Taaken erwartet Zwischenbericht zur Endlager-Suche

Großes Bangen

Das Atommüll-Zwischenlager in Gorleben. Die Gemeinde Reeßum spielt indes in Überlegungen für ein Endlager eine Rolle.
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Das Atommüll-Zwischenlager in Gorleben. Die Gemeinde Reeßum spielt indes in Überlegungen für ein Endlager eine Rolle.

Taaken – Rolf Wedemeyer wirkt noch ganz entspannt. „Schauen wir mal, was passiert“, sagt er und drückt auf seinem Tablet herum. Seit mehr als zwei Jahren sucht der Taakener Informationen über die Atommüll-Endlagersuche zusammen. Seit die Initiative „ausgestrahlt“ eine Liste möglicher Standorte veröffentlicht hat und der Name seines Heimatdorfes draufstand, sind viele in der Gemeinde Reeßum in Habacht-Stellung. Die Behörden haben „die Liste“ mit 129 Ortsnamen nie groß dementiert. Ende des Monats schafft die Bundesgesellschaft für Endlagersuche (BGE) erstmals Fakten. Im „Zwischenbericht Teilgebiete“ will sie am 28. September diejenigen Regionen benennen, die für den Bau einer Lagerstätte infrage kommen und weiter geprüft werden. Rolf Wedemeyer wird dann auf jeden Fall vor dem PC sitzen, sagt er. Und entweder durchatmen oder sogleich aktiv werden.

Wedemeyer hat sich in den vergangenen beiden Jahren zum „Atommüll-Beauftragten“ der Gemeinde Reeßum entwickelt. Er hat zusammen mit der Politik Informationsveranstaltungen organisiert und eine Bürgerinitiative vorbereitet, die gegründet werden soll, falls Taaken tatsächlich im Fokus der BGE steht. Wedemeyer ist sich sicher, dann würde auch das Interesse steigen. Die Meisten in der Gemeinde warten wohl noch ab, glaubt er.

Es ist keine lokale Angelegenheit, mit Taaken ist in dem Bericht ein großes Salzvorkommen gemeint, das über 55 Kilometer von Breddorf bis Ostervesede reicht. Das ist vielen gar nicht bewusst. Noch vor der Veröffentlichung des Zwischenberichtes veranstaltet die Gemeinde Reeßum am 18. September eine Infoveranstaltung für politische Akteure. Alle betroffenen Volksvertreter sind eingeladen: Ortsbürgermeister, Landrat Hermann Luttmann (CDU), die Landtagsabgeordneten Eike Holsten und Marco Mohrmann (beide CDU), Bundestagsabgeordneter Lars Klingbeil (SPD) sowie das Mitglied des europäischen Parlaments, Jan-Christoph Oetjen (FDP). Gerade auf den unteren Ebenen haben nur wenige gewusst, wovon Wedemeyer in der Einladung überhaupt spricht, berichtet der Taakener. Die meisten der Angeschriebenen haben laut ihm zugesagt.

Bis 2031 soll die Entscheidung für einen Endlager-Standort gefallen sein, diese liegt am Ende beim Bundestag. 2050 soll der Betrieb beginnen – man spricht von etwa 1 100 Castorbehältern. Man mache sich keine Vorstellung, was das für eine Region bedeutet, sagt Wedemeyer. „Ein Endlager ist nicht nur ein Loch im Boden, sondern eine riesige Industrie.“ Am 18. September will er erläutern, was vielleicht kommen wird und wie der Weg zur Entscheidung aussieht. Wobei auch schon Befürworter eines Endlagers ausgemacht worden sind. Und Wedemeyer versteht auch ihre Argumente. Der zukünftige Endlager-Standort kann viel Geld als Entschädigung erwarten, und hunderte neue Arbeitsplätze.

In der Gemeinde Reeßum möchte man wissen, wie Kreis und Landtag dazu stehen, sollte ein mögliches Endlager im Landkreis Rotenburg oder in Niedersachsen konkretere Form annehmen. Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD) ist jedenfalls pessimistisch. „Es ist auch wegen der geologischen Struktur davon auszugehen, dass nennenswerte Teile von Niedersachsen dabei sind“, sagte Lies am Donnerstag vergangener Woche zum Start eines Begleitforums in Hannover. Nach Einschätzung des Ministeriums werden sich rund zwei Drittel davon in Niedersachsen befinden, weil sich hier Salz- und Tongesteine im Untergrund befinden, die für ein unterirdisches Endlager geeignet sind. Bei der Vorauswahl weiter vertreten sein wird nach Ministeriumseinschätzung auch der umstrittene niedersächsische Standort Gorleben.

Sollte Taaken im Zwischenbericht allem Pessimismus zum Trotz keine Erwähnung finden, möchte Wedemeyer sein Wissen dort einbringen, wo es in der Region gebraucht wird. Nach Thedinghausen hat er zum Beispiel schon Kontakt aufgenommen, doch auch da ist er bislang auf wenig Interesse gestoßen. Sollte für die Gemeinde Reeßum der Spuk „Endlager-Suche“ weitergehen, erwartet er einen verstärkten Zulauf an Gegnern.

In Kassel soll es überdies Mitte Oktober eine zweitägige sogenannte Teilgebietskonferenz für die betroffenen Kommunen geben. Die Gemeinde Reeßum hat vorsichtshalber schonmal Hotelzimmer reserviert.

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