Gastspiel gelungen

„Günter Späth Quartett“ begeistert im Hellweger HuK

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Im Mittelpunkt des Abends stand Saxofonist Dirk Piezunka (r.), hier mit Bassist Günther Späth. 

Hellwege - Von Bettina Diercks. Die schlechte Nachricht, die Hellweges Kulturorganisator Edwin Bohlmann am Freitagabend überbrachte, war für das Publikum gar nicht so übel: Statt Eckhard Petri griff Dirk Piezunka für das „Günter Späth Quartett“ (GSQ) zum Saxofon. Konzert gerettet! Petri fiel aufgrund einer Grippe aus und verhalf dem Lilienthaler Piezunka zu einem begnadeten Gastauftritt im Heimat- und Kulturhaus.

Bassist Günther Späth, laut Bohlmann „Fels in der Brandung“ der Jazz-Band: „Das ist wie beim Fußball: Spannend, wenn plötzlich ein neuer Spieler mitspielt. Ich freue mich, mit dir zu spielen! Wir sind uns nicht ganz fremd und haben ganz schnell mal eben geprobt, eher die Stücke einmal angespielt. Es ist aber so, wie mit einer fremden Sprache: Erst, wenn man die Vokabeln gelernt hat, kann man die Sprache.“

Für das Publikum fügte sich Piezunka fast nahtlos in das musikalische Wirken des seit 1989 erprobten Jazz-Quartetts. Dem genauen Blick und Hinhören entging nicht, dass die vier auf äußerst charmante Weise im „Schluss machen“ kein eingespieltes Team waren. Späth: „Die Schlüsse sind immer etwas abenteuerlich, wenn man spontan zusammen spielt.“ So war es erfrischend spannend für den Zuhörer, der es bemerkte und der ahnen konnte, dass dort schier unerschöpfliche Inspirationen und Spielwillen aufeinandertrafen, bei vier Musikern, die schon gefühlt ewig ihre Berufung ausleben. So improvisierte sich das neu zusammengefügte Quartett immer wieder geradezu unauffällig zum Ende der Werke. „Man muss immer einen Schluss finden“, merkte Bassist Späth humorig an. Vielleicht war das auch philosophisch oder lebenserfahrend gemeint.

Obwohl Piezunka mit seinen Saxofonen den Frontmann bildete, drängte sein vor Dynamik strotzender Sound sich niemals auf, der bestechend melodisch war. Immer wieder zog sich der Saxofonist aus der ersten Linie zurück und überließ dem verbleibenden Trio die Bühne. Jeder bekam sein Soli, mal Stand mehr Bass, mal E-Piano (Jens Schöwing), mal Schlagzeug (Heinrich Hock) im Fokus der jeweiligen Interpretation der verschiedenen Jazz-Werke.

Tiefenentspannt schaffte das Quartett Jazzklub-Atmosphäre, fehlte nur noch, wie in früheren Zeiten, wabernder Zigarettenqualm im Raum. Erneut positiv und passend auch bei diesem Konzert der umgestaltete Konzertsaal im HuK, weg von Sitzreihen hin zu Tischgruppen und roten Samttischdecken sowie der mit einem schwarz abgehängten Rückwand, vor der die Musiker Platz finden.

Chillig, loungig trug GSQ Stücke zum Beispiel von der amerikanischen Saxofonlegende Wayne Shorter vor, „Miterfinder“ des Modern Jazz. Die eindringlichen Stücke „El Gaucho“ und „Black Nile“ kamen poetisch und gleichzeitig unergründlich daher, wärmten die Zuhörerseele. Die GSQ-Eigenkomposition „Besser als gestern, schlechter als morgen“ vermochte besonders zu gefallen. Das Wortspiel von Späth dazu ebenfalls, der das Stück bereits als „spannend“ angekündigt hatte: „Wenn sie das zu jemanden sagen der sie fragt, wie es ihnen geht, ,Besser als gestern, schlechter als morgen', dann muss der erst mal nachdenken.“

Bilder im Kopf schuf die Band mit der Ballade „Ojos de Gato“ (Katzenaugen) von Carla Bley und der Standard-Jazz-Ballade „In your own sweet way“ von Dave Brubeck genauso wie mit „Flowers for a lady“ von George Adams. Mit Letzterem hatte das Quartett den Joker mit Piezunka gezogen: „Das spielt unser Saxofonist, also Eckhard Petri, nicht so gerne“, sagte Schöwing. „Ich spiele alles“, konterte Piezunka.

Spannend bei diesem Konzert: Die vier Musiker, die ja in keiner ungewöhnlichen Besetzung für ein Jazzquartett daher kamen, schufen eine ganz eigene akustische Welt, schienen sich trotz der langen Schaffensjahre gegenseitig zu inspirieren. Die Musik beeindruckte mit einer einnehmenden Intensität, die mal melodisch wärmend war, mal anpirschend, dann wieder herausfordernd, bannend und dennoch immer wieder entspannend.

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