig solche niederschwelligen Angebote sind“. Niederschwellig, das heißt, für alle offen – egal welcher finanzielle Hintergrund, welche Religion oder Herkunft. „Jeder ist angesprochen und niemand muss sich verpflichtet fühlen“, meint Helwig. Die Gruppenleiterinnen wissen genau, dass ein Kind nicht planbar ist – es mal gut, mal weniger gut drauf ist. Daher sind Besuche der Eltern-Kind-Gruppen wie in Hellwege und Reeßum immer spontan möglich.

Mit Erfolg: Allein 2019 seien in Hellwege 200 Erwachsene und 220 Kinder in der „Kunterbunt-Gruppe“ für Kinder bis drei Jahren zu Besuch gewesen (darunter fallen auch Mehrfachbesuche), in Reeßum seien es 340 Erwachsene und 450 Kinder gewesen. „Das wird sehr gut angenommen“, sagt Helwig. Dabei sei die Zukunft Simbavs – übrigens eines der drei regionalen Kompetenzzentren Frühe Hilfen im Landkreis – in Sottrum nicht immer so gewiss gewesen. Anfangs gab es mehrere Klippen zu umschiffen. Zunächst hatte das Familienforum Räume im Gemeindehaus der Sottrumer Kirche gehabt, zentral – aber keine optimale Lösung, erinnert sich Helwig. Auch die Finanzierung war ein Problem – es gab zunächst keine. Simbav erhielt zwar schon damals Förderung vom Landkreis und finanzierte die Gruppenarbeit zum Großteil aus Spenden, die „sollen aber natürlich nicht immer an einen Ort fließen“, macht sie deutlich. Da hatte sich die Gemeinde Hellwege für Simbav stark gemacht – und einen Raum im Heimat- und Kulturhaus zur Verfügung gestellt. „Der ist groß, hell und freundlich“, sagt Helwig. „Wir haben uns über den Zuspruch gefreut, unsere Arbeit wurde wertgeschätzt.“ Ein relevanter Faktor: „Es ist uns wichtig, dass die Gemeinden sich einbringen und der Rückhalt da ist. Das gibt uns ein gutes Gefühl, das auch auf die Eltern übergeht“, so Helwig.

2018 kam das Angebot aus Reeßum dazu, einen Raum im Mehrzweckgebäude zu nutzen. Das war wichtig, um ein zweites Angebot vorhalten zu können – pro Verwaltungseinheit des Kompetenzzentrums muss Simbav zwei Eltern-Kind-Angebote vorweisen. Die Überlegung sei da gewesen, beide Angebote zu verbinden, aber das sei letztlich doch verworfen worden. „So gibt es für viele Eltern relativ wohnortnahe Angebote, manche haben nicht immer ein Auto zur Verfügung und können die Gruppen dann sogar zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreichen.“

Die Ambitionen auch von Samtgemeinde-Seite hätten sich geändert – sehr zum Positiven. „Es war ein sehr offenes Miteinander während einer Ratssitzung. Die Mitglieder haben verstanden, was hinter unserer Arbeit steckt, warum sie so wichtig ist, das Interesse war da. Und natürlich auch, warum es über den Basisbetrag vom Landkreis hinaus so wichtig ist, das zu unterstützen“, meint Helwig. Und diese Unterstützung zeigt sich seitdem finanziell: Im ersten Jahr gab es einen Zuschuss von 2 000 Euro jährlich, mittlerweile sind es 3 000 Euro. „Es ist ein Wir-Gefühl geworden, ein Miteinander. Auch mal auf dem kurzen Weg“, beschreibt es Helwig.

Sie sieht die Arbeit vor allem für Zugezogene als wichtig an, denen zunächst der Anschluss fehlt – gerade, wenn das Baby auf der Welt ist. Da kommt die junge Mutter wieder ins Spiel. Auch sie beschreibt, wie sie durch einen Flyer in der Willkommenstasche der Familienbesucherinnen des Landkreises auf das Angebot aufmerksam geworden ist. „Auch wenn ich nicht weiß, was mich dort erwartet, andere Babys sind dort und wenn ich auch keine Freunde finde, soll wenigstens unser Kind welche finden. Und die Entwicklung wird sicher auch positiv gefördert durch so ein Angebot“, seien ihre ersten Gedanken gewesen. Und die offene Kultur fruchtet: „Wir fühlten uns direkt willkommen.“ Mittlerweile sei sie selbst ehrenamtliche Mitarbeiterin und schätze das Engagement aller Beteiligten – damit der Funke weiter überspringen kann.

Angebote des Simbav: Kleiner Re-Start unter Auflagen möglich

Statt der gewohnten Gruppenangebote gibt es während der Coronazeit ein Online-Programm, um „die Zeit zu überbrücken, Kontakt und Ansprechpartner zu haben“, sagt Ina Helwig. In 20-minütigen „Treffen“ gibt es Basteltipps, Fingerspiele oder die Gruppenleiterinnen singen mit Eltern und Kindern. Wer möchte, kann im Anschluss an einer Austauschrunde für Eltern teilnehmen. Zudem gibt es einen „evening talk“, auch mit Fachleuten, sowie einmal pro Woche eine Gutenachtgeschichte für Kinder. Ab der kommenden Woche sind Onlinevorträge für Eltern geplant – kommt das Angebot an, wird es nach der Coronazeit fortgesetzt. Damit erreiche man auch die, die bei den Vorträgen bisher nicht dabei sein konnten. Wer teilnehmen möchte, sollte sich für den Newsletter anmelden, den die Mitarbeiter neu entwickelt haben. „Ich bin stolz auf unser Online-Team, das kostet auch Mut, besonders für die Gruppenleitungen.“ Angebote wie die Waldgruppen oder die Tonwerkstatt können unter bestimmten Auflagen in Kürze wieder stattfinden, Informationen dazu werden rechtzeitig auf der Internetseite bekannt gegeben.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

„Wer ist diese Mannschaft, die da gegen Gladbach spielt?“ Netzreaktionen zu #SVWBMG

„Wer ist diese Mannschaft, die da gegen Gladbach spielt?“ Netzreaktionen zu #SVWBMG

Italiens Topattraktionen öffnen wieder

Italiens Topattraktionen öffnen wieder

Leipzig schwächelt im Titelkampf - Nächster Schalke-Dämpfer

Leipzig schwächelt im Titelkampf - Nächster Schalke-Dämpfer

Food-Trip: Diese Schwarzwaldmädels gehen ihren eigenen Weg

Food-Trip: Diese Schwarzwaldmädels gehen ihren eigenen Weg

Meistgelesene Artikel

Neuer Lebensraum für Wildbienen

Neuer Lebensraum für Wildbienen

Interview am Wochenende: Schulleiterin Susanne Enders geht in den Ruhestand

Interview am Wochenende: Schulleiterin Susanne Enders geht in den Ruhestand

Intensiver Gedankenaustausch bei Simbav

Intensiver Gedankenaustausch bei Simbav

Corona und die lieben Finanzen

Corona und die lieben Finanzen

Kommentare