Stromtrassenbau: Samtgemeinde zieht Stellungnahme pro Freileitung zurück

Hilfe für Bürgerinitiative

Die Umsetzung des Ersatzneubaus der Stromtrasse Stade-Landesbergen ist umstritten. Archivfoto: Röhrs

Sottrum/Hassendorf – Die Bürgerinitiative „Hassendorf unter Strom“ hat ihr Markenzeichen mitgebracht. Gelbe Kreuze mit den Worten „Pro Erdkabel“ begrüßten die Samtgemeinderäte am Donnerstag auf dem Weg in den Ratssaal im Sottrumer Rathaus. Auf der Tagesordnung: der Ersatzneubau der Stromtrasse Stade-Landesbergen. Diese sorgt insbesondere im benachbarten Hassendorf für Aufsehen. Der Plan ist, dass im Zuge des Ersatzneubaus eine Freileitung über dem Ortsteil Bahnhof verschwinden wird. Die Frage ist nur: wohin? Unter anderem der Netzbetreiber Tennet favorisiert eine Freileitung östlich am Dorf vorbei, die Bürgerinitiative wünscht sich eine Erdverkabelung, da sie sonst unter anderem zu große Einschnitte in Natur und Landschaft befürchtet. Tennet arbeitet hierzu gerade einen Prüfauftrag des Amtes für regionale Raumentwicklung (ArL) in Lüneburg ab.

Ein wenig Rückendeckung hat die Bürgerinitiative nun vom Sottrumer Samtgemeinderat bekommen. Dieser hat am Donnerstag auf Empfehlung des nicht-öffentlichen Samtgemeindeausschusses einstimmig eine Stellungnahme zugunsten einer Freileitung aus dem vergangenen Jahr zurückgezogen. Das hatte der Hassendorfer Gemeinderat im Herbst ebenfalls getan. Eigentlich stand am Donnerstag ein Antrag der Grünen-Fraktion auf der Tagesordnung, dass die Samtgemeinde die damalige Entscheidung revidiert und sich explizit für eine Erdverkabelung ausspricht. Nach der Beschlussfassung zogen die Grünen ihren Antrag jedoch zurück. „Das ist ein Teilerfolg für die Bürgerinitiative“, bewertete Grünen-Sprecher Dieter Szczesny den Beschluss. Mit der Rücknahme der ersten Stellungnahme wartet der Samtgemeinderat nun erstmal das Ergebnis des Prüfauftrages für Tennet ab. Danach will man die Sache neu bewerten.

Zankapfel ist die Wümmeniederung, die die Stromtrasse in Richtung Hellwege überqueren muss. Die Meinungen, ob Frei- oder Oberleitungen sinnvoller sind, gehen auseinander. Der Nabu, die Bürgerinitiative und die Grünen argumentieren, dass Freileitungen unter anderem eine Gefahr für die Vögel darstellen. Zudem schaden sie dem Landschaftsbild und konterkarieren den Tourismus und die Leitziele der Gesundregion.

Klaus Dreyer, SPD-Ratsherr und Hassendorfer Gemeindebürgermeister, spricht sich trotzdem für Freileitungen aus. Er glaubt nicht, dass ein Erdkabel automatisch die naturverträglichere Lösung ist. „Man sollte nicht so tun, als wäre es so einfach, unter die Erde zu gehen“, sagte er. Er befürchtet, dass bei einem Erdkabel „20 Hektar Land und Forst wegmüssen“. Heinz-Wilhelm Oetjen (FDP) erwähnte, dass auch Erdkabel von Bewuchs freigehalten werden müssten und betonte die „Herrlichkeit“ von Schwalben auf Oberleitungen. „Es ist nicht alles schlecht.“ „Es ist Tradition, dass sich die Samtgemeinde an den Beschluss der Mitgliedsgemeinde anhängt“, sagte Hans-Jürgen Krahn (CDU) in der Aussprache und befürwortete ebenfalls die Rücknahme der Stellungnahme.

Der Sprecher der Initiative, Hans-Uwe Franke, nutzte die Bürgerfragestunde am Ende der Sitzung, sich für den Beschluss zu bedanken. Mit einer Gegenstellungnahme habe man eh nicht gerechnet. Dass die Entscheidung einstimmig war, helfe der Initiative. Das sei ein Zeichen der Solidarität und dass überparteilich und -örtlich über das Thema diskutiert werde.  mro

Hintergrund

Der Netzbetreiber Tennet plant, die Stromtrasse Stade-Landesbergen von 220-Kilovolt- auf 380-Kilovolt-Leitungen aufzurüsten. 145 Kilometer ist die Trasse lang, mit rund 46 Kilometern führt ein großer Teil der Stromleitung durch den Landkreis Rotenburg, 22 davon durch die Samtgemeinde Sottrum. Im Zuge des Projekts bekommt die Trasse mancherorts eine neue Streckenführung. Im Landkreis ist dieses am stärksten für Hassendorf vorgesehen.

Noch führt die Trasse über Hassendorf-Bahnhof nah an Sottrum-Fährhof und Hellwege vorbei, ehe sie in südwestliche Richtung abknickt und schließlich südlich des Flugplatzes Weser-Wümme in den Landkreis Verden übertritt. In unmittelbarer Nähe verläuft eine bereits bestehende 380-Kilovolt-Leitung, die im Zuge des Neubaus aber nicht abgebaut wird.

Ab dem Sottrumer Umspannwerk soll die von Tennet geplante Freileitung zunächst nördlich und später östlich an Hassendorf vorbeiziehen. Ab Hellwege hält sie sich dann immer einige hundert Meter südlich der bestehenden Trasse. Die Erdkabel-Variante, die aktuell noch geprüft wird, würde zwischen Hassendorf und dem Ortsteil Bahnhof entlang führen und müsste die Solaranlage unterqueren.

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