Der Anfang zum Ende

Hellweger Arbeitsgruppe baut Museumswerkstatt auf dem Mühlenhof

Günter Wellbrock (v.l.), Heinz Hoops, Jürgen Ritter, Siegfried Unthan und Erhard Thies vor der Werkstatt auf dem Mühlenhof
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Günter Wellbrock (v.l.), Heinz Hoops, Jürgen Ritter, Siegfried Unthan und Erhard Thies sind zufrieden mit ihrem neuesten Werk.

Die Arbeitsgruppe Mühlenhof in Hellwege hat ein weiteres Projekt in der Mache. Aus alten, wiederverwendeten Materialien entsteht dort eine Werkstatt, die nach der Fertigstellung zu Museumszwecken dienen soll.

Hellwege – Sofort steigt Holzgeruch in die Nase, als Erhard Thies die zweiflügelige Dielentür öffnet. Trotz der klassischen alten Bauweise, nach der sich die obere und untere Hälfte getrennt aufklappen lassen, ist sie nagelneu. Unter dem robusten Riegel verbirgt sich allerdings ein modernes Türschloss. Hinter dem hellen Holz befindet sich das neueste Werk der Arbeitsgruppe Mühlenhof in Hellwege – das zugleich auch das letzte sein soll.

„Wir sind jetzt dabei, das zu bauen, was wir eigentlich ganz am Anfang dieses Projektes gebraucht hätten“, erklärt Thies mit einem Lachen. Seit 2007 ist er mit einer Gruppe Männer auf dem Gelände aktiv. Angefangen mit einem historischen Holzbackofen, baute das insgesamt 16-köpfige Team ein Gebäude nach dem anderen auf: eine Mühle, einen Speicher und einen Wagenschauer. Und an diesen dockt nun das neueste Werk an – eine Werkstatt.

70 bis 75 Prozent sind wiederverwendete Materialien

„Wir hatten schon vor Corona damit begonnen“, erinnert Thies sich. Eine Weile ist Ruhe auf dem Gelände neben dem Heimat- und Kulturhaus, bis es die Pandemielage möglich macht, zumindest in Kleingruppen wieder zusammenzukommen. „Mittlerweile sind wir alle vollständig geimpft, wir halten uns an die Abstandsregeln“, betont er. Unter diesen Bedingungen führen sie nun regelmäßig jeden Montag ihr Projekt fort, das vor allem auf einem fußt: ehrenamtlicher Arbeit.

„Wir wollen so gut wie keine Materialkosten erzeugen“, erklärt Heinz Hoops. 70 bis 75 Prozent dessen, schätzt Thies, was die Männer an Steinen, schweren Balken und Brettern verwenden, haben sie sich zusammengesucht, „überall dort, wo alte Gebäude abgerissen werden“, sagt Thies. „Immer, wenn wir da etwas hören, spitzen wir die Ohren.“ Das Recycling reicht bis hin zu den weiß lackierten Eisenfenstern. Die sind bereits in die Außenwand eingefasst, umrahmt von vorspringendem Mauerwerk.

Auch die Bretter für die Innenverkleidung der Wände hat die Gruppe durch Nachfragen zusammengetragen, aufbereitet und mit Nut und Feder versehen. Als Inneneinrichtung planen sie, die Werkstatt eines Stellmachers nachzubilden. „Es soll also eine Art Museumswerkstatt werden, die gleichzeitig praktisch nutzbar ist“, so Thies. Idee sei daher auch, weitere Exponate dort zu zeigen, die Einblick in vergangene Zeiten geben und die harte Arbeit in der Landwirtschaft verdeutlichen. „Da haben wir tolle Ausstellungsstücke, die wir hier zeigen könnten.“ Er wie auch die anderen Mitglieder der Gruppe freuen sich darüber, dass unter anderem auch die Gemeinde Hellwege das Vorhaben unterstützt, „beispielsweise mit der Eingangstür“, sagt Thies. Die letzte Tat an dem Gebäude wird dann in absehbarer Zeit sein, dass er den Balken über der Tür mit einem Relief versieht. „Der Spruch soll ,Vergangenheit bewahren, Zukunft erfahren‘ lauten“, verrät Thies.

Blaubeerfeld neu angelegt

Auch außerhalb der künftigen Werkstatt ist ein wenig passiert: So haben Christa und Heinz Hoops ein Blaubeerfeld angepflanzt sowie eine kleine Baumschonung im hinteren Teil des Geländes. Ebenfalls ist die Gruppe dabei, Feldsteine zusammenzutragen, aus denen eine Sitzecke werden soll.

Immer wieder ist es der Gruppe ein Anliegen, das ganze Dorf in irgendeiner Form in das einzubinden, was auf dem Mühlenhof vor sicht geht – meist über Feste und Feiern. „Und das war im vergangenen und ist auch in diesem Jahr wieder schwierig“, so Thies. Denn das Problem ist: „Von den Veranstaltungen hier auf dem Mühlenhof leben wir, denn alles, was wir hier ja machen, machen wir unentgeltlich.“ Umso mehr freut es die aktiven Freizeithandwerker, dass immer mal wieder Spenden eingehen – „manchmal einfach nur anonym in einem unbeschrifteten Umschlag in meinem Briefkasten“, so Thies.

Wenn man sich hier hinsetzt und sich umsieht: Das ist schon Wahnsinn, was wir hier geschafft haben.“

Erhard Thies

Mit der Werkstatt wollen Thies und seine Mitstreiter ihr Kapitel als Gestalter auf dem Mühlenhof abschließen, danach soll ihr einziger Beitrag auf dem Mühlenhof die Pflege des Geländes sein. „Es ist für uns ein guter Schlusspunkt. Dazu kommt, dass es über die Jahre hinweg in unserer Gruppe auch kaum Fluktuation gab“, freut er sich. „Und schön ist auch, dass schon die nächste Generation in den Startlöchern steht.“ Die Gruppe an sich ist mit ihrem Werk zufrieden: „Wenn man sich hier hinsetzt und sich umsieht: Das ist schon Wahnsinn, was wir hier geschafft haben.“

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