Hans-Werner Mattfeldt aus Hellwege flechtet aus Binsen Unterlagen für Stühle

Ein norddeutsches Hobby

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Binsen: Als typisches norddeutsches Gebrauchsgut.

Hellwege - Von Tobias Woelki. Die einen bauen Modellflugzeuge, andere verewigen sich in ihrer Freizeit auf Leinwänden. Nicht so Hans-Werner Mattfeldt, der seit mehr als 25 Jahren ein Hobby pflegt, das vor etlichen Generationen als typisch norddeutsch galt. Der Hellweger flechtet aus Binsen Sitzunterlagen für Stühle und stellt Körbe daraus her.

„Das hat mich immer interessiert. Als Kind habe ich meinem Vater Johann, der zum Eigenbedarf Stühle mit Binsen bespannte, über die Schulter geguckt“, berichtet der Hobbyflechter und schmunzelt. Und er erinnert sich: „Damals vor mehr als 60 Jahren wuchsen die Binsen im Ort in Tümpeln auf dem Krähenhop. Die hat mein Vater dann geschnitten und schließlich daraus Sitzunterlagen geflochten.“

Als junger Erwachsener wollte Hans-Werner Mattfeldt das damalige Handwerk von seinem Vater lernen. Dazu kam es aber nicht mehr, weil dieser bei einem Arbeitsunfall im Hellweger Sägewerk schwerste Handverletzungen erlitt. Nach einer Operation waren die Finger steif und die Arbeit für den Vater nicht mehr möglich.

„Das Binsenflechten ließ mich aber nie los“, schiebt Mattfeldt nach. Die Jahre gingen ins Land, und der ehemalige Betriebsleiter der Sottrumer Kläranlage suchte sich ein Hobby. Da ihn altes Handwerk begeisterte, fand er sich beim Heimatverein Sottrum wieder, erlernte das Spinnen mit dem Spinnrad und perfektionierte sein Wissen so sehr, dass er sein Können Jahre später anderen beibrachte.

Durch einen glücklichen Zufall vor Jahrzehnten erfuhr er, dass eine ältere Dame in Wensebrock die Technik des Binsenflechtens beherrschte. Er rief bei ihr an, vereinbarte ein Treffen und erhielt Einzelunterricht im Flechten. Von da an gab es für ihn kein Halten mehr. Was war er stolz, als er seine erste Stuhlsitzfläche anfertigte.

Schnell stieß Mattfeldt auf ein Problem. Denn wo wachsen Binsen? In der Gegend und in einem weiten Umkreis zumindestens nicht. „Binsen sind zwei, drei Meter hoch und werden in der Haseldorfer Marsch in Schleswig-Holstein im Überflutungsbereich der Elbe angebaut und im Juli und August geerntet. Vor der Verarbeitung werden die Blüten am oberen Teil getrennt. Danach müssen die trockenen Binsen über Nacht eingeweicht und während der Bearbeitung immer wieder eingesprüht werden“, erklärt Mattfeldt. Und fügt er hinzu: „Binsen müssen elastisch sein. Sonst brechen sie bei der Verarbeitung.“

Wenn er die Binsen flechtet, ist der Hellweger in seinem Element. Für ihn ist die Kraftanstrengung Entspannung, für andere ist es eine schwere körperliche Arbeit, wenn er die Binsen eine nach der anderen an den vier Seiten hin- und herschiebt. Er arbeitet im Stehen. Sitzend sei es noch anstrengender. Wer ihm aber zusieht, der spürt sofort seine Freude im Umgang mit dem Material. „So ein Sitz besteht aus vier Lagen“, erklärt Mattfeldt. Und wie lange hält so ein Stuhl? Hans-Werner Mattfeldt muss schmunzeln. „Ohne Hunde und Katzen im Haus: 30 bis 40 Jahre.“

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