Mit Disziplin und Freude

Hans-Joachim Hartmann blickt auf 57 Jahre im Gemeinderat zurück

Hans-Joachim Hartmann in seinem Haus in Hassendorf.
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Hans-Joachim Hartmann nimmt bei der Ratssitzung am 29. Oktober seinen Hut. Der 82-Jährige hat dann 57 Jahre durchgängig im Hassendorfer Gemeinderat gesessen, davon 22 Jahre als Bürgermeister.

Wenn am Freitag der Hassendorfer Gemeinderat die aktuelle Legislatur beschließt, wird es für Hans-Joachim Hartmann die letzte Ratssitzung sein nach 57 Jahren. Fast sechs Jahrzehnte, in denen er sich nicht nur in Hassendorf engagiert hat, sondern teilweise auch im Samtgemeinderat als auch im Kreistag.

Hassendorf – 640 Einwohner hatte Hassendorf 1964, heute, fast sechs Jahrzehnte später, sind es rund doppelt so viele. „Da hat sich viel verändert“, sagt Hans-Joachim Hartmann. Wenn es einer weiß, dann er: Denn 1964 erhielt der Sozialdemokrat erstmals ein Mandat für den Hassendorfer Gemeinderat, bei der Ratssitzung am kommenden Freitag nimmt er seinen Hut – nach 57 Jahren.

Damit blickt der 82-Jährige auf ein vielfältiges lokalpolitisches Lebenswerk zurück, für das er 2014 sogar das Bundesverdienstkreuz als Auszeichnung entgegennehmen konnte. „Für mich war das eine Bestätigung“, betont Hartmann. „Aber in meinem Alter muss man auch irgendwann mal aufhören können.“

Von Aufhören war vor fast 60 Jahren noch nicht die Rede – ganz im Gegenteil: „In den 60er-Jahren war die Politik sehr konservativ geprägt“, erinnert sich Hartmann, der selbst als Flüchtling aus Ostpreußen 1945 mit seiner Familie nach Hassendorf kam und 1963 in die SPD eintrat und dort von da an bis 2004 Vorsitzender war, an seine Beweggründe, in die Politik zu gehen. „Es gab große Unterschiede zwischen den Besitzenden und den kleinen Leuten, und da ging es mir um eine gerechtere Verteilung der Steuerlast.“ 1960 waren es gerade einmal zwei der neun Gemeinderatsmandate, die die SPD innehatte, 1964, als Hartmann erstmals den Sprung hinein schaffte, waren es bereits vier. Acht Jahre später saß er selbst im Chefsessel der Gemeinde – mit 33 Jahren, bis 1994 hatte er das Bürgermeisteramt in Hassendorf inne.

Dorfgemeinschaftshaus als größtest Projekt

Hartmann ist zufrieden, wenn er auf diese Jahre zurückblickt. „Wir haben bei den Grundsteuern Steuergerechtigkeit erreicht, wir haben alle Straßen ohne Anliegerbeiträge erneuern können und im Dorf einen Plattengehweg angelegt. Dazu haben wir den Spielkreis eingerichtet und später zu einem Kindergarten gemacht.“

Eines der größten Projekte seiner Jahre als Bürgermeister war allerdings der Bau des Dorfgemeinschaftshauses: Gut 1,5 Millionen D-Mark hatte die Gemeinde damals in dieses Vorhaben investiert, „und damals lag der Zinssatz für die Finanzierung auch noch viel höher, als heute – nämlich bei 8,9 Prozent“, berichtet Hartmann. Unumstritten war der Bau nicht: „Es gab viel Kritik und Befürchtungen, dass das dort nicht laufen könnte. Aber nichts davon hat sich bestätigt“, sagt der Hassendorfer – nicht ohne Stolz in der Stimme. „Im Gegenteil, das Haus läuft hervorragend, und deswegen muss auch die Gemeinde nicht allzu viel dazugeben.“ Sport- und Schützenverein sowie die Plattdeutsche Theatergruppe nutzen das Haus, ebenso wie der Kindergarten. Seit 2003 hat zudem das Restaurant „Pizzeria Italia“ seinem Platz in einem Teil des Gebäudes gefunden.

Da geht nichts ohne Interessa an Lokalpolitik, Disziplin und auch Freude daran.

Hans-Joachim Hartmann

Ein Thema, das ihm in all den Jahren immer ein Anliegen war, was der Landschaftsschutz. „Wir waren 1975 eine der ersten Gemeinden, die da größeren Aufwand getrieben hat“, so Hartmann. „Wir haben erreicht, das früher oft überpflügte Seitenstreifen wieder bepflanzt werden“, erinnert er sich. Rund sieben Kilometer Hecken sind auf diesem Weg in seiner Amtszeit entstanden und mehrere Biotope angelegt.

Sich für die unmittelbare Umgebung einsetzen – das hat Hartmann nicht nur auf Gemeindeebene gemacht, sondern von 1964 bis 1968 im Kreistag und von 1969 bis 2006 im Samtgemeinderat. „Früher war alles straff in Fraktionen organisiert, heute, angesichts der Vielfältigkeit in der Parteienlandschaft, sind die Leute gesprächsbereiter – man muss ja nun auch mehr Kompromisse machen.“ Bei allem war ihm besonders eines wichtig: „Grundlage jeder Politik ist eine ordentliche Haushaltsführung und wirtschaftliches Handeln“, erläutert Hartmann. „Nur wenn das klappt, kann man viel bewirken.“ Dazu gehört allerdings auch, sich immer wieder auch in unbekannte Themen einzuarbeiten. „Da geht nichts ohne Interesse an Lokalpolitik, Disziplin und natürlich auch Freude daran“, erinnert er sich.

Das Interesse bleibt

Auch wenn er sich am Freitag, bei der letzten Sitzung des Gemeinderates in der aktuellen Wahlperiode, verabschiedet: Sein Engagement für das Gemeindearchiv will er fortsetzen. „Sandra Buthmann und ich arbeiten gerade eine Einwohnerliste von 1939 auf“, sagt er. Und auch die Lokalpolitik will er nicht aus dem Auge verlieren: „Ich interessiere mich weiterhin dafür, was hier passiert, und werde das auch verfolgen – sowohl in der Zeitung als auch als Zuschauer in den öffentlichen Sitzungen.“

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