„Unser Dorf hat Zukunft“: Gemeinde Bötersen gewinnt Bundeswettbewerb

Goldenes Trio

Eine Skulptur des Bötersener Wappens. Die Gemeinde hat beim Bundeswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ Gold gewonnen. Foto: Röhrs

Bötersen - Von Matthias Röhrs. Schon zur späten Mittagszeit hat die Nachricht schnell die Runde gemacht, abends traf man sich dann zu einer kleinen Feier. Die Gemeinde Bötersen – bestehend aus den Dörfern Höperhöfen, Jeerhof und eben Bötersen – hat beim Bundesentscheid des Wettbewerbs „Unser Dorf hat Zukunft“ neben sieben weiteren Kommunen Gold gewonnen. Sie steht damit an der Spitze von 30 Orten in der Endrunde, die in den vergangenen Monaten von einer Kommission bereist worden waren. Rund 1 900 Dörfer in Deutschland haben insgesamt an diesem 26. Bundesentscheid teilgenommen. Damit endet für Bötersen ein jahrelanger Weg in dem auf Kreis-, Bezirks- und Landesebene ausgetragenen Wettbewerb.

Er habe an diesem Tag nichts sehnlicher erwartet als die Bekanntgabe, sagte Cord Trefke, Sprecher des Orga-Teams, bei dem der ganze Ablauf im Dorf in den vergangenen Jahren zusammenlief, kurz nach der Veröffentlichung des Endergebnisses durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, am Donnerstag. Der Silbermedaille sei man sich sicher, Gold aber das Ziel gewesen. Bürgermeister Hermann Holsten (CDU) bestätigte gegenüber der Kreiszeitung diesen Anspruch. Der Sieg: „eine Besonderheit“. „Die acht Golddörfer konnten mit herausragendem bürgerschaftlichen Engagement, beispielhaften Ideen und zukunftsweisenden Konzepten überzeugen“, heißt es hingegen in einer Pressemitteilung des Ministeriums. Die vielen guten und kreativen Ideen zeigten: Die Bürgerinnen und Bürger fühlen sich ihrer Heimat verbunden, wollen sie besser machen. „Und sie gehen Herausforderungen an, etwa wenn es um die Sicherung der Nahversorgung oder den Erhalt von Mobilität geht. Wir machen aufmerksam auf die gefundenen Lösungen, die zugleich Motivation und Vorbild für andere Dorfgemeinschaften sind“, wird Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) zitiert.

Trefke: „Ich bin schon fast euphorisch, denn Gold war zuletzt für norddeutsche Dörfer immer schwer zu bekommen gewesen.“ Oft fehle es an der Idylle durch Berge, häufig Folklore oder gar einer Kirche im Ort. Dass ein Dorf – oder in diesem Falle drei Dörfer – auch ohne derartige Gimmicks sehr gut funktioniert, haben die Bötersener mehrmals bewiesen. Nicht nur das Engagement um den sich derzeit im Entstehen befindlichen Dorfladen in der Ortsmitte wurden beispielsweise öfters hervorgehoben, auch die Initiative der Einwohner insbesondere zum Thema „Dörfliches Grün“ und der Einsatz für die Dorfgemeinschaft wurden immer wieder positiv herausgestellt. Laut Trefke kein Selbstläufer: „Für den Wettbewerb haben wir Strukturen im Dorf geschaffen, die es vorher nicht gab.“ Es gebe jetzt einen starken Zusammenhalt und eine super Gemeinschaft. Durch mehrere Arbeitskreise könnten alle Bürger bei Entscheidungen mitgenommen werden. Jeder könne mitgestalten – ganz gemäß dem Gemeindemotto „Wer hier leben darf, hat einen Sechser im Lotto.“ Und wenn es in der Gemeinde schon keine Kirche gibt, gebe es immer noch den Glauben an sich selbst. „Wir haben das Dorf gemeinsam nach vorne gebracht“, so Trefke. „So ein Sieg gelingt nur, wenn alle dahinter stehen.“ Das ist auch der Jury aufgefallen. Nach der Bereisung Ende Juni griff der Leiter des Gremiums, Elmar Henke, das Gemeindemotto auf: „Wer hier wohnt, hat einen Sechser im Lotto – mit Zusatzzahl.“ Diese Worte waren auch der Grund, warum die Bötersener bis zur Bekanntgabe optimistisch geblieben sind. „Sonst hätte er sich das schenken können“, sagte Holsten.

Zuletzt hatte das benachbarte Waffensen Gold im Bundeswettbewerb gewonnen. Das war 2010. Bürgermeister Hartmut Leefers (CDU) ließ es sich nicht nehmen, zu gratulieren: „Das haben sie sich verdient.“ Lob gab es auch von Landrat Hermann Luttmann (CDU): „Ich gratuliere Bötersen zur Goldmedaille. Mit perfekter Vorbereitung, viel Teamgeist, Zusammenhalt und kreativen Ideen ist es den Bötersenern gelungen, das ganze Dorf mitzunehmen und der Jury zu zeigen, ihr Dorf ist für die Zukunft gerüstet. Toll, dass es in Bötersen so engagierte Menschen gibt, die ihr Zuhause lieben und attraktiv gestalten wollen.“

Als Gewinner bekommt Bötersen außerdem ein Preisgeld in Höhe von 15 000 Euro. Die offizielle Siegerehrung findet am 24. Januar 2020 während der Internationalen Grünen Woche in Berlin im Rahmen eines großen Dorffestes statt. Schon seit Längerem ist in Bötersen geplant, daran in einer größeren Gruppe teilzunehmen – ursprünglich unabhängig des Ergebnisses. Auf diesen Ausflug können sie sich nun doppelt freuen.

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