Antje Holsten-Körner versucht sich beim Übungsabend an den Aufgaben bei der Freiwilligen Feuerwehr

Mit Gummistiefeln zum Löschen

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Tobias Harling und Wiebke Böschen am B-Strahlrohr.  

Stuckenborstel - Von Antje Holsten-Körner. An 365 Tagen pro Jahr und 24 Stunden am Tag sind die Feuerwehren unter dem Leitspruch „Retten – Löschen – Bergen – Schützen“ im Einsatz. In der Samtgemeinde Sottrum erfüllen diese Aufgaben mehr als 550 aktive Feuerwehrleute in Ortswehren zwischen Ahausen und Winkeldorf. Damit bei den Einsätzen jeder Handgriff sitzt, finden in jeder Ortswehr regelmäßig Übungsdienste statt. Um mir selbst ein Bild davon zu verschaffen, wie so ein Dienst abläuft, habe ich die Freiwillige Feuerwehr Stuckenborstel besucht.

Im Feuerwehrhaus wurde ich bereits von der Mannschaft erwartet. Sofort kümmerte sich Oberlöschmeisterin Marion Brand, Gruppenführerin der Frauengruppe, um mich. Sie half mir als erstes beim Einkleiden. „Derzeit ist der Bestand in unserer Kleiderkammer nicht allzu groß, in vier Wochen sieht es wieder anders aus“, entschuldigte sich Ortsbrandmeister Frank Lehmann.

Die Blümchen-Gummistiefel dürfen nicht fehlen.

Sehr groß fielen Latzhose, Jacke und Handschuhe aus. „Du hast aber Glück, dass du Kleidung aus dünnem Stoff bekommen hast“, meinte Beate Kahrs und erklärte: „Allein meine Hose für den Atemschutzeinsatz ist fast so dick wie eine Bettdecke.“ Daher ist unweigerlich, auch ohne Nähe zum Feuer, schwitzen angesagt. Da Sicherheitsschuhe, wie sie alle anderen Brandschützer trugen, in meiner Größe nicht vorhanden waren, durfte ich ausnahmsweise meine roten Blümchen-Gummistiefel anziehen.

„Die Sporthalle an der Wassermühle brennt – keine Personen in Gefahr“, hieß es an diesem Abend. Nach einer Einweisung für alle durch den Ortsbrandmeister und seinen Stellvertreter Martin Skusa über die bevorstehenden Aufgaben ging es mit den beiden Fahrzeugen los. „Im Ernstfall kann ich mir erst bei der Ankunft am Einsatzort ein Bild von der Lage machen und dann die Entscheidungen treffen“, betonte Lehmann.

Auch für die Autorin heißt es beim Übungsabend ordentlich mit anpacken.

Als Fahrzeugführerin stieg Beate Kahrs mit zwei Kameraden in das Tanklöschfahrzeug (TLF). Da der Fahrzeugtank des TLF 2 400 Liter fasst, wären ihr mehr als 20 Minuten Zeit geblieben, um die unabhängige Wasserversorgung über den Unterflurhydranten aufzubauen, da das sofort eingesetzte C-Rohr an der Schnellangriffseinrichtung nur 100 Liter in der Minute verbraucht. Zusätzlich wurde ein Verteiler gesetzt, um nachrückende Feuerwehrleute mit Wasser zu versorgen.

Alles kein Problem für Kahrs, die nur einen Bruchteil der 20 Minuten ausnutzte. So konnte souverän die linke Seite der Turnhalle abgesichert und mit der Brandbekämpfung begonnen werden. Ich wurde dem Wassertrupp zugeteilt und durfte im zweiten Fahrzeug, dem TSF, zwischen Ramon Scheunpflug und Tobias Harling, Platz nehmen. Damit hatte ich zwei Profis an meiner Seite, bei denen – was Feuerwehr angeht – nicht nur jeder Handgriff sitzt, sondern die auch zur erfolgreichen Gruppe gehören, die jüngst bei den Samtgemeindewettkämpfen den zweiten Platz belegten.

Mit an Bord war auch die Tragkraftspitze (TS). Für uns galt es, die Wasserentnahme am offenen Gewässer durchzuführen. Mit vier Leuten mussten wir die 168 Kilogramm schwere TS rund 15 Meter bis zur Wiestebrücke tragen. „Das ist noch wenig, denn beim Brand an der Bremer Straße waren es über 60 Meter durch dunklen Wald über Stock und Stein“, berichtete Martin Skusa vom letzten Einsatz.

Gesichert durch eine Feuerwehrleine wurde die mit Kupplungen verbundene A-Saugleitung, also mit einem besonders großen Durchmesser, zu Wasser gelassen. Währenddessen kümmerte sich Silvia Böhrs mit einem Kameraden um die Verkehrssicherung. Parallel verlegten die Feuerwehrleute eine B-Leitung in Richtung Halle und installierten einen Verteiler an die Ecke des Gebäudes.

168 Kilogramm schwer: Tobias Harling (v.l.), Christoph Böschen, Wiebke Böschen und Torben Böhrs tragen die Tragkraftspritze zum Fahrzeug.

Zusammen mit Tobias Harling war ich anschließend für die Vornahme eines B-Strahlrohrs zuständig. Dabei hatte ich die Kraft des Wassers unterschätzt, denn ohne meinen starken Mitstreiter hätte ich es nicht halten können. Und das, obwohl ein Stützkrümmer angebracht war, der die Führung erleichtern soll. „300 Liter Wasser pro Minute fließen so, ohne Mundstück sind es sogar bis zu 600 Liter“, wusste Harling. Ein B-Rohr bringt zwar viel Wasser, hatte Skusa zuvor erklärt, kann aber nicht in Gebäuden eingesetzt werden. Eine gute Alternative sei das flexible Hohlstrahlrohr, mit dem auch Innenangriffe möglich seien. Vom Startschuss nach der Ankunft an der Sporthalle bis zu „Wasser marsch“ aus der Wieste war nicht viel Zeit vergangen. Dementsprechend fiel die Manöverkritik durch Martin Skusa durchweg positiv aus.

Zum Abschluss saßen alle noch bei Cola, Mineralwasser & Co. in der Feuerwehrhalle in netter Runde zusammen. „Die Getränke werden aus der Kameradschaftskasse bezahlt“, erklärte Frank Lehmann. Da während der Übung nicht nur Löschwasser, sondern auch viel Schweiß floss, war das Auffüllen der eigenen Flüssigkeitsreserve auch dringend notwendig.

Ein sehr lehrreicher Abend für mich. Zwar war mir schon vor dem Besuch die Wichtigkeit der Arbeit, die nur auf ehrenamtlicher Basis erfolgt, bewusst, doch dadurch wurde meine positive Einstellung zur Feuerwehr noch verstärkt. Jeder Bürger kann zur Erhaltung der Freiwilligen Feuerwehr beitragen, denn Berufswehren sind für die Gemeinden im ländlichen Raum nicht finanzierbar.

Ein weit verbreiteter Irrtum betrifft in diesem Zusammenhang auch die Zusammensetzung der Feuerwehren. Häufig wird angenommen, dass von irgendwo eine Berufsfeuerwehr kommt, wenn den Freiwilligen Feuerwehren das Personal fehlt. Verstärkungen durch Berufsfeuerwehren gibt es in der Samtgemeinde aber nicht. Alle Lagen müssen selbstständig mit freiwilligen Kräften bewältigt und abgearbeitet werden.

Am sinnvollsten erfolgt die Stärkung der Wehren durch eine aktive Mitgliedschaft. Doch es gibt auch andere Wege, zu unterstützen. Dazu gehören eine passive Mitgliedschaft genauso wie Geldspenden, die über die Samtgemeindekasse Sottrum über DE56 2916 5681 0101 1588 00 erfolgen. Diese sind steuerlich absetzbar.

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