ZUKUNFT HEIMAT Zwischen Tradition und Moderne

Hans-Jürgen Krahn sieht den Heimatverein als Vermittler

Hans-Jürgen Krahn vor dem neuen Europäischen Heimat- und Kulturhaus in Sottrum
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Hans-Jürgen Krahn sieht das Europäische Heimat- und Kulturhaus als letzten großen Baustein auf dem Heimatverein-Gelände in Sottrum.

Das neue Gebäude des Heimatvereins Sottrum, das Europäische Heimat- und Kulturhaus, steht kurz vor der Fertigstellung. Mit dem abschließenden Element auf dem Gelände gegenüber der Kirche und des Rathauses will der Verein eine Verbindung zwischen Vergangenheit und Zukunft schaffen.

Sottrum – Die Schritte im neuen Ausstellungs- und Veranstaltungsraum hallen noch, aus Wänden und Holzspalten ragen Kabel – und trotzdem ist deutlich erkennbar, dass es vorangeht im Europäischen Heimat- und Kulturhaus auf dem Gelände des Sottrumer Heimathauses. „Wir haben dieses neue Gebäude aus der Vergangenheit in die Zukunft geholt“, sagt der Vereinsvorsitzende Hans-Jürgen Krahn über das Projekt. Denn das Häuslingshaus, das ursprünglich seinen Platz in Buschhausen im Landkreis Osterholz hatte und nun unter anderem mit den Originalbalken in Sottrum wieder aufgebaut wurde, ist aus seiner Sicht die perfekte Verbindung zwischen Vergangenheit und Zukunft.

Wenn ich nicht weiß, woher ich komme, dann weiß ich auch nicht, wo ich hin will.

Hans-Jürgen Krahn

Die Balance zwischen Tradition und Moderne – eine Herausforderung auch für den Heimatverein an sich, der mehr sein will, als nur der Aufwärmer alter Geschichten. „Als Heimatverein haben wir etwas Bewahrendes. Wenn ich nicht weiß, woher ich komme, dann weiß ich auch nicht, wo ich hin will“, macht Krahn den Kern der Vereinsarbeit deutlich. „Es geht nicht nur darum, Volkstänze und alte Gerätschaften vorzuführen, sondern auch Lehren aus der Vergangenheit zu ziehen.“ Er ist der Überzeugung, dass sich viele Menschen für Geschichte interessieren, gerade für Heimatgeschichte. „Die Historie der eigenen Familie wird für sie immer spannender. Und wenn ich wissen will, wo meine Vorfahren her kommen, will ich ja auch wissen, wie sie gelebt haben. Und das können wir vermitteln.“

Auch angesichts dieses Aspekts spielt das neue Kleinod auf dem Gelände an der St.-Georg-Straße eine entscheidende Rolle, denn das Dachgeschoss soll nicht nur eine Wohnung, in der sich beispielsweise ein Künstler aus der französischen Partnergemeinde Sauveterre für eine Zeit einquartieren kann, beherbergen, sondern auch ein Archiv. „Wir können dort die Möglichkeit zur Recherche bieten“, ist Krahn überzeugt. Erst einmal ganz klassisch analog, irgendwann dann vielleicht auch digital und online abrufbar. „Aber erstmal ist unser erster Schritt, das Archiv zu schaffen“, betont Krahn. Nicht ohne Grund: „Zum Beispiel hatten wir schon Besucher aus den USA hier, einer davon kam ursprünglich aus Clüversborstel und suchte nach seinen Wurzeln. Da können wir nun eine Anlaufstelle sein“, so Krahn.

Kooperation mit Schulen suchen

Für die Zukunft des Heimatvereins ist es aus seiner Sicht wichtig, auch junge Leute für das Engagement zu begeistern. „Wir müssen unser Angebot wieder breiter aufstellen, denn vor allem der Neubau hat in den vergangenen Monaten und Jahren viele Kapazitäten gefordert“, sagt Krahn. Dazu gehören vor allem Kooperationen mit Schulen. „Wir wollen wieder mehr Leben in den Verein bekommen.“

Zusammenleben gestalten – diese Aufgabe sieht der Heimatverein bei sich. Das passiert auch über die Wissensvermittlung hinaus: „Wir kümmern uns um das Gelände hier, bepflanzen Blumenkästen, denn auch die Ortsgestaltung ist ein Teil unseres Vereinszwecks“, sagt Krahn. „Wir haben gut 500 Mitglieder, das ist relativ viel. Und ihnen allen geht es darum, Dinge für die Allgemeinheit zu schaffen.“ Unter ihnen befinden sich Menschen, die ihre Wurzeln nicht in Sottrum haben. „Vereine wie unserer, aber auch andere, Sport- und Kulturvereine zum Beispiel, leisten einen Beitrag dazu, dass sich Menschen mit dem Ort, in dem sie leben, identifizieren. Dass ein Ort mehr als eine Schlafstatt ist“, ist Krahn überzeugt.

Im Sommer sollen die Arbeiten an dem Gebäude abgeschlossen sein.

Im Sommer und noch vor dem Ferienstart Mitte Juli, so das Ziel von Krahn, soll nicht nur das Haus, sondern bestenfalls auch das Außengelände fix und fertig sein. Es ist für den Verein zugleich eine Art Schlussstein, mit dem aus seiner Sicht die Entwicklung auf dem Gelände beendet ist. „Vielleicht bauen wir noch ein kleines Backhaus, ansonsten ist es hier für uns abgeschlossen.“ Krahn ist überzeugt, dass sich die Menschen in Sottrum mittlerweile mit dem Ortskern und dem Heimathaus – denn auch das steht heute nicht an seinem Originalstandort – identifizieren. „Das hier war früher einmal Wiese“, erinnert er. „Das Gelände hier ist so, wie es jetzt ist, daher auch ein wichtiges Zeichen: Das Alte führt nicht nur in die Vergangenheit, sondern auch in die Zukunft.“

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