Platzproblem im kommenden Schuljahr

Herausfordernder Ausbau - am Gymnasium beginnen die Arbeiten

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Die ersten Bagger rollen. 2021 soll der Anbau am Gymnasium fertig sein.

Sottrum - Es ist große Pause im Gymnasium Sottrum. Auf dem Schulhof versammeln sich die Schüler, einige von ihnen stellen sich direkt an den Bauzaun, der seit einigen Wochen dort steht, und schauen neugierig den Arbeitern zu. Bagger und Radlader sind gerade dabei, gelben Sand zu verteilen, der von Lkw angeliefert wird. Die vorbereitenden Maßnahmen für den neuen Trakt mit Unterrichtsräumen und der Mensa sind angelaufen.

Auch Schulleiter Ferdinand Pals schaut zu. Wenn es nach ihm ginge, kann es nicht schnell genug gehen mit dem Baufortschritt. „Mehr als die Hälfte des Geländes ist gesperrt“, sagt er. Der Schulleiter steht am Rande der Baustelle, dort wo der Anbau später an das Schulgebäude anschließen und damit für den Platz sorgen wird, den das Gymnasium eigentlich schon im kommenden Schuljahr braucht. Doch Pals weiß auch, dass er sich in Geduld üben muss.

80 bis 100 Schülerinnen und Schüler mehr als die jetzige 570, schätzt er, werden das Gymnasium ab dem Schuljahr 2020/21 besuchen. Und die muss er erst mal unterkriegen. Die Schule wächst sozusagen gezwungenermaßen. Sie ist als sogenannte G8-Schule, also für das Abitur nach zwölf Schuljahren, konzipiert. Nun kehrt Niedersachsen allerdings zum G9 zurück, ab dem kommenden Jahr gibt es also eine Klassenstufe mehr, als man der Eröffnung 2004 angenommen hatte. Für das Frühjahr 2021 ist nun der Abschluss der Bauarbeiten eingeplant – Stand jetzt. Pals glaubt aber nicht daran, er geht von einem späteren Termin aus. Im Rathaus hingegen ist man optimistischer. Man habe Puffer eingeplant, so Samtgemeindebürgermeister Peter Freytag. Aber es komme auch immer auf die Witterung an.

Der Grundriss der Mensa. Darüber entstehen Unterrichtsräume.

Die Samtgemeinde-Politik will im kommenden Frühjahr darüber beraten, wie man der sich andeutenden Raumnot begegnen will. Freytag geht davon aus, dass das Bestandsgebäude für den Übergang ausreichen werde, wenn man flexibel plane. Es komme aber auch darauf an, wie die Kursbelegungen in den kommenden Jahren aussehen. Vielleicht gebe es Kapazitäten, vereinzelte Fachräume wie den IT-Raum zeitweise in Klassenzimmer umzufunktionieren. „Das ist aber nur in Absprache mit der Schule im Konsens umzusetzen“, sagt der Bürgermeister. Pals: „Platz im Bestand gibt es nicht.“ Wird das Gymnasium Container brauchen? Der Schulleiter will einem Beschluss nicht vorgreifen, „aber das wäre eine sinnvolle Lösung“. Im Rathaus möchte man auf jeden Fall zuvor die „Parameter“ klären – alle Möglichkeiten ausschöpfen und alle Alternativen geprüft wissen.

Sicher ist, für mindestens anderthalb Jahre wird man sich am Gymnasium so oder so einschränken müssen. Vier bis sechs Klassenräume seien vom Baulärm betroffen, so Pals. „Aber das hält sich im Rahmen.“ Das gehöre eben dazu, wenn man baut. Klassenarbeiten wolle man daher in anderen Räumen schreiben. Im Moment, während der Vorbereitungen, haben die Schüler aber schon gemerkt, dass sie im Unterricht wohl etwas besser hinhören müssen. Wer leise spricht, sei schwerer verständlich, berichten sie. Das Vibrieren der Rüttler sei zu spüren, aber die werden ja nicht ewig da sein. Was eher ablenke, sei das Schüler-Interesse an den Arbeiten an sich, so ein Lehrer schmunzelnd. Aber dafür gebe es ja Vorhänge. Samtgemeindebürgermeister Freytag ist jedenfalls froh, dass der Anbau im Wesentlichen ein eigenständiges Gebäude ist. Das würde die Belastung nicht zu groß werden lassen, als wenn am Bestandsgebäude selbst gewerkelt würde.

„Es hat seine Zeit gebraucht, es war ja auch ein inhaltlicher Kampf“, resümiert Freytag zum Baubeginn. Lange Zeit haben Schule, Samtgemeinde und Landkreis darüber diskutiert, wie groß der Anbau denn werden muss. Dass niemand trotz des gestiegenen Baupreises diese Debatte nicht noch einmal aufgemacht hat, sieht Freytag als Zeichen der verlässlichen und vertrauensvollen Zusammenarbeit, die auch der Erste Kreisrat Torsten Lühring vom Landkreis Rotenburg, der am Ende die Rechnungen bezahlt, bestätigt.

Durch den Anbau entstehen neben einer Mensa eine Zubereitungsküche, eine Mediathek, acht Unterrichtsräume sowie Nebenräume. Erst in den vergangenen Wochen haben der Kreisschul- und der nicht-öffentliche Kreisausschuss die Erhöhung der Baukosten auf 5,7 Millionen Euro akzeptiert. Ursprünglich sollten sie mit 3,4 Millionen Euro zu Buche schlagen. Der Grund für die Steigerung: „Allgemeine Preissteigerung im Bausektor“, wie aus einer Sitzungsvorlage des Kreisschulausschusses hervorging. „Das sehen wir ja überall“, so Freytag. Die Baubrache sei zur Zeit sehr dynamisch, die Auftragsvergabe schwierig.

Die Bauarbeiten stehen zwar am Anfang, das letzte Wort ist aber noch nicht gesprochen – nicht zuletzt, weil noch einige Aufträge ausgeschrieben und vergeben werden müssen. Auch Schule und Trägerin werden noch einige Worte wechseln. Aber das gehört wohl dazu, wenn man baut: Freytag lässt kaum Zweifel an einem guten Ende aufkommen: „Auch bei anderen Maßnahmen ist es immer vernünftige Problemlösungen gegangen.“

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