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Hellwege plant Abriss des Glockenturms

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Von: Nina Baucke

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Der Glockenturm in Hellwege gehört ab Ende Juni der Vergangenheit an.
Der Glockenturm in Hellwege gehört ab Ende Juni der Vergangenheit an. © Baucke

Seit fast 70 Jahren steht der alte Schlauchturm, der seit 1969 die Hellweger Glocke beherbergt, an der Dorfstraße. Das ändert sich im Juni, denn das Holzbauwerk wird abgerissen, der Pachtvertrag für das Grundstück zwischen Gemeinde und Eigentümer ist aufgelöst.

Hellwege – Holzstiegen führen Meter um Meter an den Innenwänden entlang den Turm hoch, beleuchtet durch das Tageslicht, das durch Ritzen in das Gebäude dringt. Ganz oben, von unten nur als ein kreisrunder, dunkler Fleck erkennbar, hängt die Hellweger Glocke. Gestimmt auf den Ton E läutet sie sonntags zur Kirchzeit, bei Sterbefällen und an Silvester. Noch zumindest, denn der ursprünglich als Schlauchturm gebaute Glockenturm an der Dorfstraße in Hellwege wird am 30. Juni der Vergangenheit angehören.

Seit 1954 hat der Turm seinen Platz auf einem Grundstück, dass die Gemeinde damals von einer Familie gepachtet hatte. Nun hat der Eigentümer der Fläche um Auflösung des Pachtvertrages gebeten – „aus nachvollziehbaren Gründen“, wie Bürgermeister Wolfgang Harling (SPD) bei einer Sitzung des Hellweger Gemeinderates am Mittwoch betonte. Unter anderem spielt die Versicherungsfrage eine Rolle, denn für das fast 70 Jahre alte Bauwerk wäre ohnehin in naher Zukunft eine Überprüfung der Standsicherheit und anschließend möglicherweise umfangreiche Instandsetzungsarbeiten fällig gewesen. „Unter anderem hätten wir uns die Statik anschauen und den Turm stellenweise neu verplanken müssen“, so Harling. „Denn wer ist zuständig, wenn da was passiert?“

Glockenstuhl am Friedhof als Option

Einstimmig entschied sich der Rat daher für das Ende des Pachtvertrages und den Abriss des Turms bis Ende Juni. Die Glocke selbst hängt seit 1969 in dem Schlauchturm, als dieser für Feuerwehrzwecke nicht mehr benötigt wurde. Zuvor hatte das 145 Kilogramm schwere Objekt seit seiner Herstellung in Hessen 1960 in einem Eichenbaum an der Verdener Straße gehangen – zu Beginn im Turm noch per Hand von Hinrich Schröder geläutet, seit einigen Jahren übernimmt Elektronik mit Zeitschaltuhr diesen Job.

Noch offen ist die Frage, ob die Glocke überhaupt weiterhin gewollt ist. Und wenn ja, wo: Der Rat will nun verschiedene Optionen prüfen, die dafür nun auf dem Tisch liegen, vor allem drehen diese sich um den Friedhof als neuer Standort. So wäre eine Möglichkeit, die Hellweger Glocke an der Kapelle anzubringen, eine andere, einen neuen Glockenstuhl auf dem Gelände des Friedhofs zu bauen und sie dort aufzuhängen. Für letztere Option veranschlagt die Gemeinde bereits schon einmal prophylaktisch eine geschätzte Summe von 120 000 Euro, die in den Haushalt für 2023 eingearbeitet werden soll. „Da wäre aber sicher auch eine Förderung von 50 bis 60 Prozent möglich“, hoffte Harling. Dabei orientiere er sich an der Erfahrung, die Reeßum mit seinem Glockenturm gehabt hätte. Heiner Lange (HBL) wiederum kritisierte die Summe als „unrealistisch“: „Dann müssen wir uns etwas anderes überlegen, denn wir haben schon Wichtigeres zu tun.“ Lange plädierte daher für die Idee, sie direkt an der Kapelle anzubringen. „Was wir letztendlich machen, müssen wir sehen, ich würde nur erst einmal diese Zahl an die Kämmerei weitergeben. Es gibt verschiedene Modelle für Glockenstühle im Segment zwischen 80 000 und 120 000 Euro, wir müssen nur wissen, was wir genau wollen.

Im Inneren führen schmale Holzstiegen nach oben.
Im Inneren führen schmale Holzstiegen nach oben. © -

Geäußerte Befürchtungen, die Glocke sei vom Friedhof aus im Dorf nicht mehr hörbar, teilte Harling nicht: „Hellwege liegt in einer Senke, der Friedhof oberhalb. Ich denke, von dort oben wird die Glocke sowieso viel mehr in das Dorf hineinschallen.“

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