Hans-Werner Huppertz springt kurzfristig für den erkrankten Johannes Monno ein

Happy End beim Auftaktkonzert der Gitarrenwoche

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Hans-Werner Huppertz (l.) holt sich Thomas Müller-Pering für die Zugabe mit auf die Bühne.

Ahausen - Eine Katastrophe mit Happy End haben die Zuhörer des Auftaktkonzertes zur Rotenburger Gitarrenwoche in der St. Marienkirche Ahausen erlebt. Johannes Monno, der mit Barock- und spanischer Gitarre die Internationalen Sommerkonzerte eröffnen und außerdem eines der beiden Soli beim Abschlusskonzert übernehmen sollte, war kurzfristig ausgefallen. Bandscheibenvorfall, teilte Hans-Wilhlem Kaufmann, Leiter der Rotenburger Gitarrenwoche, mit. Hilfesuchend wandte er sich an Thomas Müller-Pering, der seit 1999 Stammdozent bei den Gitarrenwochen ist und über unzählige Kontakte verfügt. „Das zeigt, wie stark und lebendig die Gitarrenszene ist“, so Kaufmann.

Ob es die Aussicht auf einen Radiomitschnitt oder der Bekanntheitsgrad der Rotenburger Gitarrenwoche war, ist nicht überliefert: Spontan auf Kaufmanns Anfrage sagte Hans-Werner Huppertz zu.

Für Nichtkenner der Szene lässt sich nur schwer ein Vergleich zwischen Monno und Huppertz ziehen. Hochkarätig und fesselnd erwies sich sein Konzert an der klassischen Gitarre. Huppertz, Jahrgang 1967, gilt als einer der vielseitigsten Gitarristen seiner Generation. Sein Programm offenbarte seinen Faible für südamerikanische Gitarrenvirtuosen. Mit Werken von Agustin Barrios (Paraguay) eröffnete er den Abend, vertiefte sich in sein Spiel, wurde eins mit der Gitarre. Dafür, dass die Werke Barrios recht alt sind, wirkten sie modern, dazu romantisch und ausdrucksstark. „Bei Barrios fühle ich mich gut aufgehoben, ein bisschen beschützt, sofern man es zu Anfang eines Konzertes sein kann“, sagte Huppertz, der immer etwas jungenhaftes ausstrahlte.

Nach dem Ausflug nach Paraguay ging es in die Zeit des Barocks, nach Nürnberg zu Johann Pachelbel, der Komponist und Organist war. Huppertz präsentierte die „Suite C-Dur“ auf der klassischen Gitarre. Anschließend wechselte er zu dem italienischen Gitarristen und Komponisten Mauro Giuliani, „der Gitarre spielen konnte wie sonst keiner zu seiner Zeit. Er hat die Gitarre zu einem Hochleistungsinstrument gemacht“, so Huppertz. „Ich glaube, bei Giuliani ist immer Giuliani drin“, sagte der Musiker und stimmte die „Variationen über ein Thema von Georg Friedrich Händel op. 107“ so feinfühlig und selbst genießend an, dass eindeutig bei Huppertz immer Huppertz drin ist. Lebend, belebend, füllend und zum Schluss temporeich brachte er Giuliani, die Grand Ouverture op. 61, auf die Bühne.

Mit einer Hommage an die brasilianische Gesellschaft von Heitor Villa-Lobos huldigte Huppertz den wohl populärsten und international bekanntesten Komponisten klassischer Musik Brasiliens. „Ich mag ihn sehr“, sagte der Gitarrist nach Prelude und Etüden, die immer etwas folkloristisches, leicht wehmütiges, romantisches aber auch lebenslustiges inne hatten.

Tief beeindruckend waren die Zugaben, die das Publikum geboten bekam. Huppertz, jetzt an der Terz-Gitarre, trat mit Thomas Müller-Pering (klassische Gitarre) in den Altarraum, um die Stücke „Am Grabe der Geliebten“ und „Unruhe“ des österreichischer Komponisten und Gitarristen der Romantik Johann Kaspar Mertz in berührender Vollendung zu spielen. Mit dem perfekten Ausklang des Auftaktkonzertes machten beide Appetit auf das Teilnehmerkonzert am Sonnabend ab 20 Uhr in der Theodor-Heuss-Schule in Rotenburg.

bd

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