Gute Noten, schlechte Noten

Gunter und Miriam Walter erstellen Online-Befragung zur Kinderbetreuung in Sottrum

Gunter und Miriam Walter in ihrem Garten in Sottrum
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Gunter und Miriam Walter haben in einer selbsterstellten Online-Umfrage Meinungen zur Kinderbetreuung in Sottrum gesammelt.

Miriam und Gunter Walter haben mit einer Online-Umfrage Eltern in Sottrum auf den Zahn gefühlt, wie zufrieden sie mit der Kinderbetreuung sind. Das Ergebnis: schlechte Noten im Bereich Kosten und Betreuungszeiten. Gemeindedirektor Holger Bahrenburg weist Kritik zurück.

Sottrum – Der kleine Sohn von Miriam und Gunter Walter ist neun Monate alt. Schon sehr früh hatte sich das Paar, dass im vergangenen Jahr aus Hamburg nach Sottrum gezogen war, bei der Gemeinde für einen Krippenplatz eingetragen. „Wir kennen das aus Hamburg mit den Kita-Gutscheinen“, sagt Miriam Walter. „Uns war schon klar, dass das hier natürlich anders sein wird.“

Dennoch hatten sie nicht mit dem gerechnet, was sie laut Sozialstaffelung monatlich für die Krippenbetreuung zahlen müssen: 618 Euro plus Essen.

Das Paar machte sich an die Recherche: Für dieselbe Zeit werden beispielsweise im Kindergarten Hellwege 270 Euro fällig. „Da sind wir hellhörig geworden“, sagt Gunter Walter. Und sie fragten sich, wie es anderen Eltern damit geht – „oder ob wir einfach nur verwöhnte Großstädter sind“, so Miriam Walter. Sie ist Gastronomin und derzeit noch in Elternzeit, ihr Mann arbeitet als IT-Berater. „Wir haben daher auch einen Anspruch auf einen Platz. Aber offenbar sind wir nicht die einzigen, die da Probleme haben, das geht auch anderen Familien so.“ Viele von ihnen seien innerhalb der vergangenen zehn Jahre nach Sottrum gezogen. Darunter eine Familie aus Bremen, wie sie erst 2020. „Die haben Sottrum schon wieder in Richtung der alten Heimat verlassen“, so Gunter Walter.

Umfrage-Teilnehmer vergeben Schulnoten

Sie entschließen sich als Privatleute zu einer Online-Umfrage und erarbeiten einen Katalog mit fünf Fragen, die sich mit der Kinderbetreuung beschäftigen, drei weitere Fragen klopfen Wohnort, Geschlecht und Alter der Teilnehmenden ab. Sie fragen, ob diese Kinder haben, die in Sottrum eine Tageseinrichtung oder die Schule besuchen, 86 Prozent der Teilnehmer bejahten diese Frage. In Sachen Zufriedenheit mit den Betreuungsangeboten auf einer Skala von eins bis zehn ergab sich bei den Befragten der Durchschnittswert fünf. Die Schulnoten, die für die Verfügbarkeit von Plätzen, Betreuungsqualität, Betreuungszeiten, Kosten und Verwaltung durch die Gemeinde vergeben werden konnten, ergaben ein gemischtes Bild: Beim Thema Zeiten, Kosten und Verwaltung gab es die durchschnittliche Schulnote vier. „Und das ist schon eine Aussage“, ist das Paar überzeugt. Auch bei der Frage nach möglichen Verbesserungen forderten 38 Prozent der Teilnehmenden flexiblere Betreuungszeiten und 29 Prozent geringere Gebühren. Eine 2,5 als Schulnote bekam dagegen die Qualität der Betreuung.

Den Link zu der Umfrage teilten sie in der Kita-Whatsapp-Gruppe ihrer Tochter und in der Elternratsgruppe der Schule. Mit Erfolg: Bereits nach 24 Stunden hatten 100 Personen teilgenommen, am Ende waren es 140, als Familie Walter die Umfrage wieder schloss. „Mit so vielen hatten wir nicht gerechnet“, ist Gunter Walter zufrieden.

Es gibt hier in Sottrum ein drängendes Problem, was die Kinderbetreuung angeht.

Gunter Walter

„Das Ergebnis bestärkt uns darin: Es gibt hier in Sottrum ein drängendes Problem, was die Kinderbetreuung angeht“, sagt er. „Und wir wollen alles dransetzen, da etwas zu verändern – wenn nicht politisch direkt in den Gremien, dann von außen.“ Er sieht dabei auch die Kommunalwahl im September als Chance: „Wir können jetzt bewusst etwas ändern.“

Gerade erst im vergangenen Jahr hatte die Gemeinde die Gebührenordnung für die Kinderbetreuung angepasst. „Ja, Sottrum ist teurer, Sottrum bietet aber auch viel“, betont Gemeindedirektor Holger Bahrenburg auf Nachfrage der Kreiszeitung. Er sieht die Umfrage kritisch: „Die Politik hat sich da genau Gedanken gemacht und die Gebührenordnung auch intensiv diskutiert und danach beschlossen.“ Auch die Bemängelung der Betreuungszeiten weist er von sich: „Wir konnten bisher jeden Betreuungswunsch berücksichtigen: Wenn jemand einen Bedarf hat, bekommt das Kind einen Platz. Und da sind uns auch keine weiteren Beschwerden bekannt“, macht Bahrenburg deutlich. „Jeder sollte glücklich sein, dass wir hier in Sottrum keine Warteliste haben.“ Lediglich im Hort habe man noch zu wenig Plätze. „Aber mit diesem Angebot sind wir erst zu Jahresbeginn gestartet, und da arbeiten wir jetzt daran, eine zweite Gruppe einzurichten. Dafür sind wir momentan auch schon mit der Schule im Gespräch.“

Jeder sollte glücklich sein, dass wir hier in Sottrum keine Warteliste haben.

Holger Bahrenburg

Überrascht war das Ehepaar bei dem, was einige Teilnehmer unter „Meinung“ geäußert hatten. „Dass Meinungen sehr unterschiedlich sind, ist völlig legitim, aber Kommentare, wie ,Kinder brauchen Liebe, keine Erzieher‘ haben uns sehr verwundert. Zumal es nicht nur Familien gibt, in der beide Elternteile arbeiten gehen wollen, sondern auch Familien, die in diesem Punkt nicht die Wahl haben“, so Miriam Walter. „Und es kann nicht sein, dass die Rahmenbedingungen das nicht zulassen.“

Frage nach Konzept

Sie und ihr Mann wünschen sich einen ernsthaften Dialog zu diesem Thema: „Es geht darum, den Bedarf einzufangen und dann an langfristigen Änderungen zu arbeiten. Das Projekt ,Sottrum 2030‘ ist zwar angestoßen, aber es braucht auch ein Konzept. Und da auf Familien zuzugehen, ist wichtig. Denn wir wollen diesen Ort lebenswerter für Kinder machen.“

Aber auch Bahrenburg will den Dialog und kritisiert: „Mit uns ist in diesem Fall nicht einmal gesprochen worden – dabei sind wir als Gemeinde immer gesprächsbereit.“ Wer Einblick in die detaillierten Zahlen möchte, wendet sich an Miriam Walter per E-Mail an miriam.walter@posteo.de.

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